Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Das war 2013

Schon wieder ein Jahr um. Für Familienbloggerin Sandra C. war es eines voller Highlights - Juniors erster Schultag, Töchterchens erste Übernachtungsparty - und nicht so toller Momente: Mittelohrentzündungen, durchwachte, fiebrige Nächte oder ein Kind, das auf der Skipiste verlorenging. Es war ein Jahr, wie es ist mit Kindern: bunt, turbulent, laut, schwierig, schön. Und lustig. Denn was die Kinder der Bloggerin während 365 Tagen so von sich geben, ist öfters zum Schreien komisch - auch wenn die Situation eher ernst ist. Ein kleines Best-of 2013.
Blog Sandra C Kinder Jahresrückblick Silvester
© Getty Images

Das Jahr von Sandra C. und ihren beiden Kindern: bunt, turbulent, laut und lustig. Die Bloggerin blickt zurück.

Was die Schule betrifft, lieferte meine Tochter gleich zwei Premieren dieses Jahr. Sie kassierte ihre erste Strafaufgabe, und sie schwänzte erstmals - nicht die Schule zwar, aber das Fussballtraining. Ihr Vergehen, das zur «Ströfzgi» führte: Sie hat einem Klassenkameraden, der an der Wandtafel eine Aufgabe lösen musste, zugerufen: «Houston, wir haben ein Problem: zu wenig Talent!» Ich fand die Strafe zwar angemessen - es ist nicht ok, ein Gspänli, das eh schon leidet, zu verspotten - aber ich glaube, ihr Lehrer musste sich noch mehr zusammenreissen, nicht laut herauszulachen als ich, als er mir die Episode erzählte. Das mit dem Schwänzen hingegen fand ich schon eine ernste Sache, vor allem, weil sie noch gelogen hat, als sie schon längst hätte merken müssen, dass sie aufgeflogen war. Und dabei so cool blieb, dass ich nicht wusste, ob ich lachen oder weinen sollte. Als ich sie nach längeren Diskussionen fragte: «Begreifst du nicht, dass du einen Riesenseich gemacht hast?», meinte sie schulterzuckend: «E chli Seich gehört zum Leben!» Ich verkündete ihre Strafe: zwei Wochen TV- Nintendo- und Süssigkeitenverbot. Darauf sie: «Meine Strafe muss etwas mit dem zu tun haben, was ich gemacht habe.» - «Und was fändest du dann eine angemessene Strafe?» Sie zeigt auf ihren Bruder, der fies grinsend daneben sass: «Findest du nicht, ich bin mit dem schon genug gestraft?»

Mein Sohn kam erst im Sommer in die Schule, aber ich fürchte, das Potenzial für Strafaufgaben ist bereits vorhanden. Er hat sich schon mehrmals beklagt, sein Lehrer habe ohne Grund mit ihm geschimpft. Auf meine Bemerkung, wenn der gemeine Lehrer regelmässig grundlos über ihn herziehe, müsse ich den mal anrufen, meinte er: «Nein, nein, weisch - manchmal ist das vielleicht nicht so GANZ ohne Grund…» Wenn mein Sohn das Wörtchen «weisch» verwendet, wirds eh meist ziemlich witzig oder ziemlich naseweis. Oder beides. Diese Erfahrung machen des Öfteren zum Beispiel Verkäuferinnen. Als eine in einem Kinderkleiderladen uns eine sündhaft teure Hose für ihn andrehen wollte und ich verzweifelt nach einer Ausrede suchte («Ich gebe doch nicht so viel Kohle für so ein bisschen Stoff aus» macht sich nicht so gut…) rettete er mich, indem er nonchalant zu der guten Dame meinte: «Weisch, rot ist einfach nicht meine Farbe!» Und auch die Kassiererin an der Migros-Kasse erlebte schon einen seiner «Weisch-Momente»: «Sammeln Sie Lose?» - «Nein!» Der Siebenjährige: «Aber ich. Ich sammle alles.» Die Verkäuferin: «Du bist noch zu jung für Lose, mit denen man ein Auto gewinnen kann.» Darauf der Kleine: «Aber weisch - ich werde noch älter!» Und sogar der Samichlaus erwischte dieses Jahr einen «Weisch-Moment»: Da Junior zu faul war, ein Sprüchli zu lernen, sang er ihm einfach ein Weihnachtslied vor: «I wish you a merry Christmas.» - «Habt ihr denn schon Englisch in der Schule?», fragt der Chlaus. Darauf er: «Nein. Weisch - ich habe keine Ahnung, was ich singe!»

