Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Ich bin wie meine Mutter!

Wir kennen das alle: Als Kinder schwören wir uns, niemals so zu werden wie unsere Eltern. Den meisten von uns gelingt das nicht. Auch Familienbloggerin Sandra C. bildet da keine Ausnahme.

Richtig bewusst wurde es mir erst vergangene Woche. Meine Tochter hockte schon eine gefühlte Ewigkeit an den Hausaufgaben. «Wie viel gibt vier Mal fünf?» - «Das musst du wissen, es sind deine Hausaufgaben.» - «Ich weiss es aber nicht.» - «Doch, du weisst es.» - «Neiiiin, es ist viel zu schwierig. Und ich habe keine Lust mehr.» - «Jetzt komm schon, du machst die Hausaufgaben für dich selbst, nicht für mich.» Päng! Irgendwie war er mir jetzt also rausgerutscht, dieser Satz, den ich so sehr hasste als Kind. Wie konnte das nur passieren?

Dabei weiss ich genau: Für eine Achtjährige macht dieser Satz null Sinn. Wenn sie nämlich jetzt, in diesem Moment, tatsächlich etwas für sich selbst machen würde und nicht für mich, wären das mit Sicherheit nicht ihre Hausaufgaben. Und ob sie in Zukunft die Fünferreihe beherrscht, ist ihr heute herzlich egal. Aber als Mutter bist du irgendwann einfach echt am Ende mit deinem Latein. Und was machst du dann? Du greifst auf die guten alten Weisheiten deiner Eltern zurück. Obwohl du weisst, dass sie in dem Moment rein gar nichts bringen. 

Den Klassiker meines Vaters habe ich mir bisher verkniffen: «Solange du die Füsse unter meinem Tisch hast, bestimme ich, nicht du!» Meine Version ist ein bisschen weniger hart, finde ich: «Ich bin deine Mutter, du bist mein Kind, darum bestimme ich.» Dabei macht das vermutlich für die Kinder noch weniger Sinn als der Spruch mit dem Tisch - der beinhaltet immerhin das bisschen Logik, dass man sich als Kind keinen eigenen Tisch leisten könnte und daher rein finanziell abhängig ist von seinen Eltern (wenn denn ein sehr cleveres Kind tatsächlich so denken würde). Aber warum ICH über IHR Leben bestimmen sollte, nur weil ich ein paar Jahre älter bin, erschliesst sich ihnen ja nicht gezwungenermassen. Zumal ich ihnen auf der anderen Seite immer wieder einhämmere, dass sie selbst für ihr Zeugs verantwortlich sind. Oder dass man etwas nicht nur deshalb tun oder lassen soll, weil es ihre Freunde tun oder lassen. Kurz: Dass auch Kinder durchaus in der Lage sind, selbst zu bestimmen. Und dann komm ich plötzlich mit so einem blöden Satz. Der hat vermutlich ein Riesenpotenzial dafür, irgendwann auf ihrer «Geht überhaupt nicht»-Liste zu landen.

Ganz toll fand ich auch immer «Das wirst du später mal bereuen». Egal, ob es darum ging, ein Instrument zu spielen oder ein Schulfach auszuwählen. Du meine Güte, was interessierte mich später? Ich hatte eh das Gefühl, so alt wie meine Eltern würde ich gar nie werden! 

Nun, heute bin ich älter als meine Mutter damals. Und ich bin genau so geworden wie sie. Na ja, so übel ist das doch gar nicht. Ganz subjektiv finde ich nämlich, meiner Tochter kann Schlimmeres passieren, als genau so zu werden wie ihre Mutter. 

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