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Der ganz normale Wahnsinn

Wie bringt Sandra C. Kids und Job unter einen Hut? Easy! Oder doch nicht?

Warum ich Weihnachten trotzdem liebe

Vergangene Woche schrieb Sandra C. über den organisatorischen Supergau, den Weihnachten mit sich bringt. Wer die Familienbloggerin kennt, weiss: Sie liebt Weihnachten trotzdem. Sehr sogar. Hier erklärt sie, warum. 
Familienblog_Weihnachten Teil 2
© getty

Unsere Familienbloggerin würde niemals Weihnachten ohne Geschenke feiern.

Die ach so besinnliche Weihnachtszeit ist eigentlich der pure Stress. Rumrennen, um irgendwelche Geschenke zu besorgen, die der oder die Beschenkte weder braucht noch will, mühselige Verwandtenbesuche, bei denen man gefragt wird, wann man endlich gedenkt, zu heiraten oder schwanger zu werden oder in die Chefetage aufzusteigen, ob die Noten des Kindes endlich besser sind und ob man dem Teenager nicht endlich das Handy wegnehmen wolle, auf das es schon seit gefühlten Stunden starrt. Das gabs früher nicht. Überhaupt war früher alles besser. Weihnachten auch.

Weihnachten lebt von Erinnerungen

Das stimmt natürlich nicht. Trotzdem «lebt» Weihnachten eben genau von diesem «früher»: Von den (Kindheits-)Erinnerungen, den Traditionen, den Gefühlen, die dieses Vertraute in uns auslöst. Guetzliduft, Glockengebimmel, Weihnachtslieder und Kerzenschein rufen in mir so viele Erinnerungen wach wie kaum etwas sonst.

Erinnerungen an Spaziergänge, um dem Christkind mit in den Schnee gesteckten Kerzen den Weg zu zeigen (hatte es in meiner Kindheit echt jede Weihnachten Schnee? Und war ich echt so dämlich, dass ich mich nie gefragt habe, warum sich dieses Christkind den Weg nicht merken kann und wie es sein kann, dass es so schnell da war, kaum waren wir zurück?) Erinnerungen an die Nervosität beim Anblick der Geschenke unter dem Baum.

Hör zu, ich bin glaubs schwanger, aber das soll noch niemand wirklich wissen. Du bist der erste und einzige, also halt die Klappe und hilf mir. Du musst unauffällig meinen Alkohol mittrinken.

An meinen Grossvater, Opernsänger, der das Ave Maria sang. (Und meine Mutter, die Tränen in den Augen hatte, was ich als Kind unglaublich schräg fand. Heute heule ich selbst, wenn ich es höre.) An den Weihnachtsbaum meiner Grosseltern, der immer mit Schoggikugeln geschmückt war, die mein Bruder und ich so strategisch zu stibitzen versuchten, dass möglichst spät auffiel, dass die Hälfte fehlte.

Meine schönsten Pannen

Erinnerungen an lustige Dinge. Zum Beispiel das eine Mal, als alle erwartungsfroh um den Tisch sassen, die Suppe fürs Fondue Chinoise schon brodelte – und meine Stiefmutter merkte, dass sie vergessen hatte, das vorbestellte Fleisch beim Metzger abzuholen. Oder das Highlight meiner lustigsten Weihnachtserinnerungen: Tags zuvor hatte ich einen positiven Schwangerschaftstest in den Händen, war immer noch total im Zeug und wollte das niemandem sagen. Auf der Hinfahrt zum Familienfest mit Mama kam mir in den Sinn: Ich darf ja keinen Alkohol trinken. Das fällt doch jedem auf!

Also nahm ich meinen Bruder zur Seite: «Hör zu, ich bin glaubs schwanger, aber das soll noch niemand wirklich wissen. Du bist der erste und einzige, also halt die Klappe und hilf mir. Du musst unauffällig meinen Alkohol mittrinken.» Mein Bruder, des Sippens nicht wirklich mächtig, leerte Glas um Glas um Glas um Glas. Meine tatsächlich so unauffällig, dass sich meine Mutter wunderte, dass er es am Ende des Abends kaum mehr die Treppe hochschaffte. Ich muss heute noch lachen, wenn ich dran denke, wie sie kopfschüttelnd zu mir sagte: «Er hat doch gar nicht so viel getrunken!»

Erinnerungen, die Wehmut wecken

Erinnerungen an schöne Weihnachten. An die erste Weihnacht als Mutter und meine vier Monate alte Tochter im Weihnachtsmännchen-Kostüm. Eigentlich an jede Weihnacht, seit ich Kinder habe. Die leuchtenden Augen, die Aufregung, die (Vor-)freude. Sogar die ellenlangen Wunschlisten. Der Tag, an denen ich meinen Kindern zu erklären versuchte, dass Weihnachten das Fest der Liebe ist und nicht der Geschenkeschlachten – und umgehend zur Antwort bekam, wenn ich sie denn wirklich so sehr liebe, wie ich sage, müsse es aber doch ein besonders grosses Geschenk geben.

Die Kinder verdrehen zwar die Augen, aber lassen eine gewisse Milde walten. 

Und dann sind da auch die eigentlich schönen Erinnerungen, die mich traurig machen. Die erste Weihnacht mit meinem Sohn, die gleichzeitig die letzte mit meinem Vater war. Wenn ich meine Kinder in der Weihnachtszeit mit den Grosseltern herumtollen sehe, gibt es mir einen besonders grossen Stich ins Herz, und es tut mir unendlich Leid, dass meinem Jüngsten gerade mal ein einziges Weihnachtsfest mit seinem Neni vergönnt war (an das er sich natürlich nicht erinnert). Aber auch diese Erinnerungen gehören dazu – und sie machen Weihnachten umso spezieller.

Nicht ohne Geschenke

Ja, Weihnachten ist ein Fest des Konsums. Ich liebe es trotzdem. Und ich würd niemals Weihnachten ohne Geschenke feiern. Ich selbst könnte zwar verzichten – aber ich liebe es, zu schenken. So ist Weihnachten auch die einzige Zeit im Jahr, in der ich – Backmuffel vor dem Herrn – mit Freude Guetzliteig knete. Und ja, ich liebe Weihnachtsdekoration, Christbäume und Adventskalender. Und Weihnachtsmusik.

Ab dem 1. Dezember gibt’s bei mir zu Hause «Last Christmas» in Endlosschlaufe. Die Kinder verdrehen zwar die Augen, aber lassen eine gewisse Milde walten. Als mein Sohn letzthin über die Musik motzte, meinte seine Schwester beschwichtigend: «Ach lass doch, du weisst ja – Mami und Weihnachten....» Ich sag doch: Das Fest der Liebe. 

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