Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Frühlingsgefühle

Der Frühling kommt. Und mit ihm der alljährliche Kampf um die Bikinifigur. Aus irgend einem Grund kann sich Sandra C. dem nicht entziehen - obwohl die Familienbloggerin findet, Diäten sollten nicht zu den Themen gehören, mit denen ihre vorpubertäre Tochter konfrontiert wird. Die sieht das Ganze zum Glück pragmatischer als sie selbst.
Themenbild Bikinifigur Diät Frühling
© iStockphoto

Raclette und Fondue haben bei Bloggerin Sandra Spuren hinterlassen - jetzt beginnt der Kilokampf für die Bikinifigur.

Es ist jedes Jahr das Gleiche: Immer, wenn im März das Thermometer erstmals einigermassen frühlingshafte Temperaturen anzeigt, steige ich in den Keller, um zu sehen, was sich da so alles an leichteren Klamotten tummelt. Und meistens stelle ich fest, dass Raclette und Fondue Chinoise einiges an Spuren hinterlassen haben und die sommerlich bunten Jeans nicht mehr ganz so bequem sind, wie ich sie in Erinnerung hatte. Und wieder einmal beginnt der Kilokampf.

Ich kaufe mir also «Fit for Fun», «Women's Health» und ein Paleo-Kochbuch - in dem es genau zweieinhalb Rezepte hat, die ich auch meinen Kindern vorsetzen kann. Nach zwei Wochen Fisch mit Broccoli, Poulet mit Salat und Gemüsesuppe hab auch ich keinen Bock mehr und verstaue das Buch hinten im Gestell. Also mal schauen, was die Fitness-Magazine so meinen. Low Carb, Paleo - alles Bullshit, sagt das erste. Der ultimative Tipp: Verzicht auf Milchprodukte. Puh - ganz schön hart für einen Milchkaffee-Junkie wie mich. Ich versuchs trotzdem. Am dritten Tag wechselt das Mädchen mir gegenüber im Zug verwirrt den Platz, nachdem ich wohl etwas zu sehr auf ihren Starbucks-Becher gestarrt habe. Verschämt prüfe ich nach, ob ich gesabbert habe, aber so schlimm wars dann glücklicherweise doch nicht. Am Bahnhof steuere ich direkt auf den ersten «Spettacolo» zu und kaufe mir einen grossen Latte Macchiato. Mit Magermilch. Fürs Gewissen.

Also doch wieder zurück zu Low Carb, wie es ein weiteres Magazin propagiert. «Warum isst du das komische Zeug?», fragt meine Tochter, als ich abends in Hüttenkäse und Avocado rumstochere. «Weil mir meine Kleider nicht mehr passen.» «Mir passen auch die Kleider nicht mehr», sagt sie und untersucht ihren Bauch. «Aber du wächst noch. Ich kann nicht mehr drauf hoffen, dass ich mich strecke.» Heikles Thema. Meine Tochter liebt nichts mehr als Süsses, was mich manchmal fast wahnsinnig macht. Ich hasse es, gefühlte hundert Mal am Tag Nein sagen zu müssen. Und eigentlich dachte ich immer, ich sei ein einigermassen gutes Vorbild in Sachen Fitness und Ernährung. Aber jetzt, wo ich so vor meinem Hüttenkäse sitze, neben mir eine kopfschüttelnde Zehnjährige, muss ich sagen: Eigentlich hat sie ja recht. Ich will ihr nicht das Gefühl geben, Schlanksein sei das ultimative Ziel im Leben einer Frau. Das hat sie auch nicht. «Darf ich ein Dessert?», fragt sie. Und ich? Schaue neidisch zu, wie sie ihr Schöggeli verputzt. Ja, ich weiss, zwei Kilo weniger machen mich nicht glücklicher. Aber die Shoppingtour, die ich mir als Belohnung gönne, schon. Aber das muss meine Tochter nicht wissen.

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