Auch «spinnsch» - zu deutsch «spinnst du?» - ist so ein Wort, auf das meist unweigerlich irgendein Spruch meiner Kinder folgt. Ich hab versucht, es ihnen auszutreiben, aber was drin ist, ist drin - das ist wohl einer der vielen Fälle, in denen ich in ihrer Erziehung jämmerlich versagt habe. (Es gibt aber auch Fälle, die ich grandios gemeistert habe, im Fall. Wenn meine Kids vom «F-Wort» sprechen, reden sie vom «Fischen».) Aber zurück zu den «Spinnsch-Momenten». Einer davon war, als mein Sohn fand, er brauche unbedingt ein neues ferngesteuertes Auto. «Das kannst du dir auf den Geburtstag wünschen», sagte ich. Darauf er: «Spinnsch? Mit sieben interessiert mich doch der Seich nicht mehr!» Aber auch meine Tochter hatte ihre «Spinnsch-Momente». «Du kannst dann mal den Samichlaus heiraten, wenn du gross bist», schlug ihr Bruder da vor. Darauf sie: «Spinnsch? Ich kleb mir doch keinen Bart an und renne von Haus zu Haus in Klamotten, die mich fett machen!» Er: «Das macht doch der Chlaus. Frau Samichlaus bleibt zu Hause und kocht.» Sie: «Spinnsch? Ich kann nicht kochen - und ich kanns auch nicht, wenn ich erwachsen bin!» Ja, ich weiss, ich muss noch etwas am Frauenbild meines Sohnes arbeiten. Das macht meine Tochter aber mehr als wett. Nicht nur, dass sie nicht vorhat, je kochen zu lernen, sie weiss auch sehr genau, wer eigentlich das starke Geschlecht ist. So meinte ihr Bruder einmal: «Gell, der erste Mensch auf der Welt war eine Frau.» Tochter: «Ja.» Sohn: «Und woher kommen dann die Männer?» Tochter: «Vom Affen!»

Ein Dauerthema im Leben mit meiner Tochter ist das Essen. So findet sie mich zum Beispiel «richtig unsympathisch», wenn sie Gemüse und Salat essen muss. Und wenn es um Süsses geht, ist sie an Opportunismus nicht zu überbieten. Nicht einmal, als sie eine Mittelohrentzündung hatte: «Du musst jetzt ins Bett.» Zehn Minuten später: «Ich hab gesagt, du musst ins Bett.» - «Was? Ich höre doch nichts, meine Ohren sind entzündet.» Und die Medizin, die müsse sie unbedingt zusammen mit Schoggi schlucken, habe der Arzt gesagt, sie schwört! Was mich auch immer wieder erstaunt, ist ihr Pragmatismus, gerade wenn es um existenzielle Themen wie Krankheit oder Tod geht. So liess sie kürzlich verlauten: «Mich gibts nur einmal, und wenn ich sterbe bin ausgestorben!» Und auch der Jüngere überlegt sich manchmal tatsächlich weltbewegende Dinge. Im wahrsten Sinne des Wortes. «Stimmt es, dass die Erde sich dreht?», fragte er. «Ja.» - «Ach, darum ist mir so trümlig!»

Einen hohen Unterhaltungswert hat auch TV-Schauen mit meinem Nachwuchs. «Für wen bist du?», fragte ich meinen Sohn beim Fussballschauen. Er: «YB.» - «Du weisst aber schon, dass die anderen den viel schöneren Goalie haben?» Darauf er: «Läck, Mami, das ist Fussball, kein Schönheitswettbewerb!» A propos Wettbewerb: Ja, ich gebs zu, ich hab den «Bachelor» geschaut, auch wenn ich das Konzept der Sendung eigentlich zum Schreien finde. Auch meine Tochter hat ab und zu einen Blick auf den guten Vujo erhascht, fand ihn ziemlich herzig, hatte aber furchtbares Mitleid mit ihm: «Warum haben seine Eltern ihn Bouillon getauft?»

Tja, das kann ihr wohl nur dessen Mutter erklären. Ich muss meinem Sohn noch erklären, warum er zu Weihnachten nicht die gewünschte «Muntermonika» bekam (weil ich bereits das Skateboard besorgt hatte, mit dem er mir seit Monaten in den Ohren lag). In diesem Sinne euch allen einen guten Rutsch, ein gesegnetes Neues Jahr und wenn ihr noch nicht eh zu viele Vorsätze habt, die ihr nie einhaltet: Nehmt euch vor, die Sprüche eurer Kinder aufzuschreiben. Ihr könnt dann nämlich im Nachhinein über viele Dinge lachen, die vielleicht gar nicht immer zum Lachen sind. Happy New Year!

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