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Der ganz normale Wahnsinn

Der Körperkult der Teenie-Buben

Noch vor ein paar Jahren lastete der Druck, gut auszusehen, vor allem auf den Mädchen. Mittlerweile ist Bodyshaming unter Girls fast schon verpönt. Zum Glück. Dafür fängts jetzt bei den Buben an. So ist der Sohn unserer Familienbloggerin unter die Fitnessfreaks und Fashion-Victims gegangen. Nicht nur zu deren Freude.

Blog Sandra Casalini, Fitness, Muskeltraining, Februar 2022

Fit und viele Muskeln - noch immer das Idealbild eines Männerkörpers.

Imago

Klar, der Druck, cool zu sein, wird wohl immer auf die eine oder andere Art und Weise auf Teenagern lasten. Für Mädchen hiess das unter anderem jahrelang, einen perfekten, schlanken Körper zu haben. Heute beobachte ich, zumindest im Umfeld meiner Tochter, dass das passé ist. Individualität und Diversität sind angesagt. Cool ist, wer anders ist - wobei der Druck, anders sein zu wollen, schlussendlich nicht geringer oder besser ist als jeder andere Druck auch. Aber jemanden wegen des Körpers oder des Aussehens niederzumachen, geht gar nicht.

Fitness-Studio und Fashion-Queen

Bei meinem Sohn beobachte ich das Gegenteil. Tatsächlich verbringen mein Fünfzehnjähriger und seine Kumpels einen guten Teil ihrer Freizeit im Fitnessstudio. Und auch wenn er Schoggi und Co. nicht ganz abgeschworen hat, isst er nach der Schule jetzt eher mal ein gekochtes Ei statt einen Schokoriegel. Ausserdem ist er gerade dabei, seiner Schwester den Rang der Shopping-Queen unseres Haushaltes streitig zu machen. Da flattern Zalando-Pakete ins Haus mit Sneaker und Hoodies. Sogar pinke Socken waren dabei!

«Nur eines sieht man in Werbungen kaum: Männer mit normaler, fülliger oder schlaksiger Figur.»

Dass das Bedürfnis nach Style auch bei den Jungs angekommen ist, ist ja okay. Auch wenn man nicht immer alles versteht (Kind 1 zu Kind 2: «Warum gehst du jeden Monat zum Coiffeur und siehst trotzdem immer gleich aus?») Dass der Körperdruck von den Mädchen jetzt zu den Buben rüberschwappt, ist es nicht. Und es zeigt, dass unsere Gesellschaft da wohl noch ein kleines Problem hat. Auch wenn wir uns Mühe geben.

Diverse Werbung vor allem bei Frauen

Das öffentliche Bild der perfekten Frau hat sich in den letzten Jahren durchaus gewandelt. Dafür sorgen unter anderem Vorbilder in der Showsszene, die bewusst auf vermeintliche Körperideale pfeifen. Aber bei Teenagern beliebte Unternehmen wie H&M, Calvin Klein oder Zalando bringen Diversität in ihre Werbung. Von normalgewichtigen bis molligen Frauen, über solche mit körperlicher Beeinträchtigung bis zu hin zu Menschen aus der LGBTQ+-Szene. Nur eines sieht man in diesen Werbungen kaum: Männer mit normaler, fülliger oder schlaksiger Figur.

«Mir kann kein Fünfzehnjähriger erzählen, dass ihm Hanteln stemmen mehr Spass macht als Handball, Fussball, Judo oder Hockey.»

Während wir uns so langsam daran gewöhnen, auch nicht superschlanke Frauen als schön wahrzunehmen, hat Attraktivität bei Männern immer noch viel mit ihrem Body zu tun. Und Buben, deren Körper noch nicht mal ganz ausgewachsen sind, rennen den Fitnesscentern die Türen ein und pumpen sich Brust und Oberschenkel auf. Nicht, dass ich es schlecht fände, dass sich mein Sohn körperlich betätigt. Im Gegenteil. Aber auch hier spielen die Gründe eine wichtige Rolle, im Prinzip ähnlich wie bei Drogen und bei Alkohol. Mir kann kein Fünfzehnjähriger erzählen, dass ihm Hanteln stemmen mehr Spass macht als Handball, Fussball, Judo oder Hockey. Deshalb, liebe H&M, Zalando und Co.: Wir Buben-Mütter fänden es recht cool, wenn ihr in euren Werbungen auch bei den Männern mal ein bisschen Diversität in Sachen Körpertypen reinbringen würdet. Vielleicht gibt es dann irgendwann auch bei den Buben nicht mehr ganz so viel Körper-Druck.

Von Sandra C. am 5. Februar 2022 - 17:58 Uhr
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