Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Drugs, Kids und keine Ahnung

Über Drogen wurde im Haus von Sandra C. kaum gesprochen. Bis jetzt. Aber kürzlich kam ihre Tochter mit einer Broschüre zur Drogenprävention nach Hause. Und die Familienbloggerin musste gestehen: Sie hat keine Ahnung von dem Thema!
Kiffen Symbolbild
© Getty Images

Wie spricht man mit seinem Kind am besten über Drogen?

«Was bedeutet Prävention?», fragte meine Tochter, als sie mir die Broschüre in die Hand drückte. «Vorbeugung.» – «Drogen-Vorbeugung? Was soll denn das heissen?» – «Da steht drin, was ich machen kann, damit du keine Drogen nimmst.» – «Dann musst du das nicht anschauen, ich nehme eh keine. Warum will jemand überhaupt Drogen nehmen?»

Gute Frage. Als Teenager vermutlich, um dazuzugehören. Und aus Neugier. «Wenn all deine Freunde kiffen würden, und dir erzählen, wie cool das ist, würdest du das ziemlich sicher auch mal probieren.» Sie verzog das Gesicht. «Wäh! Sicher nicht!» – «Klar – du kaufst ja auch nie Klamotten, nur weil alle anderen die auch haben. Oder?» – «Das ist etwas ganz anderes!»

Ich habe null Erfahrung

Ja, vielleicht. Das Problem ist, dass ich tatsächlich nicht sehr qualifiziert für ein Drogengespräch bin. Zwar gab es während meiner Gymi-Zeit wohl keine Party, an der nicht gekifft wurde. Meine Erfahrungen halten sich allerdings in sehr engen Grenzen. Klar, ich habs auch probiert, aus reiner Neugier. Ich hab Hunger gekriegt, sonst nichts. Da hab ichs wieder gelassen. Was anderes hab ich nie angerührt. Weil ich schlicht und einfach nie das Bedürfnis hatte. Ich habe also null Erfahrung, wenn meine Tochter mich fragt, was denn Drogen mit einem machen.

«Sie verändern das Bewusstsein», versuche ichs mal vorsichtig. «Was heisst das?» – «Ich weiss es ehrlich gesagt nicht wirklich. Sie machen dich wach, wenn du müde bist. Oder beruhigen dich, wenn du nervös bist. Vielleicht machen sie dich mutig, wenn du ängstlich bist. Oder sogar glücklich, wenn du traurig bist. Und sie lassen dich die Sachen vergessen, die du vergessen willst. Aber eben nur für den Moment. Und wenn du dann aus dem Rausch wieder aufwachst, ist es schlimmer als vorher.» Menschen nehmen Drogen, weil sie vor ihrem realen Leben fliehen wollen, versuche ich ihr zu erklären. Oder auch einfach wegen ganz blöden Zufällen. Weil irgend eine Freundin oder die vermeintlich grosse Liebe einem eingeredet hat, man brauche sie.

Habe ihr nicht alles erzählt

«Und warum sind Drogen schlecht?», will meine 13-Jährige wissen. «Weil sie abhängig machen. Irgendwann geht’s nicht mehr ohne. Und sie machen das Hirn kaputt.» Aber eben – was weiss ich schon. «Und was sollst du jetzt machen, damit ich keine Drogen nehme?», fragt sie. Keine Ahnung – ich hab diesen Fötzel noch nicht gelesen. «Sprechen Sie mit Ihrem Kind über Drogen», steht da drin. Gut - sprechen wir über Drogen. «Das tun wir ja schon», sagt sie. Stimmt. «Würdest du es mir sagen, wenn du mal kiffen würdest? Oder sonst was?» – «Keine Ahnung. Was würdest du dann tun?» Keine Ahnung. «Na ja, nicht gerade vor Freude im Dreieck springen. Aber auch kein Drama draus machen.» Vielleicht sollte ich das aber. Obs was nützen würde?

Was ich meiner Tochter an diesem Tag nicht erzählte: Das erste mal gekifft hab ich zusammen mit meinem Vater. Er fand, es wäre an der Zeit, dass ich das mal probiere, dann kann ichs von meiner – nicht existenten – Bucketlist streichen. Nun ja, man muss ja nicht alles gleich machen wie seine Eltern. Deshalb lass ich das lieber sein. Und hoffe, meine Kinder sind irgendwann irgendwie von meinen unbeholfenen Präventionsversuchen beeindruckt. Und auf ein bisschen Glück.

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