Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Meine Kinder und der Weg des geringsten Widerstandes

Die Kinder von Sandra C. haben viele Hobbys. Eine richtig grosse Leidenschaft hat keines von ihnen. Trotzdem sind beide überzeugt, dass sie irgendwann dank ihrer Talente reich und berühmt werden. Die Familienbloggerin findet das nicht so tragisch. Schliesslich hat sie selbst ihre Leidenschaft fürs Schreiben spät entdeckt. Die hat sie zwar weder reich noch berühmt gemacht, dafür glücklich. 
Hobbys für Kinder finden, Eishockey oder Ballett
© iStock

Die Kinder von Sandra C. haben viele Hobbys. Ballett und Eishockey gehören dazu.

Winterferien in den Bergen. Der Tagesablauf meines Sohnes sieht so aus: Morgens fährt er Ski, mittags Snowboard - oder umgekehrt - und am späteren Nachmittag spielt er Eishockey. «Schade macht er alles nur halb und nichts richtig», sagt mein Partner und Vater meiner Kinder, als wir beim Apéro darauf warten, unseren polysportiven Sohn vom Eisfeld abzuholen.

Für unsere Tochter gilt genau dasselbe. Sie nimmt Gesangs-, Tanz- und Klavierstunden, spielt Volleyball und Theater. Aber so richtig reinhängen mag sie sich nirgends. Ihren Text für Theateraufführungen lernt sie meist auf den letzten Drücker, Klavier übt sie etwa so gern, wie sie Hausaufgaben macht, und auch wenn sie sogar ab und zu einen eigenen Song komponiert, ist sie weit von einer richtigen musikalischen Leidenschaft entfernt. 

Trotzdem ist sie davon überzeugt, sie könnte die Musik eines Tages zu ihrem Beruf machen. Genauso wie mein Sohn davon überzeugt ist, irgendwann vom Fussballspielen leben zu können - zur Not ginge auch Eishockey, Ski- oder Snowboardfahren. Dies, nachdem seine letzte Meisterleistung darin bestand, während eines Fussballturniers der gegnerischen Mannschaft in der Garderobe Wasser in die Schuhe zu leeren, was zur Folge hatte, dass er für die nächsten beiden Turniere gesperrt ist. Das wiederum hatte zur Folge, dass ich mich sehr zusammenreissen musste, um nicht zu lachen, als ich ihm letztere Tatsache kundzutun hatte. 

Wenn sie denn schon so sehr von sich überzeugt seien, müssten sie sich doch richtig in das reinhängen, was sie machen möchten, findet ihr Vater. Find ich nicht. Leidenschaft kann man nicht erzwingen. «Aber wir als Eltern müssen ihnen doch sagen, dass das, was sie momentan tun, nicht reichen wird, um ihre Träume zu erfüllen.» - «Warum?» - «Weil sonst irgendwann der grosse Schock kommt für sie.» Ja. Und der wird heilsam sein. Man kann als Eltern nicht verhindern, dass die Kinder mal auf die Schnauze fallen. Und ich finde, man soll ihnen ihre Träume lassen. Auch wenn sie unrealistisch sind. Wenn Kinder nicht mehr träumen können - wer dann?

Meine Kinder müssen irgendwann Geld verdienen. Womit auch immer. Und wenn es soweit ist, werden sie merken, dass sie für Erfolg arbeiten müssen, egal, was sie machen, und egal, wie talentiert sie sind. Ausserdem kommt es vor, dass man seine Leidenschaft später entdeckt als mit zwölf oder zehn Jahren. So habe ich zwar immer gern geschrieben, als Teenager mal ein bisschen was für die Schülerzeitung oder ein Lokalblatt. Davon, meine gesamte Freizeit ins Schreiben zu investieren, war ich aber so weit entfernt, wie meine Tochter vom regelmässigen begeisterten Klavierüben. Trotzdem träumte ich von einem Job als Journalistin. Erst als ich tatsächlich eine Volontariats-Stelle bei einem kleinen Blatt bekam, fing ich an, mich richtig reinzuknien. Wer sagt, dass das bei meinen Kindern nicht auch so ist? Und wenn nicht - es gibt noch so viele Träume für sie. Manche erfüllen sich, andere nicht. Irgendwann, davon bin ich überzeugt, wird es etwas - oder jemanden - geben in ihrem Leben, wofür es sich zu kämpfen lohnt. Und bis dahin ist der Weg des geringsten Widerstandes vielleicht nicht unbedingt der Beste, aber sicher der Kräftesparendste. 

Im Dossier: Alle Beiträge von Familienbloggerin Sandra C.