Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

My Home is my Office - aber nicht nur!

Seit kurzem arbeitet Sandra C. mehrheitlich von zu Hause aus. Seither muss die Familienbloggerin damit leben, dass ihr Büro nicht nur als Arbeitsstätte dient, sondern auch wahlweise als Backstube, Indoor-Skatepark oder Kleintier-Zoo.
Familienblog Schweiz Home Office vs. Arbeit im Büro Sandra C.
© iStock

Die Arbeit von zu Hause aus hat nicht nur Vorteile, wie Bloggerin Sandra C. feststellen musste.

Vor einiger Zeit beschloss ich, meine feste Anstellung zumindest teilweise aufzugeben und zu versuchen, mich in einem freien Verhältnis durchzuschlagen. Der Hauptgrund war der, dass mir die Ineffizienz der festen Anstellung mehr und mehr auf die Nerven ging. Ich hatte das Gefühl, Stunden in irgendwelchen Sitzungen zu verplempern oder damit, auf irgendwelche Anrufe und Mails zu warten, während sich zu Hause die Wäsche türmte und die Kinder im Hort oder bei Freunden alles machten ausser Hausaufgaben, was ich mit ihnen nach dem Abendessen nachholen musste.

Als freie Journalistin, so war ich mir sicher, konnte ich meine Termine rund um die der Kinder organisieren. Recherchieren und Schreiben würde ich daheim, nebenher kann ich mal eine Ladung Wäsche in die Maschine schmeissen, die Taxidienste zu Fussballtraining und Tanzstunden übernehmen und die Hausaufgaben kontrollieren. Abends wären sowohl Arbeit, Hausaufgaben und Wäsche erledigt und alle hätten nach dem Znacht ihre wohlverdiente Freizeit.

Nun, sagen wirs mal so: In den Grundzügen ist es tatsächlich so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Ich organisiere mich, wann immer möglich, um die Kinder herum, und Wäsche und Haushalt muss ich nicht mehr spätabends oder am Wochenende erledigen. Ansonsten klingt es in meinem Homeoffice öfter mal so, sobald die Kinder zu Hause sind: «Hey, das ist kein Indoor-Skatepark! Ich arbeite hier!» - «Und ich wohne hier!» Na ja, wo er recht hat, hat er recht. Trotzdem: «Geskatet wird draussen! Hast du keine Hausaufgaben?» - «Nein.» - «Du lügst!» Ich mache also eine kurze Arbeitspause und kontrolliere seine Hausaufgaben-Agenda. «Du hast morgen ein Diktat», rufe ich ins Leere, denn das Kind ist mitsamt Skateboard nach draussen entschwunden. Also gut, zurück zur Arbeit.

«Mamaaaaaaaa, können wir Weihnachtsguetsli backen?», tönt es, kaum habe ich den Computer wieder angeschmissen. «Ich muss arbeiten. Und du hast Hausaufgaben.» - «Hab ich am Mittag im Hort gemacht. Kann ich allein backen?» - «Also gut.» Gefühlte zwölf Sekunden später: «Mamaaaaaaaaa, es hat keine Eier mehr!» - «Dann musst du eben morgen backen.» - «Aber ich hab schon angefangen.» Sie steht mit mehlverschmierten Händen und schokoverschmiertem Gesicht vor mir. «Kannst du Eier holen gehen? Biiiiiiittteeeeeee!» Klar kann ich, hab ja sonst nichts zu tun.

Eine halbe Stunde später, ich habe die Eier pflichtbewusst abgeliefert und gerade den Computer wieder gestartet, fegt ein Tornado in Form meines Sohnes und aller Nachbarsbuben durchs Haus. «Was um Himmels willen macht ihr hier?» - «Kaninchen schauen.» - «Wir sind doch kein Zoo!» - «Aber es sind meine Kaninchen und die kann ich zeigen, wem ich will!» Oh ja, du könntest sie auch füttern, wann du willst. Und ausmisten. Das hab ich nämlich heute Morgen gemacht, und deshalb sollte ich jetzt dringend mal was schreiben!

Apropos dringend: Ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass es bereits 17.30 Uhr ist. In einer Stunde hat meine Tochter Theaterprobe, ich sollte also langsam mal kochen - das heisst, sobald ich das Guetsliback-Schlachtfeld aufgeräumt habe, das sie hinterlassen hat. «Ich koche jetzt. Kannst du bitte mal für deine Prüfung morgen lernen?» - «Kann ich das an deinem Computer?» - «Von mir aus.» Ist ja nicht so, dass ich in den nächsten zwei Stunden zum Arbeiten komme.

Denn die nächsten zwei Stunden sehen so aus: Kochen, Essen, Kind abfragen, Kind zur Theaterprobe fahren, mit dem anderen Kind Diktat üben, Kind von der Theaterprobe abholen, Kinder unter die Dusche zwingen, und unter Androhung schlimmster Strafen auch zum Zähneputzen, Kinder ins Bett bringen. Dann ist endlich Ruhe. Zeit für «Der Bachelor». Oder auch nicht. Denn gearbeitet habe ich nicht wirklich viel heute Nachmittag. Also werfe ich statt des TVs den Computer an. Wohlverdiente Freizeit? Welcome to the real world! Aber wenigstens ist die Wäsche gemacht.

Im Dossier: Alle Familienblogs von Sandra C.