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Der ganz normale Wahnsinn

Wie bringt Sandra C. Kids und Job unter einen Hut? Easy! Oder doch nicht?

Fortnite is the new black

Es gibt ein Thema, das momentan wohl weltweit das Universum heranwachsender Jungs dominiert: Fortnite. 100 Millionen Leute spielen das Game! Und vermutlich genauso viele Mütter staunen weltweit darüber, was ihre Söhne da veranstalten. So wie unsere Familienbloggerin.

Zuerst mal die Basics: Im Juli 2017 brachte Epic ein Spiel namens Fortnite auf den Markt. Die beliebteste Variante, Fortnite Battle Royale, ist gratis, und kann mittlerweile mehr oder weniger auf jedem Gerät gespielt werden, von Xbox über Playstation und Nintendo Switch bis zu Handy und iPad.

Die Story: 98 Prozent der Menschheit wurden ausgerottet und Zombies ziehen über die Erde. Allein oder in Teams ziehen bis zu hundert Spielerinnen und Spieler durch diese Welt, anfangs lediglich ausgerüstet mit einer Spitzhacke, mit der man Holz, Stein und Metall abbaut, um Gebäude zu bauen. Unterwegs sammelt und tauscht man weitere Waffen und andere Dinge, die sich unter anderem in Lamas (!) befinden.

Das Spiel selbst ist gratis

Der grosse Unterschied zu fast allen anderen Games: All diese Sachen kosten keinen Rappen – genau wie das Spiel selbst. Trotzdem hat Epic ein Vermögen gemacht mit Fortnite. Wie das? Mit einem ultra-cleveren Schachzug: Alles, was es im virtuellen Shop zu kaufen gibt, gibt es genau für 24 Stunden, danach ist es weg.

Ganz spezielle Dinge gibt es sogar lediglich während ein paar Stunden. Also: Zuschlagen oder weg für immer! Die Sachen bezahlt man mit der Fortnite-Währung «V-Bucks», und diese kosten reale Kohle!

Was irre ist: Die Kids kaufen sich im Store keine Waffen oder Fähigkeiten, die sie im Spiel weiterbringen, sondern sogenannte «Skins» und «Emotes». Das sind – Achtung – Kostüme und Tanz-Bewegungen! Und diese haben absolut null Einfluss auf den Verlauf des Games!

Und dann ziehen sie lustige Kostüme an und tanzen - hey, sogar die Tänze, die wir aus Filmen aus unserer Jugend kennen

Un-fucking-fassbar! Und un-glaublich clever! Du schaust dir nämlich als einigermassen interessierter Elternteil dieses Game an, und siehst Folgendes: Ok, sie haben Waffen und sie ballern, und eigentlich find ich das blöd. Aber man sieht kein Blut, alles ist total surreal. Ausserdem müssen sie sammeln und bauen, und hey, da sind Lamas, jööööh! Und dann ziehen sie lustige Kostüme an und tanzen – hey, sogar die Tänze, die wir aus Filmen aus unserer Jugend kennen. Wie gross ist das. Und keine In-App-Käufe, um ein höheres Level zu erreichen? Toll. Klar, spiel nur!

Und ich begreife: ‹Skins› sind die neuen Nikes! 

‹Emotes› sind Popkultur! Fortnite ist das neue Schwarz! 

Damit, dass sie dabei einen Grossteil ihres Taschengelds auf den Kopf hauen, rechnet man bei diesen Voraussetzungen nicht. Denn ein echt spezieller «Skin» kostet locker mal 50 Franken. 50-fucking-Bucks für ein virtuelles Kostüm!!!! «Boah, hast du gesehen, Ben hat voll den einen Skin erwischt, der gestern nur eine Stunde im Shop war», höre ich meinen Sohn sagen, als er mit seinen Kumpels spielt. «Ja, Mann, Alter, und Luca hat diesen Emote, den Griezmann nach dem Tor getanzt hat.» Und ich begreife: «Skins» sind die neuen Nikes! «Emotes» sind Popkultur! Fortnite ist das neue Schwarz!

Die Jungs speichern ihre «Skins» auf dem Handy und zeigen sie einander wie die neusten, hippen Klamotten. Und sie tanzen die Tänze – was auch den Mädels auffällt. Auch wenn sie viel seltener Fortnite spielen, kriegen sie mit, was die Buben daran so cool finden. Und plötzlich tanzt die ganze Welt den «Electro Shuffle» oder den «Floss» - inklusive den Fussballstars beim Torjubel.

Hut ab vor diesem Spielkonzept

Klar, da war auch ein bisschen Glück dabei. Aber Hut ab vor soviel durchdachter Cleverness. Auch wenn ich hoffe, dass mein Sohn sein Taschengeld irgendwann wieder für anderes ausgibt als für virtuelle Klamotten!