Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Digital ist sehr real

Youtube hat für Kinder und Jugendliche längst einen höheren Stellenwert als Fernsehen - auch für die Tochter von Sandra C. Das ist Lust und Last zugleich für die Familienbloggerin. Denn während sie so schon wirklich Lustiges im Netz entdeckt hat, empfindet sie die «digitale Kindererziehung» als riesige Herausforderung.
Youtube Kinder Schutz digital native Umgang
© Getty Images

Kindern den richtigen Umgang mit digitalen Medien beibringen, ist kein leichtes Unterfangen.

Der US­-Talker John Oliver hat es in seiner Sendung «Last Week Tonight» kürzlich wieder einmal ziemlich genial auf den Punkt gebracht: «Heute kannst du per Mausklick ein Buch kaufen, deinen Ehepartner kennenlernen ­ oder jemandem das Leben ruinieren.» Gerade für Mädchen und Frauen könne das Internet zu einem gefährlichen Ort werden, ­ was er an einigen haarsträubenden Beispielen zeigte. Da war eine junge Frau, die per Twitter massivste Drohungen bekam. Oder ein krasser Fall von «Revenge Porn»: Ein Ex, der pornografische Bilder einer Lehrerin ins Netz gestellt hat, inklusive ihres vollen Namens, Wohnadresse, Telefonnummer und Name der Schule, an der sie unterrichtet.

Für mich als Mutter ist genau das eine der grössten Herausforderungen in der Erziehung meiner Kinder. Sie, im Gegensatz zu mir als «Digital Natives» aufgewachsen, kennen sich im Netz bereits jetzt besser aus als ich. Trotzdem muss ich sie kontrollieren und vor gewissen Tatsachen schützen. Was früher die Aussage «Steig nie zu einem Fremden ins Auto» war, ist heute «triff dich niemals allein mit jemandem, den du nur aus dem Internet kennst.» Was früher die Frage «kann ich noch ein bisschen fernsehen?» war, ist heute «kann ich noch ein bisschen auf Youtube?». Dabei ist es unglaublich schwierig, zu kontrollieren, was sie dort alles zu Gesicht bekommen. Denn das «bisschen Youtube» findet in den seltensten Fällen am heimischen Computer statt, sondern irgendwo zwischen Pausenplatz und Heimweg auf irgendwelchen Handys.

Eine meiner grössten Ängste war schon immer, dass meine Kinder gemobbt werden. Und im digitalen Zeitalter hat Mobbing eine ganz neue Stufe erreicht. Denn paradoxerweise kann das, was da online geschieht, sehr viel realer sein als im echten Leben. Und sehr viel krasser. Ein älteres Mädchen betitelte meine Tochter in der Badi mal als «fette Kuh». Sie, nicht auf den Mund gefallen, gab zurück: «Lieber fett als so doof wie du.» Worauf die Ältere, erstaunt ob der toughen Kleinen, sich verzog. Wenn ich mir nun vorstelle, dieser Dialog hätte online so begonnen, bin ich mir ziemlich sicher, dass er irgendwie ausgeartet wäre. Und dass meine coole Viertklässlerin das wohl nicht so auf die leichte Schulter genommen hätte, hätte sie die erste Beleidigung sozusagen schwarz auf weiss vor sich gehabt.

Mobbing, Sexting, «Revenge Porn» ­ - die Erziehung von Kindern ist für Eltern mittlerweile auch zu einer digitalen Herausforderung geworden. Dabei ist vor allem das wichtig, was im «analogen» Leben auch gilt: Echtes Interesse am Alltag der Kids. Auch am digitalen. Denn er ist für die Kinder genauso echt wie das «richtige» Leben. Ich will wissen, wo meine Tochter ist, wenn sie «ein bisschen auf Youtube surft». Und sie? Zeigt es mir gern (noch). Dabei habe ich schon das eine oder andere wirklich lustige Filmchen entdeckt, wir haben schon die eine oder andere sehr gute Diskussion geführt und sie hat tatsächlich auch schon das eine oder andere dabei gelernt (zum Beispiel wer Ueli Maurer ist). Aber schaut selbst. Hier sind die Top-5-Youtube­-Clips meiner Tochter - ­ damit auch ihr wisst, was gerade angesagt ist!

1. 10 Dinge, die Sie nicht tun sollten, wenn... Sie den Schweizer Pass möchten

2. 10 Dinge, die Sie nicht tun sollten, wenn... Sie im Schweizer Militär sind:

3. Versuch, nicht zu lachen:

4. Herbert dreht durch:

5. Matty B. and Cimorelli, «Gangnam Style»:

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