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Der ganz normale Wahnsinn

Wie bringt Sandra C. Kids und Job unter einen Hut? Easy! Oder doch nicht?

Ferien mit Teenagern oder null Bock auf Eltern

Sandra C. ist mit ihren Kids in den Ferien — und wird zum ersten Mal so richtig damit konfrontiert, dass die beiden keine kleinen Kinder mehr sind. Das erinnert die Familienbloggerin an einen Sommer vor langer Zeit, als sie selbst ein Teenie war.

Hier sitze ich nun also an der Bar dieses Ferienresorts in Italien und brauche dringend einen Mojito. Das kommt nicht oft vor. Meistens tuts Prosecco. Aber heute muss es was Stärkeres sein. Und der Grund überrascht mich selbst am meisten: Die Erkenntnis nämlich, dass meine lieben Kleinen wohl definitiv nicht mehr klein sind. Und zwar ganz und gar nicht.

Dabei erinnere ich mich sehr gut an diesen einen Sommer, kurz vor meinem 15. Geburtstag. Wir waren in einem Ferienresort in Österreich, ähnlich demjenigen, in dem ich jetzt an dieser Bar sitze. Ein Resort mit Teenieclub, Disco – und vielen mehr oder weniger Gleichaltrigen.

Klar hatte ich wenig Bock darauf, Zeit mit meinen Eltern zu verbringen. Und null Verständnis für meinen Vater, der das alles andere als lustig fand, und mich sozusagen als Höhepunkt von der Tanzfläche der Teenie-Disco holte, weil es zehn Minuten nach der vereinbarten Zeit war, in der ich im Hotelzimmer gleich nebenan hätte sein sollen (zumindest ist das in meiner Erinnerung so. Realistischerweise wars wohl eher eine halbe Stunde und das Zimmer nicht wirklich direkt neben dieser Disco...). Aber wie dem auch sei, seit kurzem kann ich doch einigermassen nachvollziehen, was damals in meinem Vater vorging.

Plötzlich waren da dieser blonde Junge und dieses Mädchen

Irgendwie ist es wohl Murphy's Law, dass ich in letzter Zeit diversen Bekannten immer wieder mal erzählt habe, meine Kinder seien für ihr Alter eigentlich noch Babys: verbringen immer noch gern Zeit mit ihren Eltern, schauen «SpongeBob Schwammkopf» (gut, ich kenne nicht wenige Erwachsene, die das auch tun) und haben noch nie das Bedürfnis geäussert, abends in den Ausgang zu gehen. Alkohol und Zigaretten finden sie grusig und am anderen Geschlecht waren sie bisher nur recht oberflächlich interessiert.

Von mir aus hätte das noch eine Weile so bleiben können. Als wir hier ankamen, und sie sich darüber freuten, dass sie eine Kinderseife in Krokodilform auf ihren Betten hatten, war die Welt auch noch total in Ordnung. Dann waren da plötzlich dieser grosse blonde Junge und dieses Mädchen.

Zwei Kinder, eine gemeinsame Krise

Und mein Sohn, der dreimal pro Tag vor dem Spiegel steht und sich die Haare kämmt. Auf seinem Instagram-Account, den er bisher nur dafür verwendete, um seinen Fussball-Idolen zu folgen, postet er plötzlich coole Poser-Bilder. Und meine Tochter, die es extrem kleinlich findet, wenn man von ihr verlangt, dass sie vor Mitternacht im Hotelzimmer ist. Und zwei Kinder, die eine gemeinsame Krise schieben, wenn man ihnen offenbart, dass man vorhat, mit ihnen gemeinsam zu Abend zu essen und zwar ohne ihre neuen Freunde.

Und ich, die ich nach diesem gemeinsamen Abendessen an dieser Hotelbar sitze, einen Mojito brauche und danach im Hotelzimmer warte, bis sie da sind. (Merke: Sag niemals nie!) Sie traben tatsächlich genau drei Minuten vor der vereinbarten Zeit an. Gehen ins Bett, schauen eine Folge „SpongeBob“ und schlafen mit ihren Kuscheltieren im Arm ein. Hallelujah!