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Der ganz normale Wahnsinn

Wie bringt Sandra C. Kids und Job unter einen Hut? Easy! Oder doch nicht?

Best of Kindersprüche 2017

Das mit den Neujahrsvorsätzen ist ja so eine Sache – man zieht sie selten durch. Und ist dann irgendwann frustriert, weil mans wieder nicht geschafft hat. Sandra C. erneuert deshalb einfach jedes Jahr einen Vorsatz: Auch weiterhin die lustigsten, coolsten, naseweisesten Äusserungen ihrer Kinder aufschreiben. So dass die Familienbloggerin jeweils Ende Jahr ein weiteres Best of der Sprüche ihrer Kinder präsentieren kann.
Wochenplan Schweiz Schule Kinder pro und contra Familienblog
© Getty Images

Der Schulstoff birgt Sprüche-Potenzial, wie unsere Familienbloggerin Sandra C. aus dem Alltag mit ihren Kindern weiss.

Eines muss man meinen Kindern lassen: Sie können zwar anstrengend und vorlaut sein, aber sie sind auch ziemlich schlagfertig. Das macht Gespräche mit ihnen zwar manchmal echt nervtötend, aber sehr oft auch ziemlich witzig.

Auch wenn gerade Unterhaltungen mit meinem Sohn meistens immer noch recht einseitig sind: «Was habt ihr gemacht auf der Schulreise?» – «Rundgang.» – «Ah. Und was habt ihr gesehen?» – «Zügs.» – «Was für Zeugs?» – «Sachen.» – Ah ja. Hats dir gefallen?» – «Ja.» Was nicht heisst, dass er nicht sehr kreativ wäre, wenns um Finden von Ausreden geht. Gerade was die Schule betrifft: «Wie wars in der Schule?» – «Doof. Hatten Geometrieprüfung und ich habs nicht gewusst.» – «Hat euer Lehrer euch nicht gesagt, dass ihr am Donnerstag eine Prüfung habt?» – «Doch. Aber woher sollte ich wissen dass der diesen Donnerstag meint?»

Die Schule birgt viel Sprüche-Potenzial

Die Schule entlockt auch meiner Grossen öfter mal einen epischen Seufzer. Zum Beispiel beim Französischlernen: «épicerie, pâtisserie – in Frankreich gibt’s ja mehr Pizzerien als in Italien!» Oder wenn sie mit unnützem Wissen auftrumpft: «Hast du gewusst, dass du stirbst, wenn du die Leber eines Eisbären isst, weil du das Vitamin A nicht abbauen kannst? Warum kann ich mir solchen Seich eigentlich merken, aber das Franz-Voci nicht?» 

Noch ein Baby oder lieber arbeiten gehen?

Immer wieder ein Thema in unserem Haus: Emanzipation und Gleichberechtigung. «Stimmt es, dass Frauen weniger verdienen als Männer im gleichen Job?», fragte mein Sohn. «Nicht alle, aber viele», sagte ich. «Das ist unfair, warum ist das so?» – «Weil Frauen in dem Alter, in dem sie Karriere machen können, auch Kinder bekommen können. Und viele Arbeitgeber denken, sie bleiben dann lieber mit den Kindern zu Hause statt zu arbeiten.» – «In welchem Alter ist das?» – «So zwischen 20 und 40.» – «Heisst das, wir haben die Chance auf ein Brüderchen verpasst?» – «Ich fürchte schon.» – «Weil du lieber arbeiten wolltest statt noch ein Baby?» – «Unter anderem, ja.» – «Läck, ist das doof. Da hättest du echt lieber noch ein Baby bekommen, wenn du eh schon weniger verdienst als ein Mann.»

Ach herrje – irgendwie hab ich das noch nicht so richtig hingekriegt bei der Emanzipation mit ihm. Gut, zum Ausgleich geht’s bei meiner Tochter in die andere Richtung. «Warum haben indische Frauen einen Punkt auf der Stirn?», fragte ihr Bruder. Darauf sie: «Da hat Gott ihnen das Hirn reingemacht. Drum haben Männer keinen.» Jaaaaa – sorry, wenn ich das lustig finde! 

Gar keinen Spass versteht mein Sohn hingegen wenns ums Essen geht – auch wenn er gerade bei dem Thema in Sachen Sarkasmus durchaus mit mir mithalten kann: «Ich habe soooooo Hunger!» Ich, leicht genervt: «Ja, in der Schweiz verhungert jeden Tag ein Kind!» Darauf er: «Ja, und jeden Tag das gleiche: Ich!»

