Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Fünf Dinge, die ich von meinen Kindern gelernt habe

Zugegeben, seine Dankesrede war etwas lang, als Clown Dimitri vergangenes Wochenende den «Swiss Award» für sein Lebenswerk entgegennahm. Trotzdem war Familienbloggerin Sandra C. beeindruckt. Davon nämlich, dass er sich bei seinen Kindern bedankte und sagte, er habe von ihnen vermutlich mehr gelernt als sie von ihm. Denn wenn die Bloggerin es sich recht überlegt, trifft das auch auf sie zu. Hier die Liste der fünf wichtigsten Dinge, die Sandra C. von ihren Kindern gelernt hat.
Blog Sandra C: Kinder schlafen, Liebe
© Getty Images

Familienbloggerin Sandra C. über die bedingungslose Liebe, die Eltern mit ihren Kinder verbindet.

1. Wahre Liebe ist bedingungslos
Vermutlich wisst ihr es inzwischen: Ich bin keine der verklärten Mütter, die ihren Nachwuchs für das Grossartigste hält, das die Welt je gesehen hat. Ganz objektiv gesehen, sind sie wohl ziemlich durchschnittlich. Und diese beiden total durchschnittlichen Wesen haben etwas mit mir gemacht, das ich niemals für möglich gehalten hätte, bevor sie da waren: Ich schaue sie an, wenn sie schlafen, und mir kommen die Tränen, weil sie das Grossartigste sind, was ich in meiner Welt je gesehen habe. Ich habe nie an Liebe auf den ersten Blick geglaubt. Aber als ich meine Kinder zum ersten Mal angeschaut habe, wusste ich: Das ist Liebe. Wahre Liebe. Und: Sie ist total bedingungslos und wird das immer bleiben. Egal was sie machen. Egal was sie sagen. Egal wie oft sie mich auf die Palme bringen. Egal was aus ihnen wird. Egal wieviel Scheisse sie bauen. Meine Tochter und mein Sohn sind das, von dem ich eigentlich nie dachte, dass es existiert: Die ewige Liebe meines Lebens.

2. Nach mir die Sintflut
Egoistisch. Wie oft habe ich es gehört, dieses in unseren Augen negativ besetzte Wort. Gerade im Zusammenhang mit Müttern und ihren Kindern. Mütter, die Kinder und Karriere wollen, sind egoistisch. Mütter, die auch mal Zeit für sich allein wollen, sind egoistisch. Mütter, die ihre eigenen Träume verwirklichen wollen, sind egoistisch. Ok, ich bekenne mich schuldig: Ich bin egoistisch. Aber wisst ihr, wer noch viel egoistischer ist als ich? Meine Kinder! Die halten sich selbst nämlich für den Nabel der Welt. Denen ist völlig egal, ob ich krank bin oder schlecht drauf. Sie wollen umsorgt werden, gehegt, gepflegt und unterhalten. Ihre Bedürfnisse stehen im Vordergrund. Immer. Und das ist völlig okay. Davon können sich Eltern ein grosses Stück abschneiden: Man muss die eigenen Bedürfnisse nicht immer hinten anstellen. Egoismus ist gut. Nicht immer. Aber immer öfter.

3. Jetzt oder nie
«Wann gibts Essen?» «In zehn Minuten.» «Ich hab aber jetzt Hunger!» Mit dem Wort «später» können meine Kinder nicht viel anfangen. Wenn sie mir etwas mitteilen wollen, dann muss das jetzt sein. In zehn Minuten haben sie es nämlich vergessen. Zwar haben sie mittlerweile ein gewisses Zeitempfinden - aber was «übergeschter» war, ist längst vergessen und bis morgen kann noch viel passieren. Meine Tochter kann so sehr in einem Buch versinken, dass sie nichts mehr um sich herum wahrnimmt. Mein Sohn kann mit bewundernswerter Hingabe ein Glacé essen. Alle reden immer davon, den Moment zu geniessen. Aber kaum jemand tut das. Wenn ich ein Buch lese, denke ich, ich sollte eigentlich langsam schlafen, sonst komme ich morgen wieder kaum aus den Federn. Wenn ich ein Glacé esse, rechne ich mir aus, wie lange ich joggen muss, um die Kalorien wieder abzutrainieren. Meine Kinder würden sich niemals solche Gedanken machen. Zum Glück. Und ich mache sie mir auch immer weniger.

4. Das Leben ist lustig
Das Schönste an meinen Kindern ist, dass sie so oft lachen. Manchmal in Situationen, die andere als unpassend empfinden. So lachte meine Tochter während der Beerdigung ihrer Urgrossmutter Tränen - weil der Priester einen Rock trug. Klar war es peinlich, als ich in den Ferien in voller Montur in den Hotelpool fiel. Meine Kinder fanden es zum Schreien komisch. Und eigentlich war es das auch. Laufmasche, abgebrochener Absatz, verlaufenes Make up? Findet meine Tochter super witzig - sieht aus wie in ihrer Lieblingsserie «Monster High». Also was solls - lustig ist immer besser als peinlich. Und wer über sich selbst lachen kann, macht sich das Leben um einiges leichter.

5. Ich will!
«Döf ich öppis Spielzüg?»fragt mein Sohn jedes Mal, wenn wir einkaufen gehen. «Nein.» - «Aber ich will!» Meine Kinder wollen immer irgendetwas. Spielzeug, Süssigkeiten, Fernsehen, Spielen, im strömenden Regen Velofahren, bis Mitternacht aufbleiben. Sie kriegen nicht immer, was sie wollen. Aber das ist keine Katastrophe. Und kein Grund, nicht «Ich will» zu sagen. Ich will! Ich will auch mal ein bisschen Zeit für mich. Ich will nicht nur als Mami wahrgenommen werden. Ich will nicht dauernd ein schlechtes Gewissen haben, weil ich alles will - Kinder, Karriere, Freizeit. Manchmal bekomme ich, ich was ich will. Manchmal nicht. So ist das Leben.

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