Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Der herbstliche Kleider­-Gau

Manchmal beschäftigt man sich als Mutter tagelang mit den belanglosesten Dingen. Zum Beispiel mit Klamotten. Diese werden für Familienbloggerin Sandra C. immer in der Übergangssaison zu einem der nervigsten Themen überhaupt.
Kinderkleider sortieren Winter Sommer Sandra C. Familienblog
© Getty Images

«Gestern waren noch 30 Grad», schwört Bloggerin Sandra C.

«Ich brauche eine Mütze!», schreit mein Sohn durchs Haus. Er braucht eine Mütze? Es ist mitten im Sommer. Was ist denn mit dem Kind los? Hat er jetzt beschlossen, dass er bereits mit neun einer dieser coolen Checker ist, der auch bei 30 Grad in T­-Shirt, Shorts und Wollmütze auf dem Kopf rumläuft? Ich schaue aus dem Fenster. Und denke mir: «Das Kind braucht eine Mütze.» Denn Hochsommer ist nur noch in meinem Kopf und von den 30 Grad meiner Träume sind wir meilenweit entfernt. Draussen ist es ganz plötzlich neblig kühl und es nieselt (gestern waren noch 30 Grad, ich schwöre!) und mein Sohn wird den Nachmittag bei einer Geburtstagsparty auf einem Bauernhof verbringen. Seufzend steige ich also in den Keller und wühle mich durch einen Stapel Winterklamotten, bis ich eine passende Mütze finde.

Mein Seufzen bezieht sich nicht ausschliesslich auf diesen einen Abstieg in den Keller, sondern auf die Tatsache, dass ich weiss, dass diesem in den nächsten Tagen dutzende weitere folgen. Das Problem ist nämlich, dass ich bis nach den Herbstferien die Winterkleider noch nicht in die Schränke räumen kann. Aus dem einfachen Grund, dass sie da keinen Platz haben, solange sich die Sommerklamotten noch drin befinden. Und die räume ich traditionellerweise erst Mitte Oktober in den Keller, weil a) es auch in unseren Breitengraden im Herbst immer noch Tage gibt, an denen man im T­Shirt rumlaufen kann, und b) wir in den Ferien meist noch ein paar Tage in wärmeren Gefilden verbringen. Ah ja, und weil mir c) die Aussicht darauf, die Schränke umzuräumen etwa so viel Freude macht wie die auf eine siebentägige Fastenkur (was ich mir im Gegensatz zum Schrankräumen niemlas antun werde).

Was zur Folge hat, dass ich in diesen Zwischensaisons öfter relativ planlos neue Kleider kaufe. Zum Beispiel raste ich in einer Art Panikattacke los, um meinen Sohn mit neuen Jeans einzudecken. Als er erstmals nach diesem Super-­Sommer wieder lange Hosen anziehen wollte, reichten ihm die meisten nur noch bis oberhalb des Knöchels (ich hatte schon gedacht, dass das Kind irgendwie länger aussieht als auch schon, aber dass es so lang geworden war, erstaunte mich dann doch...). Nun, hätte ich beim Wühlen nach der Mütze im Keller etwas genauer hingeschaut, hätte ich gesehen, dass da noch mindestens drei Paar lagen, die er von seiner Schwester nachtragen kann, und zwei Paar, die ich ihm letzte Saison zu gross gekauft hatte.

Und wie jedes Jahr nerve ich mich wieder über mich selbst. Ich könnte nämlich viel Geld sparen, wenn ich das Ganze mit System anginge: Zuerst mal schauen, was noch im Keller ist und das Nötigste schon mal in die Schränke verstauen. Dann meinen Schrank räumen und was ich nicht mehr will ungefragt meiner Tochter in den Kasten stopfen (geht momentan gut für Oberteile und alles, was Gummizug hat, sowie für Schuhe). Dann ihren Schrank räumen und was zu klein ist ungefragt in den ihres Bruders stopfen (geht für alles, was farblich einigermassen passt. Bis auf ein paar Ausnahmen: «Die Jacke will ich nicht!» ­ «Warum? Die ist doch cool.» ­ «Da steht «Girls» auf dem Etikett!» - verdammtes Frühenglisch!)

Aber eben: Da ich das Ganze meist recht planlos angehe, renne ich lieber einmal zu viel zum Shoppen als einmal zu viel in den Keller. Also gut, ich gebs ja zu: So ganz ungelegen kommt mir ein Grund zum
Shoppen auch nicht. Irgend einen finde ich immer... Dabei kommt durchaus auch das Gegenteil vor, nämlich dass ich den armen Kindern ­ und mir auch ­ besser Stiefel besorgt hätte, bevor wir vergangenes Wochenende auf diese Wanderung gingen und in unseren Turnschuhen knöchelhoch im ersten Schnee standen. Nun ja, gehen wir halt heute Nachmittag Schuhe shoppen. Und einfach damit ichs gesagt habe, im Fall dass sich morgen ein neues Paar High Heels in meinem Schuhregal befindet: Der Gang zum Schuhgeschäft war diesmal absolut nötig. Und wenn man schon mal da ist...

Im Dossier: Alle Familienblogs von Sandra C.