«Auf dem Snowboard bin ich Mittelfänger»

Was er ebenfalls richtig gut kann: Unangenehmen Diskussionen aus dem Weg gehen. «Weisst du», sagte ich, als ich es mal gewagt hatte, ihn zu kritisieren und er sehr pikiert darauf reagierte, «ich bin nicht nur hier, um dir zu sagen, wenn du etwas super machst. Manchmal muss ich dir auch sagen, wenn du etwas verbessern könntest.» Darauf er: «Los zue, Mami – diese Diskussion hier bringt jetzt grad gar nichts!» Ich hab mich dann gefragt, ob ich mir Sorgen machen muss, als er beim «Stadt-Land-Fluss»-Spielen bei «Beruf mit A» «Auftragskiller» hingeschrieben hat ... Auch der Verkäufer im Sportgeschäft hat sich recht in die Nesseln gesetzt, als er meinen Junior fragte, ob er Anfänger sei. «Anfänger? Ich? Sicher nöd! Auf dem Snowboard bin ich Mittelfänger, und auf den Ski fängt mich gar keiner!»

Meine Tochter hingegen verblüfft mich von Jahr zu Jahr mehr mit ihrem Scharfsinn und ihrem rhetorischen Talent – auch wenn ich die Sache, um die es geht, wirklich nicht okay finde. Zum Beispiel, als sie sich am Tisch einer Gartenbeiz über den Kleidungsstil eines Jungen ausliess, der unweit von uns sass. «Jetzt hör mal auf zu lästern!», sagte ich, als ich fand, es ist genug. Darauf sie: «Ich lästere nicht. Ich analysiere und bewerte!»

Nö. Alles, was cool ist in diesem Haus, ist per Definition meins!

Wenn sie morgens aus dem Haus geht, kommt es jetzt immer öfter vor, dass mir einiges an ihr bekannt vorkommt: Meine Hose, meine Jacke, mein Shirt, ... (die Schuhe nicht mehr, meine sind ihr zu klein). «He!», rief ich ihr hinterher. «Ist das nicht mein Shirt?» Darauf sie: «Nö. Alles, was cool ist in diesem Haus, ist per Definition meins!» Als ob du so eine uncoole Mutter hättest, undankbares Teenie-Gör!!!! Gut, uncool zu sein gehört als Teenager-Mutter sozusagen zu meinen Aufgaben. Oder, wie es mein Sohn ausdrückt: «Mami, du nervst mich!» – «Das ist mein Job.» – «Kriegst du Geld dafür?» – «Nein.» – «Dann kannst dus ja auch sein lassen!»

Sieht so aus, als ob ich gegen seine Logik langsam aber sicher auch nicht mehr ankomme. «Schalt mal diesen Fernseher aus, du machst dein Hirn kaputt», meinte ich nach Dauergeglotze in den Ferien. Darauf er: «Im Gegenteil, ich schone es, weil ichs beim Fernsehen nicht brauche.»

Und dann war da noch die Diskussion über siamesische Zwillinge. Er: «Gell, es gibt Zwillinge, die sind zusammengewachsen.» Ich: «Ja.» – «Kann man die nicht auseinandernehmen?» – «Doch, aber nur wenn sie keine wichtigen Organe teilen.» – «Was heisst das?» – «Sie müssen zum Beispiel zwei Herzen und zwei Gehirne haben, sonst stirbt eines.» – «Man stirbt wenn man kein Hirn hat?» – «Ja.» – «Echt jetzt? Alter, ich schwör, ich kenne ein paar, die müssten schon lang tot sein!» 

Und zum Schluss noch mein Lieblingsspruch des hinter uns liegenden Jahres – der zeigt, dass mein Sohn durchaus auch selbstkritische Ansätze hat zwischendurch: «Weisch, ich bin schon gescheit. Aber das muss ja nicht immer jeder wissen. Drum versteck ichs. Und manchmal find ichs dann nicht mehr.» 

In diesem Sinne: Happy New Year, für 2018 nur das Beste – und schreibt die Sprüche eurer lieben Kleinen und Grösseren auf, es lohnt sich!

Im Dossier: Weitere Beiträge im Familienblog von Sandra C.