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Der ganz normale Wahnsinn

Wie bringt Sandra C. Kids und Job unter einen Hut? Easy! Oder doch nicht?

Das grosse Tohuwabohu an Weihnachten

Weihnachten ist die Zeit der Traditionen. Was aber, wenn Dinge passieren, die diese Traditionen auf den Kopf stellen? Dann wird das Fest der Liebe nicht selten zum emotionalen Spiessrutenlauf, schreibt Familienbloggerin Sandra C.
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© getty

Das Weihnachtsfest zu organisieren, kann ganz schön stressig sein, schreibt unsere Familienbloggerin Sandra C.

«Ich krieg die Krise!», seufzt meine Freundin. Auf meinen verständnislosen Blick meint sie nur: «Weihnachten!» In ihrer Stimme liegt eine seltsame Mischung aus Hilflosigkeit und Verachtung. Vergangenes Jahr war da nur die pure Verzweiflung. Sie hatte sich gerade von ihrem Mann, dem Vater ihrer Kinder getrennt, und alle Weihnachtstraditionen flogen ihr um die Ohren. Anstelle des besinnliches Familienfestes war eine grosse Organisiererei rund um die Kinder getreten, so dass möglichst alle, die sich aus dem Weg gehen wollten, das irgendwie konnten.

Wie kann man bloss allen gerecht werden?

Aber das ist ein Jahr her, und sie und ihr Ex-Mann verstehen sich mittlerweile wieder ganz gut. Was vermutlich nicht zuletzt daran liegt, dass beide neue Partner haben. «Oh – Weihnachten...», jetzt geht mir ein Licht auf. Zwei Kinder, ein Kindsvater, der eine neue Partnerin hat, die auch Kinder hat, die auch einen Vater haben, ein neuer Partner, der auch Kinder hat, die auch eine Mutter haben. Und dann noch diverse Grosseltern. Der organisatorische Supergau.

Ich war knapp 16, meine Eltern hatten sich getrennt und mein geliebter Neni war tot. Weihnachten? Am Arsch.

Dabei ist das ja schon so nicht einfach. Gerade wenn man Kinder hat, bedingt die Organisation der Feiertage Fingerspitzengefühl, so dass sich möglichst niemand so vorkommt, als sei man weniger wichtig als jemand anders. In meiner Kindheit war das klar geregelt: Heiligabend en famille, vielleicht mal mit den Nachbarn. Weihnachten bei den einen Grosseltern, die glücklicherweise strategisch günstig wohnten, nämlich auf dem Weg zu den anderen Grosseltern, wo dann am Stephanstag gefeiert wurde. An diesem Plan wurde nicht gerüttelt.

Getrennte Eltern, doppeltes Chaos

Bis das passierte, was gut in der Hälfte der Familien passiert: Meine Eltern trennten sich. Das weihnachtliche Organisationschaos zog sich – zumindest was mich betraf – allerdings noch eine Weile hinaus. Im Jahr der Trennung überschattete der Tod meines Grossvaters die Festtage. Ich war knapp 16, meine Eltern hatten sich getrennt und mein geliebter Neni war tot. Weihnachten? Am Arsch. Egal wer wann wo mit wem feierte. 

Wie erkläre ich ihnen, dass sie nicht weniger wichtig sind, wenn ich nicht einen der beiden Weihnachtsfeiertage mit ihnen verbringe?

Das Jahr darauf feierte ich Christmas am Strand – im Austauschjahr in Australien. Als ich wieder nach Hause kam, hatten beide meine Eltern neue Partner – und der emotionale Spiessrutenlauf ging los. Papa wollte Weihnachten mit mir und der neuen Partnerin, Mama wollte Weihnachten mit mir und dem neuen Partner, deren Familien wollten sie an den Festtagen auch sehen und meine Grosseltern hatten auch Ansprüche, nachdem sie schon im Jahr zuvor auf mich verzichten mussten. 

Oh je, wie mach ich das bloss – und wie erkläre ich ihnen, dass sie nicht weniger wichtig sind, wenn ich nicht einen der beiden Weihnachtsfeiertage mit ihnen verbringe, sondern halt einen davor oder danach? Was für ein Stress für einen Teenager!

«Scheisse», murmelt meine Freundin und starrt in ihren Cappuccino. «Scheisse», sag ich. Weihnachten. Zeit des organisatorischen Supergaus und des emotionalen Spiessrutenlaufs. O du fröhliche! 

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