Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Homeoffice, Teil 2: Von Kaffee und Kaninchen

Seit einiger Zeit arbeitet Sandra C. zu einem grossen Teil im Homeoffice. Und wird immer wieder gefragt, ob das denn nun tatsächlich so viel besser sei, als im Büro zu sitzen. Und ob sie überhaupt zum Arbeiten komme. Diese Frage kann die Familienbloggerin eindeutig mit Ja beantworten. Mehr als im Büro. Denn weder die Kinder noch die Kaninchen zeigen Interesse an Gossip und Kaffeeklatsch.
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© Getty Images

Ohne Kaffee und bequeme Klamotten geht bei Familienbloggerin Sandra C. im Homeoffice nichts.

Ich habe an dieser Stelle kürzlich ja schon mal über mein Homeoffice gebloggt. Beziehungsweise darüber, dass es, sobald meine Kinder zu Hause sind, wahlweise zum Indoor­-Skatepark oder zur Backstube mutiert. Nun werde ich immer öfter gefragt, was sich denn eigentlich konkret geändert hat, seit ich mehr zu Hause arbeite als im Büro. Ich habe mir das also gründlich überlegt, und versuche, mal ein paar Dinge zusammenzutragen: 

  • Ich verbringe viel mehr Zeit im Pyjama. Oder wahlweise in Sportklamotten. Und in Ugg­-Boots. Gut, das ist vielleicht auch eine Frage des Alters. Früher hätte ich mich niemals im Trainer in der Migros gezeigt. Heute ist mir das piepegal. Wenn die halbe Stunde beim Detailhändler meines Vertrauens die einzige ist, die ich ausser Haus verbringe, lohnt es sich nicht, sich dafür aufzubrezeln. Ausserdem hab ich beim Einkaufen schon Schlimmeres gesehen als Leute in Sportklamotten. 
     
  • Mein Kaffee­-Konsum hat ein Mass erreicht, das nicht mehr gesund sein kann. Was umso erstaunlicher ist, als dass ich mit niemandem mehr Kaffee­-Pause machen kann. Aber da ich eben auch keine Gründe mehr habe für Pausen, muss ich mir welche suchen. Gut, ich könnte die Abwaschmaschine einräumen oder die Waschmaschine anschmeissen. Aber das geht auch nicht zwölf Mal pro Tag. Die Kaffeemaschine anlassen hingegen schon. (Ich habe übrigens während der ersten paar Homeoffice-­Tage den gesamten Vorrat an Chips, Schokolade und Prosecco vernichtet. Seither hab ich nichts davon mehr im Haus. Aber ganz ohne Kaffee geht nicht. Auch wenn dann niemand ausser ich selbst ­- und meine Familie - meine schlechte Laune ertragen muss.) 
     
  • Ich spreche mit Kaninchen. Auch wenn ihre Antwort meist ein verständnisloser Blick ist, bevor sie verschwinden. Aber das bin ich mir von den Kindern her gewohnt. Und von gewissen Arbeitskollegen auch.
     
  • Ich koche mehr. Das heisst, ich schmeisse mehr Pasta ins Wasser und wärme mehr Fertigsauce. Denn wenn ich mittags «richtig» kochen muss, ist der halbe Vor-­ und der halbe Nachmittag futsch. Ausserdem reicht es, wenn die Kinder einmal am Tag übers Essen motzen. Dabei hab ich kürzlich entdeckt, dass ein lokales Geschäft Mittagsmenüs verkauft, die wie selbst gekocht aussehen. Letzthin gabs Geschnetzeltes mit Spätzli und Gemüse, schön auf den eigenen Tellern angerichtet. Sie fanden, ich habe ausnahmsweise mal echt lecker gekocht!
     
  • Ich habe neue Bekanntschaften gemacht. Ich weiss jetzt, wie unser Pöstler aussieht. Und die Frau von den Zeugen Jehovas. Sie hat in mir gleich ein potentielles Opfer gewittert. Aber noch bin ich nicht so verzweifelt, dass ich mir für ein paar Minuten Live­-Konversation mit einer erwachsenen Person weiss ich was aufschwatzen lasse. (Ihr seid elf Jahre zu spät dran, liebe Zeugen Jehovas, während meines ersten Mutterschaftsurlaubs wären die Chancen vielleicht gar nicht so schlecht gewesen...)
     
  • Meine Kinder haben tatsächlich Mitleid mit mir. Da meine Arbeit öfter wegen Taxi­-Diensten, Hausaufgabenhilfe und Zubereiten von diversen Mahlzeiten unterbrochen wird, mache ich halt dann weiter, wenn sie abends TV schauen dürfen oder ins Bett gehen. Wenn ich dann wieder den Computer anschmeisse, können sie erstaunlich mitfühlend sein. Meistens fragen sie direkt nach dem Äussern ihres Mitgefühls, ob sie noch Schokolade haben dürfen, auch wenn die Zähne schon geputzt sind. (Pech gehabt, wir haben keine mehr im Haus, und das ist nicht mal gelogen!)

Nun, damit ihr jetzt nicht alle auch in Mitleid versinkt: Doch, ich habe noch Kontakt zu anderen Erwachsenen, sowohl beruflich als auch privat. Es ist ein riesiges Privileg, dass ich mich beim Organisieren im Job den Kindern und der Familie anpassen kann, und nicht umgekehrt. Ich weiss das zu schätzen, wirklich. Und jetzt mach ich mir einen Kaffee und schaue nach den Kaninchen...

Im Dossier: Alle «Der ganz normale Wahnsinn»-Beiträge von Sandra C.