Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Der Nach-Ferien-Blues

Nach zwei Wochen süssem Nichtstun trifft der Alltag Sandra C. mit voller Wucht. Nicht nur, dass die Ferien körperliche Spuren bei der Familienbloggerin hinterlassen haben - sie hat auch vergessen, dass ihre Kinder im täglichen Leben gnadenlos sein können.
Familienblog Sandra C: Zu enge Jeans nach den Ferien
© Getty Images

Bitteres Erwachen nach den Ferien: Das waren wohl ein paar Gabeln Risotto zu viel...

Darüber, dass das Wetter in unseren Breitengraden grundsätzlich mies ist, rege ich mich schon gar nicht mehr auf. Darüber, dass ich am ersten Arbeitsmorgen nach meinen Ferien merke, dass ich den Schirm vor dem Urlaub wieder irgendwo hab liegen lassen, schon eher. Leicht feucht reihe ich mich erst mal in die Schlange bei «Starbucks» ein, um den Koffein-Gehalt in meinem Blut wieder auf ein Niveau zu bringen, auf dem ich arbeiten kann. Vor mir steht mein Zahnarzt. Und hinter mir der Lehrer meines Sohnes. Das kommt ja ganz gut!

Nun ja, verglichen mit dem noch früheren Morgen, ist das ein Fortschritt. Kennt ihr das am ersten Tag nach den Ferien? Kritischer Blick auf die Jeans, momol, geht schon, Zerren, Zwängen, Reissen, Fluchen, endlich ist der Knopf zu. Ihr dreht euch um - und quer über eurem Hintern prangt ein Riss. Der Tiefpunkt des Tages ist erreicht, und das schon kurz nach dem Aufstehen. Warum konnte ich mich gopfridstutz nicht wenigstens ein bisschen zusammenreissen in den letzten zwei Wochen? Nicht mal das fast tägliche Joggen an der Maggia konnte meine Merlot-Risotto-Gelato-Wampe verhindern. In den Ferien hab ichs ein bisschen so wie in der Schwangerschaft: Irgendwann erreiche ich den Jetzt-spielts-auch-keine-Rolle-mehr-Punkt. Der hatte dann die fünf hartnäckigen Kilos zur Folge, die ich nach den Geburten der Kinder nur mit Blut, Schweiss und Tränen wieder los wurde. Ähnliches gilt für die ersten zwei Wochen nach Ferienende. Und da hab ich dann vor allem eins: Hunger!

Als ich abends aus dem Büro komme, stürzen sich sofort zwei zu Tode gelangweilte Kinder auf mich. Sie haben noch eine Woche Ferien und es schifft - super! Meine Tochter hat die Einladungen zu ihrer Geburtstagsparty verfasst: «Liebe XY, ich lade dich zu meiner Geburztagsparty ein. Bring eine Badehose, ein Pischama und ein grosses Geschenk mit!» Nun ja, das mit dem Geschenk würd ich vielleicht eher bleiben lassen, sage ich, völlig unüberlegt. Sie starrt mich an, fassungslos, zerreisst die Karten in ihrer Hand und brüllt: «Für dich ist eh nie etwas gut, was ich mache!» Sie verschwindet in ihrem Zimmer und knallt die Tür zu. Scheisse! Wie konnte ich nur innerhalb von zwei Wochen vergessen, dass ich sie unter normalen Umständen - das heisst, wenn sie nicht den ganzen Tag mit Freundinnen rumzieht und es nicht mehr täglich Glacé gibt - niemals auch nur ansatzweise kritisieren darf? Dass sie wenig später ein «Nein» hört auf die Frage, ob sie vor dem Znacht ein Glacé dürfe, verbessert ihre Laune auch nicht wirklich…

Später beim Abendessen. Mein Sohn schiebt mir mit breitem Grinsen seinen Teller mit Salat zu. «Das kannst du essen, ich brauch das nicht.» - «Ja, ja, warte nur, bis du nach zwei Wochen Ferien mal aus deiner Jeans platzt!» Er schaut mich verständnislos an, hebt sein T-Shirt, betrachtet seinen Oberkörper, bei dem man jede Rippe sieht, und fragt: «Kann ich jetzt ein Glacé haben?» Willkommen zurück in der realen Welt! Aaaaaaaah!

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