Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Männer, kämpft für eure Rechte!

Am Mittwoch war Weltfrauentag. Alles redete von der Diskriminierung der Frauen. Dabei ging eines vergessen: Auch Männer werden diskriminiert. Und es ist an der Zeit, dass sie sich wehren, findet Familienbloggerin Sandra C.. Denn ohne den Kampf der Männer für ihre Rechte kommen wir Frauen im Kampf für unsere nicht weiter.
Vorsicht Männer, wenn die Frau spricht
© aupairmom.com

Klare Ansage: Männer müssen ebenso für ihre Rechte kämpfen wie Frauen.

Mein Facebook-Feed quoll über vor kämpferischen Posts für Frauenrechte. Und fast jedes Medium, das mir in den letzten Tagen unter die Augen kam - ob Print, Radio, TV oder online - widmete einen Artikel, eine Sendung, einen Kommentar, einen Blog oder gleich das ganze Blatt dem Thema Frauen und Gleichstellung. Dagegen gibt es natürlich nichts einzuwenden - ist ja auch immer wieder mein Thema. Aber irgendwie hinterlässt das alles einen etwas bitteren Nachgeschmack bei mir.

Erstens, weil es noch 364 andere Tage im Jahr gibt, an denen niemand die Vorreiterinnen und aktuellen Vertreterinnen des Feminismus ehrt und lobt. Zweitens, weil die meisten Medienfrauen, die ihre kämpferischen Artikel, Blogs und Kommentare in die Welt posaunten, dies schlussendlich im Auftrag eines männlichen Chefs taten - Frauen bekleiden in unserem Land knapp ein Drittel der Führungspositionen, und in den Medienhäusern sieht das nicht viel anders aus, im Gegenteil! Und drittens, weil ich die angeprangerten Ungerechtigkeiten seit Jahren lese: Lohnungleichheit, wenig Frauen in Führungspositionen, utopische Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Offenbar können wir reden, schreiben, prangern und pinke Kappen stricken, soviel wir wollen - wir tun es gegen eine Wand.

Dass Frauen noch vor fünfzig Jahren kein Stimmrecht hatten, scheint heute absurd. Ist es nicht genauso absurd, dass wir für den gleichen Job weniger verdienen als Männer gleichen Alters mit gleicher Ausbildung? Oder dass unsere Chancen auf einen Job in einer Führungsposition oder gar auf ein Mandat in einem Verwaltungsrat nicht mal halb so gross sind wie die eines Mannes? Oder dass viele von uns nach einem Mutterschaftsurlaub die Kündigung auf dem Schreibtisch liegen haben, obwohl wir zum gleichen Pensum weiterarbeiten wie davor? Wir haben das Problem zwar erkannt - trotzdem ändert sich nichts. Weder auf politischer, noch auf wirtschaftlicher oder gesellschaftlicher Ebene. Irgendwie scheinen wir an einem Punkt angekommen zu sein, an dem gerade nicht mehr viel geht. Das finde ich frustrierend.

Vielleicht sind wir aber auch an einem Punkt angekommen, an dem auch die Männer kämpfen sollten. Nicht für unsere Rechte, sondern für ihre. Denn genauso absurd wie die Lohn- und Chancenungleichheiten der Frauen im Job ist die Tatsache, dass Männer kein Recht auf Vaterschaftsurlaub haben in diesem Land. Oder dass ihre Chance auf einen Teilzeitjob offenbar noch kleiner ist als unsere auf eine Führungsposition (gerade mal gut 16 Prozent der Männer arbeiten Teilzeit, im Gegensatz zu etwa 59 Prozent Frauen). Diskriminierung passiert auf beide Seiten - auch wenn wir Frauen das manchmal nicht wahrhaben (wollen). Der «Wert» der Männer in der Familie wird genauso in Frage gestellt wie unserer im Job.

Es ist Zeit, liebe Männer, dass auch ihr kämpft. Für das Recht auf Vaterschaftsurlaub und Teilzeitstellen. Für eine bessere Position bei einer Trennung. Dass die Kinder bei einer solchen fast immer bei der Mutter bleiben - trotz gemeinsamen Sorgerechts -, ist nämlich ebenfalls absurd. Und dass viele Männer nach einer Trennung den Kontakt zu den eigenen Kindern fast oder ganz verlieren, ist himmeltraurig. Kämpft für familienfreundliche Arbeitszeiten. Und für die kleinen Dinge im Alltag, wie etwa Wickeltische auf Männertoiletten.

Der Kampf um Gleichberechtigung ist nicht nur ein Kampf von und für Frauen, das wird oft übersehen. Erst wenn die Männer auch für ihre Rechte kämpfen - und zwar richtig, nicht nur halbherzig -, haben wir alle eine Chance, endlich wieder einen Schritt vorwärts zu kommen.

Im Dossier: Alle Blogs von Sandra C.