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Der ganz normale Wahnsinn

Wie bringt Sandra C. Kids und Job unter einen Hut? Easy! Oder doch nicht?

Die anderen sind immer besser

Es nähern sich mal wieder die Geburtstage ihrer Kinder, und wie jedes Jahr zieht Sandra C. Bilanz. Nicht nur über das vergangene Jahr, sondern ganz allgemein. Und wie jedes Jahr kommt die Familienbloggerin zum Schluss: Sooooo schlecht sind die beiden gar nicht geraten – trotz suboptimalem Erziehungsstil.  

Seit ich regelmässig für ein Elternmagazin schreibe und mich daher auch regelmässig mit den unterschiedlichsten Eltern über Kinder und ihre Erziehung unterhalte, packt mich genauso regelmässig das schlechte Gewissen. Die anderen sind immer irgendwie besser als ich. Konsequenter, strenger, präsenter.

Die anderen fahren ihre Kinder morgens nicht zur Schule, weil diese zu faul zum Laufen sind. Die anderen kontrollieren Hausaufgaben und Lernziele und fragen stundenlang Vokabeln ab. Die anderen bereiten zum Frühstück frisches Birchermüesli zu, zum Mittagessen Vollkornnudeln mit Gemüse und zum Abendessen Gemüse mit Gemüse. Und ihre Kinder essen das mit Begeisterung und verlangen nicht mal nach einem Dessert. Die anderen kaufen dem Kind keine 300 Franken teure Tickets für ein Boyband-Konzert zum Geburtstag. Die anderen sind immer zu Hause, wenn die Kinder nach Hause kommen. Die anderen erlauben ihren Kindern am Tag eine Stunde am Bildschirm von Compi, ipad, Handy und Co., allerhöchstens!

Meine Kinder sind nicht andere Kinder

Ich bin nicht die anderen. Ich finde es wichtiger, dass ich weiss, was meine Kinder sich auf ihren Bildschirmen ansehen, als wieviel Zeit sie davor verbringen. Ich finde es wichtiger, mich ehrlich für das zu interessieren, was meine Kinder bewegt und interessiert, als sie zu schulischen Höchstleistungen anzuspornen und darauf zu achten, dass sie keinen Zucker essen. Ich finde es wichtiger, dass ich mich mit meinen Kindern über Ronaldos Wechsel zu Juventus Turin, den unglaublichen Handlungsstrang von «Riverdale» und den Schulwechsel einer Freundin austauschen kann, als dass sie jedes Franz-Voci aus dem Effeff beherrschen. Ist das richtig? Für mich schon. Auch wenn ich dann mal ein Mail bekomme, weil das Kind die Hausaufgaben nicht gemacht hat, einen Franz-Abschiffer unterschreiben und mit dem Kind streiten muss, ob ich nun das Netflix-Abo bezahle oder nicht, schliesslich schaue ich ja auch «Riverdale».

Andere Kinder hängen in der Badi beim schönsten Wetter wie vergiftet am Handy oder am Tablet von Freunden, statt vom Sprungturm ins Wasser zu springen, weil sie zu Hause kein «Fortnite» spielen oder Netflix schauen dürfen. Andere Kinder verschleudern ihr ganzes Sackgeld für Süssigkeiten, weils zu Hause nur Gesundes gibt. Andere Kinder besaufen sich mit 14 auf der Schulhaustreppe mit Wodka und drehen Joints, und niemand kriegt es mit – Hauptsache, sie sind gut in der Schule. Meine Kinder sind nicht andere Kinder. Zum Glück. Ich würde keine anderen wollen. Denn sooo schlecht sind meine wirklich nicht.