Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Männer sind anders. Väter sowieso

Über den Unterschied zwischen Jungs und Mädchen hat sich Sandra C. bereits mehrfach geäussert. Jetzt ist es an der Zeit, dass die Familienbloggerin mal etwas zum Unterschied zwischen Vätern und Müttern sagt. Oder ganz allgemein zwischen Männern und Frauen. Da beobachtet sie nämlich immer wieder Erstaunliches.
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© Getty Images

Die Unterschiede zwischen Mann und Frau fallen Bloggerin Sandra C. nicht nur beim Einkaufen auf.

Zum Beispiel im Supermarkt. Wocheneinkauf für die Familie, ich stehe in der Schlange vor der Kasse. In meinem Einkaufswagen alles, was man so braucht in einer Woche mit zwei Kindern: Früchte, Gemüse, Brot, Fleisch, Käse, Eier, Reis, Joghurt und eine neue Znüni-Box für den Junior, weil die alte entweder kaputt ist oder irgendwo in der Schule rumliegt. Logisch schaue ich in die Einkaufswagen der Leute rund um mich (sagt nicht, ihr tut das nie, Lügner!): Die Wagen der Frauen ähneln alle dem meinen. Die der Männer sehen auch alle ungefähr gleich aus: Chips, Cola, Bier, Tiefkühl-Pizza, vielleicht mal ein Brot oder eine Packung Schinken.

Alles Singles, ohne Zweifel. Eine Frau würde nie zulassen, dass ihre Kinder von Chips, Cola und Tiefkühl-Pizza ernährt werden. Fazit: Einkaufen ist wohl in den allermeisten Familien Frauensache. Warum das so ist, sieht man schon an den Einkaufswagen der Typen. Auch eine Single-Frau kauft nicht so ein wie die. Keine Ahnung, warum es für Männer offensichtlich so schwierig ist, eine einigermassen vernünftige Liste zu erstellen, und dann zu erstehen, was auf dieser Liste steht. Ich erinnere mich, dass mein Vater ein einziges Mal zum Einkaufen losgeschickt wurde, mein Bruder und ich im Schlepptau. Den Einkaufszettel verlor er unterwegs. Schlussendlich fand sich in seinem Wagen Folgendes: Eine Kiste Rotwein, geschätzte zwanzig Tafeln Schokolade (von jeder Sorte eine), zehn Paar Socken (von jeder Farbe eines), Sprit für den Grill und eine Ladung Bratwürste. Als ich vorsichtig nachfragte, ob er sicher sei, dass er nichts vergessen habe, schickte er mich noch einen Liter Milch holen. Auch bei uns bin in der Regel ich für den Einkauf zuständig - auch wenn ich nicht fürchten muss, dass wir sonst von Chips, Cola und Bratwürsten leben müssen. Der Mann in meinem Haushalt ernährt sich nämlich seit geraumer Zeit streng nach seiner Fibel «Men's Health» (Hallo Midlife-Krise?) und vergisst dabei manchmal, dass seine Familie gern auch mal was anderes zu sich nimmt als mageres Fleisch, Eier und Gemüse.

Ein weiterer Ort zum Thema Feldstudie betreffend Vätern und Müttern: der Fussballplatz. Genauer gesagt, das Grümpelturnier der Gemeinde. Da gibt es zwei Arten von Müttern: Die, welche ihrem Nachwuchs ergeben alles Erdenkliche hinterherschleppen - von der Regenjacke bis zur Sonnenmilch - und schwerst beladen am Spielfeldrand warten, bis sie alles stehen und liegen lassen können, um ihrem Goldschatz die Schuhe zu binden. Und die, welche bei Kaffee oder Cüpli im Festzelt plaudern und zwischendrin den schwerst enttäuschten Nachwuchs mit einem Glacé zu beruhigen versuchen. (Ich bin da so ein Zwischending: Ich schleppe diverse Dinge meiner Kinder ins Festzelt, bei Gebrauch können sie dort abgeholt werden, zusammen mit dem Geld fürs Glacé).

Was die Väter betrifft, ist der Grümpi-Sonntag wohl der einzige Tag im Jahr, an dem sie ihre Kinder keine Minute aus den Augen lassen. Schliesslich müssen sie nicht nur als Assistent des eigentlichen Trainers walten, sondern auch als Privat-Coach für ihr eigenes Kind. Dann stehen sie da also zu siebt oder zu zehnt am Spielfeldrand und schreien den Trainer an («Wir müssen die Strategie ändern!», «Der David gehört doch in den Sturm!», «Aaaaaaaaauswechseln, jetzt mach schon!»), ihr Kind («Jetzt lauf schon, Mia!»), die anderen Kinder («Gib doch den Ball ab, der Leon steht frei!») oder einander («Hör schon auf, der bringt gar nichts dort hinten!»). Und die armen kleinen Fussballer, völlig verwirrt, haben keine Ahnung, auf wen sie hören sollen. Ganz bitter finde ich jeweils die Szenen, wenn ein Kind mitbekommt, wie sich der Vater die Hand an die Stirn schlägt und dem armen Kleinen die Tränen in die Augen schiessen.

Wobei sich nach dem Spiel auch jeweils zwei Arten von Vätern bemerkbar machen: Die, welche nichts auf ihren Nachwuchs kommen lassen und den Fehler beim Coach suchen («Die hätten schon gewonnen, wenn der David im Sturm gespielt hätte statt hinten!»). Und die, welche unendlich enttäuscht sind, wenn sich der Sohn oder die Tochter nicht als Schweizer Version von Neymar Jr. entpuppt («Das kann doch nicht sein, irgend etwas muss er doch von mir haben.»). Während wir Mütter am Ende des Tages also den Nachwuchs entweder feiern oder trösten - und dann zur Tagesordnung übergehen und ihn in die Badewanne stecken - platzen die Väter entweder vor stolz auf die eigenen Gene (was ja nicht per se verkehrt ist) oder kämpfen mit ihrer eigenen Enttäuschung.

Klar braucht da der eine oder andere mal eine Tüte Chips und ein Bier, um runterzukommen. Nur findet man dies in Familien-Haushalten eher selten. Tja, liebe Familienväter, vielleicht solltet ihr den Einkauf doch ab und zu selbst in die Hand nehmen. Ist gar nicht so schwierig - die Liste könnt ihr euch ja schreiben lassen. Und am Schluss noch unbemerkt Chips und Bier hinzufügen.

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