Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Lieber Petrus...

Sandra C. hat allmählich die Nase voll vom «sommerlichen» Dauerregen. Nicht, dass die Familienbloggerin zimperlich wäre oder zu wetterbedingten depressionsähnlichen Zuständen neigen würde. Aber wer Kinder hat, weiss, dass wochenlanges Sauwetter die Nerven fast so fest strapazieren kann wie schlaflose Nächte.
Regen im Sommer Tipps Sommerdepression Ferien
© Getty Images

Sandra C. kann dem schlechten Wetter beim besten Willen nichts Gutes abgewinnen.

... ich weiss, du findest das lustig. Und du freust dich über all die Leute, die auf Facebook Bilder von niedlichen Kleinkindern posten, die in Gummistiefeln in Pfützen springen und dazu schreiben, man könne das Leben doch trotzdem geniessen und müsse doch immer in allem das Schöne sehen und ähnlichen Bullshit. Aber einfach, damit dus weisst: Ab einem gewissen Alter sind die nicht mehr so niedlich, die Kinder, und zusammen mit ihrem Niedlichkeitsfaktor schwindet ihre Toleranz dem Regenwetter gegenüber. Und ihre Lust, Gummistiefel zu tragen. Abgesehen davon, dass es mich ankotzt, auf einen Haufen pflotschnasser Klamotten zu treten, wenn ich zur Tür reinkomme, macht dein ständiger Regen die 120­-Franken(!)­-Neymar-­Treter­-mit­-eingebauten­-Socken­-die-zwar-­nichts­-nützen-­aber­-den-«geiler­Siech»-Status-
absichern kaputt. Und ich weiss nicht, ob du das grad mitbekommen hast, aber ich habe satte 120 Franken für die Dinger hingeblättert!

Und danke auch, dass du den Drittklässlern die Projektwoche im Wald vermiest hast. Nachdem ich am ersten Tag feststellte, dass die Regenjacke kaputt war, musste schnellstmöglich eine neue her. Ich zog gefühlte Stunden durch alle gängigen Läden, ohne auch nur die Spur einer solchen Jacke zu entdecken. Überall nur T­-Shirts mit «Summertime»-Aufschrift, Shorts und Badehosen. Ich wusste bei dem Anblick nicht, ob ich laut rauslachen oder einen Heulkrampf kriegen sollte. Mir wärs ja theoretisch noch egal gewesen, das Kind in Badehosen und Badelatschen in den Wald zu schicken. Ich hätte ihm noch sein Shampoo mitgegeben, dann wär das auch grad erledigt gewesen. Aber eben, ich hab nicht so grosse Lust auf Diskussionen mit irgendwelchen Kinderschützern. (Ganz zu schweigen von den Umweltschützern).

Und dann die Wochenenden! Weisst du, wieviele Stunden so ein Wochenende hat, Petrus? 52 von Freitag, 16 Uhr bis Sonntag, 20 Uhr. Gut, ein paar von denen verbringen die Kinder mit Schlafen. Den grössten Teil aber mit Streiten, weil sie ihre ultimativ schlechte Laune rauslassen müssen. Und warum sind sie so schlecht gelaunt? Okay, sie sind Teenager, oder zumindest fast, und als solche per Definition in der Gegenwart ihrer Eltern und Geschwister mies drauf. Aber der ständige Regen verdirbt ihnen noch mehr die Laune als sonst. Da sie aus dem «Egal­-welches-Wetter-­herrscht-­wir-­toben­-draussen­-rum»-Alter raus sind, leiden sie unter akutem Bewegungsmangel. Und den Spruch «Es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falschen Kleider» kannst du dir auch sonstwohin schieben. Teenie-Girls würden sich lebendig niemals in einer Regenjacke sehen lassen. Und weisst du, was so ein Pubertier anzieht, wenn seine gesamte Kollektion an Hoodies und Baumwoll-Jacken irgendwo vor sich hintropft? Die Jacken seiner Mutter. Und weisst du, was die Mutter anzieht, wenn all ihre scheisswetter­-tauglichen-­aber­-trotzdem­-halbwegs-stylishen­ Jacken urplötzlich aus ihrem Kleiderschrank verschwunden sind? Die hässlichste aller Regenjacken die sie noch irgendwo in einer Ecke gefunden hat.

Also bitte, bitte, bitte, bitte, bitte lieber Petrus, hab Erbarmen. Zumal ich zwei neue Bikinis im Schrank habe, die noch mehr gekostet haben als die Schuhe meines Sohnes. Ich verspreche auch, dass ich nie, nie, nie, nie über die Affenhitze motzen werde. Grosses Sommer-Ehrenwort!

Im Dossier: Alle Familienblogs von Sandra C.