Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Das war 2015

Wieder ist ein Jahr vorbei. Es war kein einfaches - weder für die Welt noch für Sandra C. Für die Familienbloggerin stand 2015 im Zeichen einer grossen Veränderung. Aber nicht ihrer eigenen, wie sie anfangs des Jahres gedacht hatte.
Themenbild Jahresrückblick 2015
© iStockphoto

Sandra C. schaut aufs alte Jahr zurück - und freut sich auf 2016.

Ich erinnere mich gut an den Neujahrsmorgen 2015. Das Jahr, das vor mir lag, würde ein entscheidendes werden, das ahnte ich. Schliesslich war es das Jahr, in dem ich vierzig wurde. Und gut zwei Jahre zuvor hatte ich mir selbst bis zu diesem Meilenstein im Leben Zeit gegeben, mich zu entscheiden, wie ich beruflich weitermachen wollte. Ich wusste: Dieses Jahr muss etwas gehen. Auch wenn ich damals, im Januar, noch keinen Plan hatte, was.

Und jetzt ist es schon wieder vorbei, dieses Jahr 2015. Vor ein paar Tagen war ich mit meinen Kindern Schlittschuhlaufen. Ich stand am Rand des Eisfeldes und suchte meine Tochter, die ich aus den Augen verloren hatte. Konzentriert suchte ich das Gewimmel nach einem kleinen Mädchen mit weisser Mütze ab. Doch die einzige Person, die eine weisse Mütze trug, war eine junge Frau mit langen Beinen, einer beeindruckenden Taille und einer recht eleganten Haltung auf den Schlittschuhen. Grinsend stoppte sie vor mir. Und nach einem Augenblick der Verblüffung, realisierte ich: 2015 hat mich ein Jahr älter gemacht und die berufliche Weiterentwicklung gebracht, die ich mir gewünscht hatte. Damit, dass dies nicht die grosse Veränderung sein würde, welche das Jahr prägt, hätte ich am Anfang desselben niemals gerechnet. Und jetzt stand sie vor mir, mit einer weissen Mütze auf dem Kopf. 2015 hat aus meinem kleinen Mädchen eine junge Dame gemacht.

Mit einer Mischung aus Schaudern und Stolz blicke ich zurück auf diesen Frühling, als es erstmals wie ein Wirbelsturm über uns hereinbrach. Ich hatte damit gerechnet, dass die Pubertät irgendwann einsetzt. Dass das sozusagen über Nacht der Fall war, hat mich ziemlich überfordert. Ich hatte eher an einen schleichenden Prozess gedacht, der uns allen Zeit gab, uns an gewisse Dinge zu gewöhnen. Aber so, wie die Pickel auf der Stirn eines Morgens plötzlich da waren, waren es auch die Null-Bock-auf-nichts-Attitüde und die ständige schlechte Laune. Aus einem schulischen Selbstläufer wurde ein Teenager, der die Hausaufgaben nicht mehr machte - und wenn, dann schlampig - und Mathe so sehr hasste, dass sie irgendwann ganz den Faden verlor.

Das Schlimmste war aber die immense Traurigkeit, die sie immer wieder überfiel. Dass diese total grundlos war, machte es nicht besser. Im Gegenteil. Den Höhepunkt erreichten wir bei einem Waldspaziergang irgendwann im April. Mit völlig leerem Blick sagte sie aus dem Blauen heraus: «Ich will nicht mehr leben. Wenn ich sterbe, seid ihr mich endlich los.» Da war der Punkt erreicht, an dem ich nicht mehr konnte. Ich brach in Tränen aus und schüttelte sie: «Du kannst mich anschreien so oft du willst. Aber so etwas darfst du nie, nie, nie, nie, nie mehr sagen!»

Nun, das Schöne an Tiefpunkten ist ja, dass es danach bergauf geht. Schritt für Schritt kriegten wir uns und unseren Alltag wieder in den Griff. Wir mussten uns neu organisieren, neue Grenzen ziehen, andere Regeln einführen. Wir mussten alle das kleine Mädchen loslassen und das grosse willkommen heissen. Ich glaube, es ist uns bis jetzt ganz gut gelungen. Zu meiner Erleichterung ist aus dem fröhlichen kleinen Mädchen ein fröhliches grosses Mädchen geworden (und sogar die Mathe-Noten sind wieder akzeptabel). Ich weiss, dass der Wirbelsturm jederzeit wieder über uns hereinbrechen kann. Aber beim nächsten Mal bin ich vielleicht etwas besser gewappnet.

2015 war ein schwieriges Jahr. Aber auch ein schönes. Eines, in dem ich sehr viel gelernt habe. 2016 kann kommen. Ich bin bereit.

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