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Der ganz normale Wahnsinn

Wie bringt Sandra C. Kids und Job unter einen Hut? Easy! Oder doch nicht?

«Benimm dich doch mal erwachsen, Mama!»

Manchmal kommt sich unsere Familienbloggerin vor, als wäre nicht sie die Erwachsene zu Hause, sondern ihre pubertierende Tochter. Und die ist ziemlich gnadenlos.

Tatort: Bei Freunden zu Hause, am Wochenende. Ich fläze auf dem Sofa, neben mir meine Tochter. Irgendwann fängt es plötzlich an. Zuerst unterdrücktes Seufzen, regelmässig, dann immer lauter. Ich schaue sie an, sie rollt genervt die Augen. «Was ist?», frag ich. «Oh Mann, red doch noch lauter, ey!» Und dann, nach einer Weile, zischt sie mit tiefster Verachtung in der Stimme: «Du bist so unangenehm!» - «Ja, ich weiss, ich bin peinlich.» – «Nein, nicht peinlich, unangenehm! Das ist was anderes!» Aha.

Ich traue mich kaum, mich zu bewegen

Ich beschliesse, sie zu ignorieren. Das genervte Kopfschütteln, Seufzen und Augenrollen geht weiter. Ich hab keine Ahnung, was ich mache, um diese Reaktion zu provozieren, ich traue mich kaum, mich zu bewegen. «Was mach ich denn falsch?», frag ich sie irgendwann.

«Oh ehrlich jetzt! Benimm dich doch mal chli ERWACHSEN!» Sagt meine Tochter zu mir. «Was ist nicht erwachsen an meinem Benehmen?» – «Wie du dasitzt zum Beispiel.» – «Das ist ein Sofa, wir sind bei Freunden, da muss ich nicht sitzen wie an einem Vortrag.» Seufzen, Kopfschütteln, Augenrollen. «Können wir BITTE gehen?»

ICH bin ja auch jung. Und cool.

Manchmal komme ich mir in der Anwesenheit dieses Teenagers echt vor wie ein Kind, das nichts richtig machen kann. Alles ist nervig. Die Art wie ich rede, die Art, wie ich laufe, die Art, wie ich atme. Oder ich komme mir vor wie ein Teenie, der nichts richtig macht. «DAS willst du anziehen?» – «Ja, warum nicht?» Kopfschütteln, Augenrollen, Seufzen.

«Du bist nicht mehr jung, Mama!» – «Das sind ganz normale Jeans, Kind!» – «Sie haben Löcher an den Knien.» – «Ja und? So hässliche Knie hab ich nicht. Ausserdem hattest du gestern etwas an, das aus mehr Löchern als Jeans bestand und ich habe nichts gesagt.» – «ICH bin ja auch jung. Und cool.»

Die unangenehmste Mutter der Welt

Ach herrje. Wo ist bloss das kleine Mädchen geblieben, das alles toll fand, was ich gemacht habe? Das gelacht hat, wenn ich Gesichter schnitt, begeistert über das Muster meines T-Shirts strich und mal genauso werden wollte wie ich? Es ist einer jungen Dame gewichen, die alles werden will ausser eines: so wie die peinlichste – Verzeihung: die unangenehmste – Mutter der Welt, nämlich ihre.

Und die – und auf diesen Moment freue ich mich jetzt schon – irgendwann aufwachen wird und feststellen: «Ich bin genau wie meine Mutter!» Und sie wird das gar nicht mal so schlimm finden.