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Der ganz normale Wahnsinn

Wie bringt Sandra C. Kids und Job unter einen Hut? Easy! Oder doch nicht?

Ich, einfach unverbesserlich

Manchmal denkt Sandra C., dass Leute wie sie eigentlich keine Kinder haben sollten. Die Familienbloggerin ist leicht chaotisch – um es mal nett auszudrücken. Und sehr dankbar dafür, dass ihre Kinder ihr das immer wieder verzeihen.

Letzthin war wieder so ein Moment, in dem es mir unendlich leid für meine Kinder tat, dass das Schicksal ihnen ausgerechnet mich als Mutter angetan hat. Ich bin wohl eines der schusseligsten Wesen Nordeuropas. Ich laufe ständig gegen Tische, verbrenne mich an Ofen oder Herd, verliere Dinge, die erst Tage später wieder auftauchen, vergesse Kleinigkeiten und tauche auch mal zur falschen Zeit am richtigen Ort auf oder umgekehrt (Typisch für mich: „Wir treffen uns um 14 Uhr“, in meinem Kopf wird aus 14 Uhr 4 Uhr und ich notiere mir 16 Uhr).

Das wäre alles nicht so tragisch, wenn es nur mich betreffen würde. Aber öfter mal leiden eben auch meine armen Kinder drunter. Dass ich zur falschen Zeit zum Elternabend erscheine, kriegen sie nicht wirklich mit. Aber wenn ich sie am falschen Ort zur HipHop-Stunde abliefere, weil ich das entsprechende Mail nicht richtig gelesen habe, finden sie das schon eher doof. Zum Glück organisiert sich meine Tochter mittlerweile grösstenteils selbst – vermutlich auch deswegen, weil sie weiss, dass sie das besser im Griff hat als ich.

Ich kann aber auch in Situationen abfucken, in denen ich eigentlich so richtig fürsorglich bin – oder sein will. Zum Beispiel wenn ich die Kinder am Strand herzitiere, um sie einzucremen. Und vergesse, dass ihre Beine auch eine Rückseite haben. Und auch nicht daran denke, als meine Tochter eine Stunde lang unter der Sonne im Sand schläft – auf dem Bauch.

Ich sehe die Rabenmutter-Liste vor mir

Oder eben neulich. Mein Sohn hatte Velo-Prüfung in der Schule, wir waren natürlich morgens wieder viel zu spät dran, also luden wir das Fahrrad ins Auto und ich würde ihn zur Schule fahren. Zumindest war das der Plan. Ich öffnete das Auto, lud mit Ach und Krach und fluchend dieses Velo hinein – und hatte keine Ahnung mehr, wo ich diesen blöden Autoschlüssel hingeschmissen hatte. Ich suchte und suchte und suchte und suchte. Nichts. Ich lud das Velo wieder aus und sagte meinem Sohn, er müsse halt mit dem Rad fahren – wohl wissend, dass er viel zu spät kam.

Da trampelte er los, so schnell er konnte, den Tränen nahe. In solchen Momenten hasse ich niemanden sonst auf der Welt so sehr wie mich selbst. Ich hasse mich dafür, dass ich mich selbst meinen Kindern antue. Dass sie leiden, weil ich bin, wie ich bin. Und sehe die Rabenmutter-Liste vor mir, die in meinem Kopf existiert, und die immer länger wird.

Ich hoffe, dass ich mich irgendwann ändere

Dass ich sehr, sehr, sehr, sehr weit weg bin von einer perfeken Mutter, weiss ich. Oft bezweifle ich aber auch, dass ich eine halbwegs gute Mutter bin. Aber ich bin meinen Kindern unendlich dankbar dafür, dass sie mir das sagen. Nicht in diesen Worten. Aber indem sie mir Dinge anvertrauen, von denen ich glaube, dass sie nicht selbtsverständlich sind, dass man sie der Mutter erzählt. Und indem sie meine Schwächen zu Stärken machen. Ich bin ein Kindskopf, ich weiss. Aber welche Mutter springt schon gefühlte Stunden mit ihren Kids auf dem Trampolin rum und lässt sich auf jede erdenkliche Bahn im Europapark schleppen?

Und welche Mutter hat so viel Verständnis für ein Kind, das dauernd Sachen liegen lässt und nicht mitkriegt, was es eigentlich machen sollte? Obwohl sie sich extrem darüber aufregt – wohl wissend, dass man sich über die Dinge an anderen am meisten ärgert, die einem einen Spiegel vorhalten? Trotzdem hoffe ich immer noch, dass ich mich irgendwann ändere. Und nehme mir immer wieder vor, mir zu merken, wo ich die Dinge hinlege. Ach ja, den Autoschlüssel habe ich gefunden, mehr oder weniger direkt nachdem mein Sohn losgefahren ist. Er lag auf dem Autodach.

 Meinen Laptop habe ich im Flieger gelassen

Übrigens: Ich habe diesen Text im Flugzeug geschrieben. Und danach meinen Laptop im Flieger gelassen. Zum Glück habe ich ihn wiederbekommen. Und hab mir mal wieder geschworen, in Zukunft besser aufzupassen. Bis zum nächsten Mal.