Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Was ist nur mit den Frauen los?

Im vorletzten Blog machte sich Sandra C. für die Frauenquote stark. Während sie doch einige wohlwollende Zuschriften von Männern bekam, waren die Reaktionen des eigenen Geschlechts relativ verhalten. Die Familienbloggerin fragt sich mehr und mehr: Was ist eigentlich mit uns Frauen los?
Tag der Fraue lustige Fakten und Memes
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Gleichberechtigung?

Eines vorweg: Dieser Blog ist keine beleidigte Reaktion darauf, dass viele nicht meiner Meinung sind. Das dürft ihr durchaus sein, ­ ich finde ja selbst zig Argumente gegen diese Frauenquote. Er soll nur meine Verwunderung darüber ausdrücken, dass wir Mütter zwar eines gemeinsam haben - ­ die Liebe zu unseren Kindern -, ­ aber dass wir alles, was sich um eben dieses Thema dreht, zu einer Art Glaubenskrieg ausarten lassen. Entschuldigung wenn ich das jetzt mal so offen sage, aber wenn es um Kinder und Familie geht, haben wir Frauen alle einen leichten Sprung in der Schüssel! Väter, ­ entschuldigt bitte nochmal, ­ ficken einander nicht an, weil der eine nach Meinung des anderen das falsche Familienmodell gewählt hat. Weder von Angesicht zu Angesicht, noch beim Tuscheln mit anderen, noch in Leserbriefen oder Internetforen. Die machen das einfach nicht. Wir schon. Väter werfen einander nicht vor, sie würden ihre Kinder vernachlässigen, wenn sie arbeiten gehen. Und Väter verweigern einander nicht ihre Unterstützung bei etwas, nur weil sie selbst nichts davon haben.

Seit einem halben Jahrhundert diskutieren wir in diesem Land über Gleichberechtigung. Und ich muss zugeben: Die Tatsache, dass wir das immer noch tun, legt die Vermutung nahe, dass wir selbst nicht ganz unschuldig sind an unserer Situation. Warum sind wir Frauen so? Warum verlieren wir uns dermassen in unserer Rolle als Mutter? Sind tatsächlich die Hormone daran schuld? Können wir nicht anders? Bedeutet die Tatsache, dass wir die Kinder austragen, automatisch, dass wir mehr Verantwortung tragen für sie als ihre Väter? Nicht, weil wir uns bewusst so entscheiden, sondern weil wir gefühlsmässig in einer Art und Weise mit unseren Kindern verbunden sind, die Väter gar nicht nachvollziehen können?

Vielleicht. Wenn ich an die vergangenen Jahre zurückdenke, kommen mir Dutzende von Situationen in meinem Leben in den Sinn, in die ein Vater niemals geraten wäre. Oder könnt ihr euch einen Typen vorstellen, der am Bahnsteig steht und Rotz und Wasser heult, weil er gerade den Zug verpasst hat, und er doch so schnell wie möglich heim zu seinem Baby wollte? Männer scheinen Kinder, Karriere und Sozialleben problemlos und ohne schlechtes Gewissen vereinbaren zu können. Und diese eine Frage stelle ich mir seit zehn Jahren: Woran liegt dieses schlechte Gewissen bei uns Müttern? An uns selbst, unseren Gefühlen, unseren Ansprüchen? Oder daran, dass wir ein gewisses Rollenbild nicht erfüllen, ­ egal wie veraltet es ist, egal von wem es vorgegeben wird?

«Du bist eben anders», bekomme ich oft zu hören, wenn ich mit jemandem über Kinder und Karriere diskutiere. Ich bin überhaupt nicht anders. Ich komme manchmal fast um vor Sehnsucht nach meinen Kindern. Und sobald ich einen Fuss zur Tür hereinsetze, fühle ich mich zu hundert Prozent für sie verantwortlich, egal wer sonst noch anwesend ist. Und ich bin auch schon an
diesen Punkt gekommen, an dem ich mich selbst nur noch als «Mami von ...» wahrnahm. Und genau an diesem Punkt haben meine Kinder mir deutlich gezeigt: Sie brauchen das gar nicht. Und sie wollen es nicht. Mein Job gehört zu mir genauso wie meine Kinder. Und ich darf in meinem Job genauso ehrgeizig sein wie in der Kindererziehung. Das muss nicht jede gut finden, und es muss auch nicht jede verstehen. Aber einander an den Karren zu fahren, nur weil man etwas nicht gut findet oder nicht versteht, ist armselig. Und Frauen tun das leider viel öfter als Männer. Ich spreche aus Erfahrung: Die verletzendsten Sprüche, mit denen ich als berufstätige Mutter konfrontiert wurde, kamen fast immer von Frauen.

Was ich sagen will: Warum tun wir uns so schwer damit, einander gegenseitig zu unterstützen? Niemand MUSS Karriere machen oder Quotenfrau sein wollen (und nur so als Anmerkung: Männern ist es vollkommen Wurscht, wenn sie einer Frau mit gleichen Qualifikationen vorgezogen werden...) Dass die, die das wollen würden, nicht nur nicht auf die Unterstützung vom eigenen Geschlecht zählen dürfen, sondern sich auch noch ständig vor gerade diesem rechtfertigen müssen, ist für mich unverständlich.

Noch eine kleine Bemerkung am Rande: Ich weiss, dass «Frau» nicht automatisch gleich «Mutter» ist, und dass auch kinderlose Frauen noch immer nicht gleichberechtigt sind. Aber einer der Hauptgründe für fehlende Gleichberechtigung ist eben genau der, dass wir schwanger werden können. Oder es theoretisch könnten. Ob wir das irgendwann tun oder wollen oder nicht ist egal, ­ die «Gefahr» besteht eben. Und auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Ich finde die Frauenquote keine ideale Lösung. Aber irgendwo müssen wir anfangen.

Im Dossier: Alle Familienblogs von Sandra C.