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  4. Homeschooling während Corona: Eltern sind keine Lehrer

Der ganz normale Wahnsinn

Es ist nicht an den Eltern, ihre Kinder zu unterrichten

Viele Eltern sind dieser Tage im Stress, weil sie meinen, nebst dem eigenen Homeoffice noch ihre Kinder unterrichten zu müssen. Aber: es geht hier um Fernunterricht, nicht um Homeschooling! Unsere Familienbloggerin appelliert an Eltern: Chillts doch mal ein bisschen!

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Homeschooling? Eltern sind auch in der Krise keine Lehrpersonen, findet unsere Familienbloggerin. 

Valeriano Di Domenico

Wenn ich mich dieser Tage durch die Sozialen Medien scrolle, begegne ich unzähligen Vätern und Müttern, die stolz ihre Homeschooling-Skills präsentieren. Ich sehe an Tafeln geschriebene Stundenpläne – inklusive Znünipausen und Frische-Luft-Zeiten – und selbst kreierte Mathe-Aufgaben und Aufsatzthemen. Ich sehe akkurat eingerichtete Mini-Klassenzimmer und Papis, die konzentriert auf einem Stühlchen neben ihrem Nachwuchs sitzen.

Homeschooling-Skills als Ersatzhandlung?

Alles schön und gut. Aber ich stelle mir schon die eine oder andere Frage. Ist das elterliche Langeweile? Plötzlich entdeckter Perfektionismus? Oder eine Ersatzhandlung, weil man den beruflichen Erfolg und die tollen Ferien nicht mehr zur Schau stellen kann? Wie gesagt: völlig legitim. Aber es gilt halt auch hier die gute alte Social-Media-Regel: es setzt andere unter Druck. Denn eigentlich ist es so: es ist nicht die Aufgabe der Eltern, ihre Kinder zu unterrichten. Auch jetzt nicht.

«Selbst wenn man ein pädagogischer Siebesiech ist – bei den eigenen Kindern ist immer alles ein bisschen anders.»

Zumal ich bezweifle, dass überhaupt so viele Eltern dazu fähig sind. Klar, je nach Alter sind die Anforderungen noch nicht riesig. Aber es geht beim Unterrichten ja nicht nur ums Wissen. Und selbst wenn man ein pädagogischer Siebesiech ist – bei den eigenen Kindern ist immer alles ein bisschen anders.

Den eigenen Kids Skifahren beibringen? Keine Chance!

Ich habe in jungen Jahren Skischule gegeben. Und ich würde jetzt mal behaupten, es gab in meiner ganzen Skilehrerinnen-Karriere kein einziges Kind, dem ich nicht innerhalb einer Woche das Skifahren beibringen konnte. Ausser meinen eigenen. Die haben mich so aufgeregt, wenn sie rumschrien, als hätten sie alle Gliedmassen gebrochen, dabei wusste ich genau, dass sie längst wieder aufgestanden wären, wäre nicht ich, sondern jemand anders vor ihnen gestanden. Sie haben dann innerhalb von zwei Tagen mit einem anderen Skilehrer Fahren gelernt. 

«Ich biete meinen Kindern dort Unterstützung an, wo ich weiss, dass es allein nicht geht. Zum Beispiel bei der Zeiteinteilung. Denn dass ein Dreizehnjähriger total easy mit unterschiedlichen Deadlines hantieren kann, ist Utopie.»

Und das war gut so. Genauso wie es gut ist, dass jetzt ihre Lehrpersonen für ihren Unterricht zuständig sind. Ich persönlich halte es mit der Schule so, wie ich es auch während der Präsenzzeiten halte. Ich bin dafür verantwortlich, dass sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort – das heisst online – sind. (Auch wenn ich da bereits mehr als einmal gescheitert bin. Ist es denn gopfridschtutz nicht mal jetzt möglich, jeden Tag um die gleiche Zeit anzufangen?). Ich biete meinen Kindern dort Unterstützung an, wo ich weiss, dass es allein nicht geht. Zum Beispiel bei der Zeiteinteilung. Denn dass ein Dreizehnjähriger total easy mit unterschiedlichen Deadlines hantieren kann, ist Utopie. Ich sage ihm also, er soll heute ein Englischkapitel lesen, auch wenn er die Zusammenfassung erst nächste Woche abgeben muss. Ob ers wirklich macht, ist seine Sache.

Meine Kinder sind nicht meine Schüler

Selbstverständlich helfe ich, wenn ich um Hilfe gebeten werde. Selbstverständlich frage ich nach, ob sie alles gemacht und abgegeben haben. Und selbstverständlich weiss ich, dass jüngere Kinder als meine vielleicht ein bisschen mehr Hilfe brauchen (auch technische). Aber meine Kinder sind meine Kinder und nicht meine Schülerinnen und Schüler. Und das soll so blieben. Zum Wohl von uns allen.

Mehr von Familien-Bloggerin Sandra C. lest ihr hier.

 

 

Von Sandra C. am 13.04.2020
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