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Der ganz normale Wahnsinn

Wie bringt Sandra C. Kids und Job unter einen Hut? Easy! Oder doch nicht?

Der Eiertanz um Krippenplätze

Zum vierten Mal in 15 Jahren entscheidet das Parlament darüber, ob es nochmal Geld für mehr Krippenplätze lockermacht. Dabei ist die Frage, ob es in der Schweiz genug Plätze gibt, derzeit schlicht nicht zu beantworten. Denn das Problem sind momentan nicht die Krippenplätze an und für sich, sondern die Kosten. Und zahlen will mal wieder niemand – weder Arbeitgeber noch Staat, Kantone und Gemeinden. Ein Armutszeugnis, findet Familienbloggerin Sandra C.

Was für ein Riesenglück ich mit meinem Arbeitgeber hatte, als meine Kinder klein waren, realisiere ich erst jetzt so richtig. Damals war ich davon überzeugt, dass ein paar Jahre später jeder Arbeitgeber dazu verpflichtet würde, Krippenplätze mitzufinanzieren, so wie meiner dies bereits vor über zehn Jahren freiwillig tat. Und dass Staat, Kantone und Gemeinden ebenfalls das Ihre dazu beitragen würden, dass sich Familien Krippenplätze leisten können, weil man den Wert davon, dass Mütter im Erwerbsleben bleiben, erkannt hat – nicht nur für die Mütter selbst, sondern auch für Betriebe, Staat, Kantone und Gemeinden.

Nicht die Anzahl Krippenplätze ist das Problem

Ich hätte nicht mehr daneben liegen können. Fast 15 Jahre später drehen wir uns noch immer im Kreis. Im Herbst entscheidet der Ständerat nach einem knappen Ja der Kantone, ob nochmal 125 Millionen für Krippenplätze lockergemacht werden oder nicht. Und die Diskussionen drehen sich unendlich darum, ob es genügend Plätze gibt oder nicht. Dabei ist die Anzahl Krippenplätze momentan gar nicht das Problem, sondern die viel zu hohen Kosten!

So sind zum Beispiel im Kanton Zürich nicht mal die Hälfte der Krippenplätze subventioniert (im Gegensatz zu einigen Kantonen in der Westschweiz). Viele Eltern können sich keinen Krippenplatz leisten und viele Mütter bleiben zu Hause, obwohl sie gern arbeiten würden. Sprich: Wären Krippenplätze bezahlbarer, bräuchte es mehr davon. Und noch mehr unerschwingliche Plätze zu schaffen, bringt relativ wenig.

Niemand fühlt sich verantwortlich

Klar, für den Staat wärs vermutlich gar keine so schlechte Sache, sagen zu können: «Seht ihr – wir haben euch mehr Krippenplätze gegeben, aber ihr wollt sie ja gar nicht!» Und das Thema wäre vom Tisch. Derweil wird um die Finanzierung der vorhandenen Plätze ein Eiertanz sondergleichen aufgeführt. Der Staat spielt den Ball den Kantonen zu, dieser gibt ihn den Gemeinden weiter, diese den Arbeitgebern und diese wiederum spielen ihn zurück zum Staat. Alle immer mit der Begründung, dem anderen nützten berufstätige Mütter ja am meisten.

Und die Familien, die gern etwas mehr zum Bruttosozialprodukt dieses Landes beitragen würden, indem sie mehr arbeiten und ergo auch mehr Steuern zahlen möchten, sich dies aber schlicht nicht leisten können, weil niemand dafür zahlen will, dass sie dies können, schauen in die Röhre. Das ist doch paradox!

In 15 Jahren ist meine Tochter in einem Alter, in dem sie vielleicht kleine Kinder hat. Vielleicht stimmen wir dann zum achten Mal über Krippenplätze ab. Und vielleicht – aber nur vielleicht – kann man sich diese ja dann auch leisten.