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Der ganz normale Wahnsinn

Wie bringt Sandra C. Kids und Job unter einen Hut? Easy! Oder doch nicht?

Mister Know-It-All

Sandra C. hatte in den Ferien gerade eine Woche «Pause» von ihrem Sohn. Natürlich hat sie ihn vermisst, sein fröhliches Lachen und die gelegentlichen Anfälle von Liebesbekundungen gegenüber seinem Mami. Dass der junge Mann auch eine sehr anstrengende Eigenschaft hat, merkt die Familienbloggerin jetzt aber auch wieder: Ihr Sohnemann ist nämlich ein kleiner Besserwisser.

In meinen sentimentalen Anflügen von «Ich vermisse meinen kleinen Jungen» hatte ich ganz vergessen, wie anstrengend dieses Kind sein kann. Beziehungsweise diese eine Eigenschaft, die mich schon fertigmacht, seit er ganz klein ist – und die ihm schon ab und zu Ärger eingebrockt hat. Mein Elfjähriger ist nämlich Mister Know-It-All – ein richtiger kleiner Besserwisser.

Als er zum Beispiel die ersten Übungen auf dem Kinderskihügel hinter sich hatte, schickte ich ihn in die Skischule. Mit seiner älteren Schwester hatte das super geklappt, sie liebte ihre Skilehrerinnen und hatte Freude an den anderen Kindern. Als ich meinen damals knapp Vierjährigen nach der ersten Lektion freudig abholte, liess man mich wissen, das gehe so nicht, man könne ihn nicht mehr mitnehmen. Er bringe die ganze Klasse durcheinander, fahre nicht in der Reihe und halte sich überhaupt nicht an Anweisungen.

Nur noch der Klügste der Familie

Gut, dachte ich, er ist vielleicht in der Anfängerklasse unterfordert, und liess ihn eine Klasse höher einteilen. Dort das gleiche Spiel: Null Bock auf In-der-Reihe-Fahren oder Zuhören. Und obwohl er mit Abstand der Jüngste und Kleinste war, hatte er die grösste Klappe und erklärte allen anderen, was zu tun ist. Ich engagierte einen Privatskilehrer für ihn. Der brachte ihn nach einer Stunde zurück – Mister Know-It-All war ihm davongefahren, weil er dachte, er kenne sich im Skigebiet eh besser aus als sein Lehrer.

Im Laufe der Jahre wurde sein «Besserwissertum» zwar etwas weniger. Das mag unter anderem daran liegen, dass er damit ein paarmal richtig auf die Schnauze gefallen ist. So kommt es bei zwölfjährigen Nachbarsjungen selten gut an, wenn ihnen ein lispelnder Siebenjähriger die Welt erklären will. Gut, man hätte ihn nicht eine halbe Stunde lang an einen Baum fesseln müssen, und ich habe mich auch bei seiner Mutter beschwert, aber so ein bisschen verstehen konnte ich den Jungen schon, der dem Plöffsack von einem Dreikäsehoch mal zeigen wollte, was passieren kann, wenn man die Klappe so weit aufreisst.

Solche Szenarien kommen mittlerweile zum Glück nicht mehr vor. Ich glaube, er hält sich inzwischen nicht mehr für den klügsten Menschen der Welt, sondern nur noch für den klügsten Menschen der Familie. So ist seine Reaktion, wenn ich ihm etwas erklären möchte, öfter mal ein genervtes «Ich weheeeeiiiiiiiissss!» Und wenn er bei den Hausaufgaben um Hilfe fragt, weiss ich eigentlich schon, dass ichs gar nicht versuchen muss. Denn er weiss zwar auch nicht wirklich, wies geht, aber er weiss es auf jeden Fall besser als ich. Warum er mich gefragt hat, ist ihm selbst schleierhaft.

Kinder als Spiegel ihrer Eltern

Manchmal frage ich mich, warum er so ist. Bin ich auch so? Man sagt ja, Kinder seien ein Spiegel ihrer Eltern und funktionieren nach deren Vorbild. «Findest du, ich sei ein Besserwisser?», frage ich meine Tochter. Sie grinst. «Ein bisschen. Manchmal hast du ja wirklich recht. Und wenn nicht, ist ja egal, wenn du das denkst. Ist einfacher als mit dir zu diskutieren.» Äh, ja. Danke, Spieglein, Spieglein an der Wand...