Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Meine lieben Kinder…

Die eigenen Kinder bestehen ja mindestens zur Hälfte aus den Genen, die man auch in sich trägt. Und man sollte meinen, man kennt sie in- und auswendig, versteht sie blind, kann nachvollziehen, wie sie denken, fühlen, handeln. Aber je älter ihre Kids werden, desto öfter macht sich bei Familienbloggerin Sandra C. Ratlosigkeit breit.
Themenbild Frau Fragezeichen
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Fragezeichen: Familienbloggerin Sandra C. versteht ihre Kinder je länger je öfter nicht mehr.

...ich liebe euch über alles. Ihr seid das Grossartigste, was mir je passiert ist. Ich bin unendlich stolz auf euch. Aber es gibt sie inzwischen je länger je häufiger, diese Momente, in denen ich mich echt hinterfrage. Denn: Ich verstehe euch einfach nicht! Es sind ganz kleine, alltäglich Dinge. Manchmal kann ich darüber lachen, und manchmal machen sie mich fast wahnsinnig. Liebe Kinder, ich kapiere nicht...

...dass man seine dreckigen Klamotten IMMER direkt neben dem Wäschekorb auf den Boden schmeisst. Ein paar Zentimeter weiter nach rechts oder links, und die Sachen wären IM Korb. Das kann doch nicht so schwer sein. Mit dem Zielen auf dem Klo klappt das ja mittlerweile auch, geliebter Sohnemann. Das mit den Klamotten ist echt nicht schwieriger.

...dass man den ganzen Sommer im See und den halben Winter im Hallenbad verbringt, aber die Dusche meidet wie der Teufel das Weihwasser. Das ist auch nur Wasser, auch wenns von oben kommt! Und wenn man den Kopf nach hinten kippt, kriegt man auch kein Shampoo in die Augen. Überhaupt finde ich, es gibt kaum ein unangenehmeres Gefühl, als dreckige, fettige Haare zu haben. Euch stört das nicht im Geringsten. Und nein, wenn man im Regen nach Hause gelaufen ist, ist das kein Ersatz fürs Haarwaschen!

...dass man sich durch künstliches Aufregen seine eigene Freizeit verkürzt. Die Hausaufgaben werden gemacht, Punkt. Und wenn man zuvor eine halbe Stunde lang rumheult und Sachen rumschmeisst, weil der Bleistift nicht gespitzt ist, ist man eine halbe Stunde später fertig. Das muss doch auch irgendwann in einen neunjährigen Kopf reingehen! (Wenigstens registiert der elfjährige Kopf so langsam, dass man tatsächlich bessere Noten schreibt, wenn man vorher übt.)

...dass ihr mich tatsächlich dazu gebracht habt, den Satz zu sagen, von dem ich glaubte, er käme nie aus meinem Mund: «So gehst du nicht aus dem Haus!» Ich verstehe ja, dass es unter euch einen gewissen Dresscode gibt. Und fürs Eisfeld sind schwarze Adidas-Trainerhosen vollkommen ok. Für die Turnhalle auch. Und damit hat sichs dann! Und wenn wir schon bei dem Thema sind: Ich weiss, ihr findet mich kleinlich, aber es gibt kaum etwas, was mich mehr nervt, als euch die teure Jacke zu kaufen, die ihr UNBEDINGT haben musstet, und dann zieht ihr sie nie an «weil die Ärmel zu eng sind».

...dass man innerhalb von fünf Tagen vier Mützen verlieren kann. Gut, die, welche beim Eisfeld verloren ging, wurde vermutlich geklaut, aber ihr sollt die Dinger ja auch tragen und nicht in der Garderobe liegen lassen. Die restlichen drei tummeln sich wahrscheinlich irgendwo in der Fundgrube der Schule, und ich habe echt keine Lust, mich da durchzuwühlen. Ja, ich weiss, ich hab kürzlich auch vergessen, euch die Turnschuhe einzupacken. Aber das habe ich längst wieder gut gemacht - als ich frühmorgens in Pyjamahosen über den Pausenplatz ging, um euch die vergessene Turntasche zu bringen!

...dass ihr jeden Anstand vergesst, wenn es um eure Handys geht. Ich hasse es, wenn ihr in einem Lokal nach dem WLAN-Code fragt, noch bevor wir uns hingesetzt haben. Klar ist es eine Option, euch das Handy wegzunehmen. Aber dann den ganzen Abend lang in eure - Entschuldigung - angepissten Gesichter zu schauen ist auch nicht gerade das Gelbe vom Ei.

...dass es euch nervt, wenn man euch helfen will. Ich weiss ja, dass ihr grundsätzlich alles besser wisst als ich (das gilt vor allem für einen von euch...), aber wisst ihr, manchmal hab ich eben wirklich recht. Ich weiss schon, warum ich euch sage, ihr sollt die Kaninchen nicht aus ihren Häuschen holen. Hermine hat dich nicht gebissen, weil sie dich nicht mehr gern hat, mein Sohn, sondern weil sie dich nicht gesehen hat da drin und erschrocken ist. (Und wenn wir schon beim Thema Kaninchen sind...ach was, lassen wir das, ich hab ja gar nie erwartet, dass ihr mir beim Ausmisten des Käfigs MEINER Hasen helft.)

...dass man sich regelmässig für das ärmste Kind Europas hält, obwohl einem täglich auch im eigenen Umfeld bewusst werden muss, dass man das nicht ist. Na ja, gut, das verstehe ich, irgendwie. Ich halte mich auch ab und zu für die ärmste Mutter Europas, weil alle anderen Kinder ganz sicher ihre dreckigen Sachen IN den Wäschekorb schmeissen, täglich freiwillig duschen und mit Freude und ohne Gemecker ihre Hausaufgaben erledigen. Aber die haben vielleicht andere Macken. Und so unverständlich mir eure auch sind - so langsam lerne ich, mit ihnen umzugehen. Ach, und falls ihr heute Abend eure Handys sucht - die kriegt ihr, wenn die Haare gewaschen und die Hausaufgaben erledigt sind!

Im Dossier: Alle Familienblogs von Sandra C.