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Der ganz normale Wahnsinn

Wie bringt Sandra C. Kids und Job unter einen Hut? Easy! Oder doch nicht?

Zwischen Gucci Gang und Beethoven

Musik ist ein grosses Thema im Haus von Sandra C. Während sie selbst als Teenager nie dachte, dass sie mal so alt wird, dass sie musikalisch nicht mehr up to date ist, beweisen die Kinder der Familienbloggerin ihr mehr oder weniger täglich das Gegenteil. Aber nicht nur.

«Mach den Lärm leiser», sagte mein Vater jeweils, wenn er in mein Zimmer platzte. «Das soll Musik sein? Ist ja furchtbar.» Heute muss ich gestehen: Er hatte Recht! Und ich bin froh, dass er noch mitbekam, dass ich «seine» Stones, Pink Floyd und Verdis Nabuco Modern Talking vorziehe, seit ich erwachsen bin (Okay, jetzt ist es raus. Aber ich war erst 14, und alle hörten das. Auch wenns keine Entschuldigung ist.)

Aber damals dachte ich, so alt werde ich nie, dass ich aktuelle Chart-Hits für Lärm halte. Tja, was soll ich sagen, ich bin schneller so alt geworden, als mir lieb ist. Aber ich ertrags mit Würde, ehrlich. Und wörtlich. Ich interessiere mich so sehr fürs Leben meiner Kinder, dass ich mir das auch live antue:

Katy Perry (Meinung revidiert: grossartige Show!), Little Mix (die neuen Spice Girls) und natürlich die Lochis, die singenden Youtube-Zwillinge. Sie können zwar weder richtig singen noch tanzen, sind aber ganz unterhaltend. Über den Titel ihres Kinofilms – «Bruder vor Luder» – sehe ich gerade noch grosszügig hinweg.

Horror-Song «Gucci Gang»

Bei dem was mein Sohn – offiziell noch nicht mal im Teenager-Alter – da hört, kann ich das nicht mehr. Richtig wahrgenommen hab ich den Song nicht – er hört Rap und Hiphop, das klingt in meinen Ohren eh alles ähnlich bis gleich (die Ausnahme bestätigt die Regel). Jedenfalls wollte er plötzlich unbedingt ein Gucci-Shirt.

Oh! Mein! Gott! Ich will ja nicht kleinlich sein, aber solange solche Scheisse in den Charts landet, sind wir noch ganzganzganz weit von Gleichberechtigung entfernt.

Die Jungs in seinem Alter wollen Nike, Adidas, Vans, vielleicht Billabong – aber sicher nicht Gucci. «Wegen dem Song», erklärt er, leicht genervt. «Der ist mega cool.» «Der Song» heisst «Gucci Gang», der Bubi, der ihn rappt, nennt sich «Lil Pump» (!!!!!) und der Text geht so:

«Gucci gang, Gucci gang, Gucci gang (gefühlte 72 Mal), my bitch love do cocaine, I fuck a bitch, I forgot her name, I can’t buy no bitch no wedding ring, rather go and buy Balmains.»

Oh! Mein! Gott! Ich will ja nicht kleinlich sein, aber solange solche Scheisse in den Charts landet, sind wir noch ganzganzganz weit von Gleichberechtigung entfernt. Ich mein, sorry, Dad, da war Modern Talking noch harmlos.

«Eh Mann – Beeeethooovääään! Känsch nöd?»

Zum grossen Glück ist meine Tochter – im Gegensatz zu mir als Teenager – richtig musikinteressiert. So hört sie nicht nur ihren geliebten K-Pop (koreanische Boy- und Girlbands), sondern ist tatsächlich sehr offen für fast jede Art von Musik. Sie spielt täglich mindestens eine Stunde Klavier und singt – echte Musik!

Als ich vor Jahren kaum abwarten konnte, dass die Zeiten von «Globi» und «Sunnestrahl, tanz emal» endlich vorbei sein mögen, habe ich nicht an «Gucci Gang» gedacht.

Letzthin hörte ich sie «Wonderwall» singen, und als sie mich in der Tür stehen sah, meinte sie: «Isch uralt, aber gar nid so schlecht.» Und als ich vor kurzem mal in ihr Zimmer kam, und zu fragen, was sie spiele, meinte sie. «Eh Mann – Beeeethooovääään! Känsch nöd?»

Tja, ich würd sagen, Glück im Unglück oder so. Als ich vor Jahren kaum abwarten konnte, dass die Zeiten von «Globi» und «Sunnestrahl, tanz emal» endlich vorbei sein mögen, habe ich nicht an «Gucci Gang» gedacht. Aber von Beethoven hätte ich auch nicht zu träumen gewagt.

Hören Sie hier den Song «Gucci Gang»: