Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

To post or not to post

Die Diskussion ist momentan in aller Munde: Gehören Kinderfotos in die Sozialen Netzwerke oder nicht? Sandra C. gehört zu denen, die ab und zu mit Stolz Fotos ihrer Kids posten – mit deren Einverständnis. Die Familienbloggerin findet, dass auch auf Social Media das zählt, worauf man im Leben allgemein setzen sollte: Gesunder Menschenverstand!
Familie Mutter Tochter Computer Symbolbild
© GettyImages

Soll man Fotos der Kinder auf Facebook und Instagram teilen oder nicht?

«Waaaaaas?», fragte mich kürzlich eine entsetzte Freundin. «Du postest deine Kinder bei Facebook???????» Ja, tu ich! Und auch bei Instagram. Und dort tagge ich sie sogar!

Ja, ich weiss, Experten und Polizei sagen, man soll das nicht tun. Und mir ist durchaus bewusst, dass auch meine Kinder ihre Privatsphäre haben. Aber für mich sind die Sozialen Medien eine Chance, mit Leuten mit denen ich sonst schon lange nichts mehr zu tun hätte, in Kontakt zu bleiben. Und die interessieren sich für mich, für mein echtes Leben. Klar poste ich auch eher mal ein Ferienfoto oder das einer Party – wer interessiert sich schon dafür, wie mein Büro aussieht? Aber zu meinem Leben gehören meine Kinder – mehr als alles andere. Warum also sollten sie in meinem «digitalen» Leben aussen vor gelassen werden?

Nichts Anzügliches, nichts Peinliches

Selbstverständlich gelten für mich in den Sozialen Netzwerken die gleichen Regeln wie für sie. Nichts Anzügliches, nichts Peinliches. Und ja, ich frage sie, bevor ich ein Bild von ihnen teile – auch wenn das nur mein Freundeskreis sehen kann.

Ich sehe nicht ein, warum ich ein gemeinsames Foto mit meiner Tochter nicht posten sollte, wenn wir «herausgeputzt» zusammen an eine Party gehen. Wenn das für meine Tochter ok ist. So ein Bild sagt nicht: «Hey, schaut mal wie peinlich, das Kind geht mit seiner Mutter an eine Party», sondern: «Ich bin einfach wahnsinnig stolz auf meine Tochter und möchte euch das zeigen.» Mit ihrem Einverständnis. Gesunder Menschenverstand halt.

Und mal ehrlich: Sollten irgendwann irgendwelche hirnverbrannten Idioten auf die Idee kommen, sich über sowas lustig zu machen, bin ich sicher, dass meine Tochter sich zu wehren weiss. Schliesslich gibt es Schlimmeres, als eine Mutter, die stolz auf einen ist!

Dieser Blog war lange Zeit geheim

Umgekehrt werde ich übrigens selten gefragt. Zum Beispiel wenn ich in Aufsätzen vorkomme, welche die gesamte Klasse plus Lehrerschaft mitbekommen. O-Ton gefällig? «Meine Mutter ist mir auf die VIP-Bahn auf der Chilbi gekommen. Das fand ich voll cool, weil sie war die einzige Mutter, die da mitgekommen ist. Und meine Kollegen fanden das auch cool. Aber dann hat sie die ganze Zeit geschrien und dann gesagt, sie macht das nie mehr, egal, wie lieb sie mich hat. Das war dann nicht mehr so cool.» Ihr seht – die Kinder machen sich viiiiiel weniger Gedanken darüber, ob ich blöd dastehe als umgekehrt. Einfach damit das mal gesagt ist.

Eines hab ich allerdings nicht getan: Ich hab ihnen lange nicht gesagt, dass ich über sie blogge. Klar, sie kommen nicht mit Namen vor, aber ich weiss, dass ich hier sehr persönliche Dinge über sie preisgebe. Auch hier nichts Peinliches – aber das ist auch immer Ansichtssache.

Was für ein unendlich grossartiges Kind!

Meine Tochter hat den Blog irgendwann entdeckt. Über eine Freundin, die das von ihren Eltern mitgekriegt hat. Sie hat jeden einzelnen gelesen. Ich fand sie in Tränen aufgelöst vor dem Laptop. «Oh mein Gott, es tut mir so unendlich leid. Was hab ich geschrieben, was nicht geht?» – «Nichts», sagte sie. Sie hatte meinen Brief an meine Teenie-Tochter – also an sie – gelesen. «Wenn ich gewusst hätte, dass dir das so zu schaffen macht ...», schniefte sie. Oh mein Gott, was für unendlich grossartiges Kind!

«Aber es gibt nichts, was du nicht gewollt hättest, dass ich schreibe?», frage ich sie. Sie zuckt die Schultern. «Bis jetzt nicht. Aber in Zukunft: Nichts über meine Freunde - und GAR nichts über Jungs!» Deal! Wenn ich das Gefühl habe, es ist heikel, frage ich. Und sie hat ein Veto-Recht (mein Sohn übrigens auch, aber den interessiert das Ganze so oder so herzlich wenig).

Aber wie siehts eigentlich aus mit meinem Veto? Gut, in ihren Social-Media-Profilen komme ich eh nicht vor. Aber über diese Schulaufsätze müssen wir nochmal reden...

Im Dossier: Weitere Beiträge im Familienblog von Sandra C.