Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Das Kind in mir

Es ist soweit: Sandra C. hat ihren Kindern den grössten Wunsch erfüllt. Das heisst, eigentlich hat die Familienbloggerin ihrem Nachwuchs und sich selbst ihren eigenen Kindheitstraum erfüllt. Völlig in Ordnung, findet sie. Und jeder, der behauptet, er lebe gewisse kindliche Sehnsüchte nicht über seine Kids aus, lügt.
Familienblog Sandra C. Kindheitstraum Sandra C. Hase (ohne Rezept)
© Getty Images

Familienbloggerin Sandra C. hat sich einen Kindheitstraum erfüllt - und sucht sich nun einen neuen.

Endlich, endlich, endlich. Ich habe als kleines ­ und grösseres ­ Mädchen so oft darum gebettelt, so manche Träne vergossen. Vergebens. Dabei wollte ich doch noch nicht mal einen Hund, wie die meisten meiner Freunde. Ich war schon immer verliebt in Kaninchen. In ihre grossen Ohren, ihre süssen Näschen, ihre riesigen Füsse. Aber alles, wozu ich meine Eltern zu überreden vermochte, waren ein Aquarium und zwei Wellensittiche, ­ welche bei erster Gelegenheit (bzw. beim ersten offen gelassenen Fenster) die Flucht ergriffen und nie wiederkamen. Mein Grossvater züchtete sie, die Chüngel, und verkaufte ihr Fell. Ich verbrachte Stunden bei seinen Hasenställen ­ und heulte mir die Augen aus, als ich irgendwann ihr trauriges Schicksal begriff.

Meine Kinder «stürmen» ebenfalls seit Jahren. Sie wollten einen Hund. Dann eine Katze. Irgendwann einfach irgend ein knuddeliges Haustier. Knuddelig? Haustier? Ich liess also ein paar Monate vor Weihnachten durchblicken, wenn sie bis zu den Festtagen immer brav ihr Zimmer aufräumen, würde ich mir überlegen, uns eventuell Kaninchen anzuschaffen. Ich jubelte innerlich: «Jajajajajajaja, Kaninchen. Meine eigenen Kaniiiiiiiinchen. Wie süüüüüss!» Und hoffte inständig, dass die beiden es schaffen, ihr Zimmer zumindest soweit hinzukriegen, dass man es mit einem zugedrückten Auge (oder zwei) als hinreichend ordentlich bezeichnen könnte.

Ja, ich weiss, das ist blöd und auch ein bisschen peinlich. Aber mal ganz ehrlich: Ihr könnt mir alle nicht sagen, dass ihr gewisse Sehnsüchte eurer Kindheit nicht über eure Kinder auslebt. Oder über eure Nichten, Neffen, Göttikinder. Ich rede hier nicht von den Eltern, deren Kinder die Karriere machen müssen, die ihnen selbst versagt blieb. Sondern über ganz banale Dinge. Darüber, wie die Augen meines Bruders glänzen, wenn er mit meinem Sohn durch ein Spielwarengeschäft streift. (Und ja, als meine Kinder sich an freien Nachmittagen noch gern mit mir abgaben, war «eine Runde durch den Franz Carl Weber» auch für mich ein durchaus angesagter Zeitvertrieb. Unglaublich, was es inzwischen alles an Barbie­-Zubehör gibt. Und erst die Lego-­Abteilung...) Oder davon, wie mein Sohn und sein Vater akribisch Panini­-Fussballbilder in Alben kleben ­ und der Grosse noch konzentriert weitermacht, wenn der Kleine schon längst keine Lust mehr hat.

Ich gestehe: Ich bin vermutlich eine der Mütter, deren inneres Kind sich relativ oft meldet, und die jederzeit bereit ist, dessen Wünsche zu erfüllen. Ich liebe Zoo­-Besuche, Freizeitparks, Kinder­-Veranstaltungen. Und weil ich da ohne minderjährige Begleiter eher fehl am Platz wäre, bin ich meinem Nachwuchs unendlich dankbar, dass er mich jeweils begleitet.

Aber zurück zum Wesentlichen: Vor ein paar Tagen sind sie also bei uns eingezogen. Sie heissen Hermine und Supermario (nein, ich hätte sie nicht so genannt, aber wenigstens den Entscheid überliess ich dann den Kids) und wohnen in einem Gehege im Kinderzimmer (zumindest im Winter). Wir streiten uns jetzt drum, wer sie füttern darf, und meine Kinder haben mich tatsächlich schon mal aus ihrem Zimmer geschmissen, weil ich seit Ewigkeiten verzückt da drin sass, und versuchte, die beiden zu fotografieren (die Hasen, nicht die Kinder).

Einen Haken hat die Sache allerdings: Nachdem ich mir diesen so lange gehegten Traum nun erfüllt habe, muss ich mir wohl einen neuen suchen. Hmmm ­ ich wollte als kleines Mädchen immer mal zum Zirkus. Weiss jemand, ob man Zwergkaninchen eigentlich dressieren kann?

Im Dossier: Alle Beiträge von Familienbloggerin Sandra C.