Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

«Ich bin dein Sparschwein»

Als Journalistin behauptet Familienbloggerin Sandra C. von sich, rhetorisch nicht ganz untalentiert zu sein. Und merkt dabei täglich: Ihr Nachwuchs ist schon jetzt viel besser, als sie es jemals sein wird.
Freches und vorlautes Mädchen Verkleidung
© Getty Images

«Ich bin dein Sparschwein», sagte kürzlich die Tochter zu Bloggerin Sandra C. Ich: «Ah ja?» Sie: «Ja - in mir steckt dein Geld!»

Klar, Texten ist Geschmackssache. Was ich gut und/oder lustig finde, findet ein anderer vielleicht zum Heulen. Trotzdem gibt es für mich ein paar goldene Regeln, die es nach Möglichkeit einzuhalten gilt. Und die ich als Textchefin auch «meinen» Schreibern ans Herz lege:

- Seid ehrlich.
- Haltet euch kurz.
- Redet nicht um den heissen Brei herum, sondern kommt auf den Punkt.
- Stellt die richtigen Fragen.
- Wortspiele? Gern, aber sie müssen passen. 
- Beobachtet scharfsinnig, überlegt gut.
- Setzt Wörter richtig ein - vor allem Fremdwörter.

Nun, mein Nachwuchs ist zwar, was das Schreiben anbelangt, noch auf dem Niveau der Schuldiktate. Aber was sie gelegentlich zum Besten geben, lässt mich befürchten, dass ich ihnen bald schon unterlegen sein werde, was all meine goldenen Regeln angeht. Das fing schon an, als sie ganz klein waren. «Was macht denn dein Brüderchen den ganzen Tag?», wurde meine Tochter kurz nach der Geburt ihres Bruders gefragt. «Kotzen!» sagte die damals knapp Zweijährige nonchalant. Was soll ich sagen? Ehrlich, kurz, auf den Punkt. Auch das mit den richtigen Fragen hatte sie bereits drauf, als ihr Bruder noch ein Baby war: «Warum hat der eigentlich Beine, wenn er gar nicht laufen kann?» Und mir zeigten sie auch schon im zarten Kleinkind-Alter auf, wie oft ich die falschen Fragen stelle - oder eben dann Fragen stelle, wenn es gar nicht angebracht ist. Zum Beispiel, als ich meinen damals zweijährigen Sohn darum bat, sich doch bitte in die Badewanne zu begeben. Er: «Nein.» Ich: «Was heisst Nein?» Er: «Nein heisst Nein.» Um dann nach kurzem Überlegen hinzuzufügen: «Nein, danke!» Ansonsten zeigen sie einem auch sehr gern auf, was wir den ganzen Tag für Blödsinn rauslassen. So sagte ich entnervt zu meiner damals Vierjährigen: «Ich mag dich nicht mehr immer mit diesem Nuggi im Gesicht anschauen!» Darauf sie: «Dann schau halt weg!» Und als seine Urgrossmutter zu meinem Sohn sagte «Du bist ja ein richtiger Bub geworden!», fragte der leicht irritiert: «Ja, war ich vorher ein Mädchen?»

Was Wortspiele angeht, staune ich immer wieder über meine Tochter. Unglaublich, wie sie mit ihren neun Jahren schon Worte im Kopf jongliert - auch wenn das Ganze meist auf meine Kosten geht: «Mami, du bisch chli ä Schüchi.» Ich, erstaunt: «Ich, ä Schüchi?» Sie: «Ja - ä Vogelschüchi!» Gut, manchmal könnte ich auf ihren Wortwitz verzichten... Aber auch in Sachen Scharfsinn macht ihr niemand so schnell etwas vor. «Ich bin dein Sparschwein», sagte sie kürzlich. Ich: «Ah ja?» Sie: «Ja - in mir steckt dein Geld!» Bingo! Kurz, auf den Punkt, scharfsinnig. Und so was von ehrlich! Mein Sohn ist da noch nicht ganz so weit, muss ich zugeben. Vor einiger Zeit, wir waren in den Ferien, sass er am Strand und schaute zehn Minuten lang sehr nachdenklich aufs Meer. Ich beobachtete ihn, in der Hoffnung, jede Minute eine unglaublich durchdachte Frage aus seinem Mund zu hören, eine wahnsinnig scharfsinnige Bemerkung - schlicht, etwas rhetorisch Grandioses! «Gell», sagte er. Ich hielt den Atem an. «Elefanten können nicht in der Nase bohren, sonst brechen sie den Rüssel.» Hm - na ja, immerhin hat er sich das wirklich gut überlegt. Auch das mit dem richtigen Einsetzen von Wörtern müssen wir noch etwas üben. So verkündete er zum Beispiel frohgemut, wir gehen jetzt Ski klauen (er meinte mieten) oder fragte morgens, wo denn seine Kollegen seien (er meinte Klamotten). Da ist ihm seine Schwester mal wieder mehr als einen Schritt voraus. Sie fragte mich letzthin, was «sympathisch» bedeutet. Ich erklärte ihr, das sei, wenn man jemanden nett finde. Am gleichen Tag beim Abendessen, sie stocherte auf ihrem Teller herum. «Entweder du isst das Gemüse oder den Salat», sagte ich zu ihr. Darauf sie: «Weisch - mängisch bisch richtig unsympathisch!» Tja, was soll ich da noch sagen? Ehrlich, kurz, auf den Punkt gebracht, gut überlegt und total richtig eingesetzt. Rhetorisch grossartig. Aber sie bleibt trotzdem an diesem Tisch sitzen, bis das Grünzeug gegessen ist! 

Weitere «Der ganz normale Wahnsinn»-Blogs finden Sie im SI-online-Dossier.