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Der ganz normale Wahnsinn

Wie bringt Sandra C. Kids und Job unter einen Hut? Easy! Oder doch nicht?

Die Sache mit den Hausaufgaben

Kürzlich rief in Deutschland ein Zehnjähriger die Polizei, weil er mit seinen Hausaufgaben nicht klarkam. Immerhin interessiert sich der Junge für seine Hausaufgaben. Etwas, von dem Familienbloggerin Sandra C. bei ihrem Sohn nur träumen kann.

Hausaufgaben sind wohl der grösste Stressfaktor, seit dem Tag, als mein Sohn in die Schule kam – für ihn und für mich. Während meine Tochter sie zwar nie besonders mochte, aber sie immer gewissenhaft erledigte, hasste mein Sohn sie so sehr, dass nur schon der Gedanke an sie ihn total blockierte.

Ich sass oft bis zu zwei Stunden neben ihm, während er im besten Fall mit mir diskutierte und im schlechtesten rumschrie, Stifte und Spitzer herumschmiss und Blätter zerknüllte. Ich war mit den Nerven am Ende. Nicht zuletzt darum, weil ich mich fragte – und es immer noch tue – ob es diese Hausaufgaben wirklich braucht. Meine dreizehnjährige Tochter hat von 7.30 Uhr bis 15.30 Uhr oder noch länger Schule und danach noch bis zu zwei Stunden Hausaufgaben. Wann soll denn das Kind da noch einfach Kind sein?

Dieses Hausaufgaben-Theater geht mir auf die Nerven

Und auch sie, unter den besten ihrer Klasse und eine sehr zuverlässige Hausaufgaben-Erledigerin, braucht oft Hilfe. Dabei weiss sie wenigstens jeweils, was sie zu tun hat, und mit Vokabeln abfragen und ab und an ein Mathe-Problem zu erklären versuchen, rechnet man als Eltern ja irgendwie.

Womit ich vorher nicht gerechnet habe, ist mit der totalen Planlosigkeit und dem ultimativen Desinteresse meines Sohnes. Seinen Wochenplan, auf dem er die Hausaufgaben eintragen sollte, bringt er meist gar nicht mit nach Hause, ebenso wenig das Aufsatzheft oder das Mathebuch. Wenn ich ihn schicke, das Zeug zu holen, ist der Tag meist gelaufen, bis er wieder da ist – und ganz sicher ohne die Sachen, denn das Schulhaus war leider abgeschlossen, auf die Idee, zum Hausmeister zu gehen, ist er nicht gekommen, aber zum Glück waren einige Jungs auf dem Pausenplatz am Skaten oder Fussballspielen, so dass sich der Weg wenigstens gelohnt hat.

Hausaufgaben bringen Stress

Wenn er denn sein Zeug mal dabeihat, muss man sich neben ihn setzen, damit er was macht. Ganz ehrlich: Dieses Hausaufgaben-Theater geht mir auf die Nerven. Zumal der neuseeländische Bildungsforscher John Hattie herausfand, dass Hausaufgaben nur minimal etwas bringen – und am meisten den Schülerinnen und Schülern, die eh schon leistungsstark sind. In einer Befragung unter 50'000 deutschen Schülerinnen und Schülern gaben bis zu 30 Prozent an, dass sie regelmässig die Unterstützung ihrer Eltern bei den Hausaufgaben brauchen, weil sie überfordert sind.

Ich glaube nicht, dass diese Hausaufgaben wirklich etwas bringen

Klar wäre es sinnvoll, jeden Tag Englisch- und Französisch-Vokabeln und Kopfrechnen zu üben und einen Aufsatz zu schreiben – dass Übung den Meister macht, stimmt natürlich. Und eben – bei gewissenhaften, starken Schülerinnen und Schülern bringt das sicher was.

Bei Schülern wie meinem Sohn, der mit Todesverachtung ein paar Sätze hinknorzt und gelangweilt auf irgendwelche Vokabeln starrt, bringen die Hausaufgaben genau gar nichts. Ausser regelmässige Einträge ins Klassenbuch und Strapazierung meiner Nerven, die ich dafür verantwortlich wäre, dass er die Aufgaben erledigt.

Zwei Mal pro Woche geht er jetzt in die Hausaufgabenhilfe seiner Schule. Das entlastet mich ein bisschen – auch wenn ich immer noch regelmässig nachkontrollieren muss, was er dort eigentlich gemacht hat. Wie gesagt – ich glaube nicht, dass ihm diese Hausaufgaben wirklich etwas bringen ausser Stress, für ihn und für mich. Aber da müssen wir wohl oder übel noch eine Weile durch – er und ich.