Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Das Runde muss ins Eckige

Der Sohn von Sandra C. war keines der Kinder, die schon als Knirps ausschliesslich mit einem Ball unter dem Arm durch die Gegend spazierten. Im Gegenteil - bis vor einiger Zeit zeigte er herzlich wenig Interesse am runden Leder. Die Familienbloggerin hätte nie gedacht, dass sich dies von heute auf morgen ins Gegenteil kehren würde, und es für ihren Spross kaum mehr Wichtigeres zu geben scheint als Fussball. 
Familienblog Sandra Sohn Fussball
© Getty Images

Seit der Sohn von Sandra C. sich für Fussball begeistert, läufts auch mit dem Freunde finden.

Im Gegensatz zu meiner Tochter, die sich von klein auf für wirklich jedes erdenkliche Hobby begeistern konnte, hielten sich die Interessen meines Sohnes immer in Grenzen. Ich halte ihn für relativ musikalisch - er singt gern, hat sich selbst so ein bisschen Klavierspielen beigebracht, macht das selbe gerade mit der Gitarre und «verdrischt» gerne ein Schlagzeug. Stunden will er explizit keine nehmen - keine Lust. Sein Vater und ich haben ihn irgendwann zum Kampfsport verdonnert, weil wir fanden, irgend ein Hobby müsse er haben. Und zum Tennis. Und ganz ehrlich: Nachdem ich ihm ein paar Mal auf dem Platz zugeschaut hatte, attestierte ich ihm nicht wirklich so etwas wie Ballgefühl.

Fussball war nie ein Thema. Bis Noah kam. Noah ist der polysportive Junge, den es wohl in jeder Klasse gibt: Begabt in jeder erdenklichen Sportart, der, welcher beim Grümpelturnier alle Tore schiesst, und auch im Turnen, egal, ob man Fussball, Handball oder Hockey spielt. Der, den alle in ihrer Mannschaft haben wollen. Der, der in der Pause bestimmt, wer mitspielen darf und wer nicht. Kurz: Alle Jungs in der Klasse meines Sohnes wollen so sein wie Noah. Oder zumindest ein bisschen von ihm beachtet werden.  Nachdem mein Junior ein paar Mal weinend nach Hause kam, weil er in der Pause eben nicht mitspielen durfte, passierte etwas Erstaunliches - etwas, das ich bei meinem Sohn so noch nie erlebt hatte: Er wollte unbedingt! Ich bin nicht sicher, ob das damals an Noah lag, oder tatsächlich am Fussball - aber schlussendlich ist das ja auch einerlei. Auf jeden Fall entwickelte er eine Passion, wie er sie zuvor ausschliesslich für Lego zeigte. Er investierte sein Taschengeld in einen guten Ball, kickte bei jedem Wetter draussen rum, ob allein oder mit anderen war ihm völlig egal.

Natürlich tat dann auch die WM das ihre: Stundenlang sortierte und klebte er Panini-Bildchen ins Album, lernte Mannschaften und Spieler auswendig. Sein tägliches Tenue bestand aus Fussballshirt und -hose, und wehe, wenn die Dinger mal in der Wäsche waren. Das hat sich in der Zwischenzeit zum Glück wieder etwas gelegt, die Shirts sind nämlich mittlerweile dermassen verdreckt, dass sie nicht mal mehr die chemische Reinigung sauber kriegt. (Ausser Messi, der ist seit der WM in Ungnade gefallen und wird nicht mehr angezogen). Und Fussball bestimmt nicht nur modisch sein Leben, sondern auch frisurentechnisch. Vergangene Woche waren wir beim Coiffeur - er wollte Neymar (No way!) oder Ricardo Rodriguez (Waaaaas?????). Gott sei Dank war Italien so früh raus, so mussten wir Balotelli gar nicht diskutieren. Wir einigten uns auf irgendwas zwischen Götze, Shaqiri und Ronaldo. Wobei ich sagen muss, dass das immer noch besser ist als meine vorpubertäre Tochter: Nach zähen Verhandlungen, ob sie sich nun ihre blonden Haare schwarz oder rot tönen darf oder nicht (wobei ersteres eigentlich gar nie zur Diskussion stand, jedenfalls nicht für mich) trägt sie jetzt voller Stolz eine furchtbare lila Strähne zur Schau.

Aber zurück zum eigentlichen Thema: Was mich wirklich beeindruckt ist, wie leicht mein Sohn Kontakte knüpft, seit er seine Liebe zum Fussball entdeckt hat. Bei meiner Tochter - früher das kommunikativste Kind auf Gottes Erden - wird das mit zunehmendem Alter immer komplizierter («Ich kenn die doch gar nicht, worüber soll ich denn mit denen reden?»). Trifft eine Gruppe Buben aufeinander und einer hat einen Ball dabei, müssen sie nicht mal die gleiche Sprache sprechen, sondern fangen einfach an zu kicken. Ein Segen für Kinder wie meinen Sohn, dem es bisher nicht immer ganz leicht fiel, Freundschaften zu schliessen.

A propos Freundschaften: Er darf inzwischen in jeder Pause mitspielen und wurde sogar an Noahs Geburtstagsparty eingeladen. Aber so wichtig ist das gar nicht mehr. Viel wichtiger ist jetzt, dass wir auf den Start des Fussballtrainings nach den Sommerferien hin die richtigen Schuhe finden.

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