Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Kranke Kinder, panische Mutter!

Unentspannte Eltern sind für Sandra C. ein Graus. Dabei gibt es eine Situation, in der die Familienbloggerin selbst alles andere als entspannt ist: Wenn ihre Kinder krank sind. Während sie selbst erst zum Arzt geht, wenn sie vor Schmerzen kaum mehr schlafen kann, würde sie ihren Nachwuchs am liebsten schon beim ersten Husten in die Notfallaufnahme schleppen.
Krankes Kind Arbeitsrecht Schweiz Blog Familienblog Sandra C.
© Getty Images

Auch wenn die Kinder sagen können, wo es weh tut, macht sich Sandra C. Sorgen.

Es ist für Baby- und Kleinkind-Eltern das Schlimmste überhaupt: Das arme Würmchen ist krank, fiebrig, jammert, weint, hat offensichtlich Schmerzen. Wenn man nur wüsste, wo. «Wenn du nur sagen könntest, wos dir wehtut!» Ein Satz, seufzend und mitleidend ausgesprochen von Millionen Eltern von kleinen Kindern in der ganzen Welt. Auch von mir, vor Jahren. Damals ahnte ich noch nicht: Wenn sie sagen können, wos ihnen weh tut, machts das nur noch schlimmer!

Kürzlich haben meine beiden Kinder beschlossen, gemeinsam krank zu werden. In den Frühlingsferien. Zuerst erwischt es meinen Sohn. Er ist so glühend heiss von Kopf bis Fuss, dass man ein Steak auf ihm brutzeln könnte. Und er klagt über Kopfweh. Kinder haben keine Kopfschmerzen. Ihnen tut der Bauch weh, der Magen, der Hals. Aber niemals der Kopf. Oh mein Gott. Oh. Mein. Gott. Wir müssen das sofort abklären. Er hat einen Hirntumor. Schon lange. Und ich habs nicht bemerkt. Und wenn wir nicht sofort in den Notfall gehen, stirbt er. Ich versuche, ihn aufzuwecken, den Tränen nahe. «Lass das arme Kind doch schlafen, das tut ihm gut», meint sein Vater. «Wir müssen zum Arzt. Er hat einen Hirntumor.» - «Er hat keinen Hirntumor. Er hat Fieber.» - «Er hat Kopfschmerzen.» - «Eben - er hat Fieber. Und dagegen hilft am besten, wenn er viel schläft.»

Am Tag danach klagt auch meine Tochter über Kopfschmerzen. Da auch sie Fieber hat, gehe ich mittlerweile nicht mehr von einem Hirntumor aus. Den Abend verbringt sie über der Kloschüssel und kotzt sich die Seele aus dem Leib. Ich halte ihr die Haare zurück und heule mehr als sie. Was sicherlich extrem hilfreich ist für sie - not! Die folgende Nacht ist schlimmer als zu besten Kleinkind-Zeiten - jede Stunde weckt mich eines der Kinder auf. Verstopfte Nase, Bauchweh, Halsweh, kann nicht schlafen. Früher hat man das kleine Wesen herumgetragen und gewartet, bis es vor Erschöpfung eingeschlafen ist. Heute bringe ich Wasser, Tee, Hustensirup, nasse Waschlappen - und fühle mich wie die schlechteste Mutter der Welt, weil ich nicht mehr für sie tun kann, obwohl sie mir sagen können, was ihnen fehlt. Der Blick in den Spiegel am nächsten Morgen ist der pure Horror. Wie hab ich das früher bloss nächtelang hingekriegt? Na ja, früher war ich auch gut zehn Jahre jünger…

Viel schlimmer: Meine Kinder sehen auch nicht viel besser aus als ich. Bleich wie Leintücher husten und schnudern sie vor sich hin. Bis am Nachmittag hat keines von ihnen etwas gegessen. Ich spüre wieder Panik in mir aufsteigen. Kinder, die nicht essen - beziehungsweise MEINE Kinder, die nicht essen - sind todkrank! Magenkrebs. Magendurchbruch. Magenirgendwas. Notfall! Der Blick des Vaters meiner Kinder, lässt mich zwar vermuten, dass er mich für kränker hält als unseren Nachwuchs - trotzdem hält er es zum jetzigen Zeitpunkt für angebracht, für den nächsten Morgen einen Termin beim Kinderarzt zu vereinbaren.

Am Tag drauf hat mein Sohn längst kein Fieber mehr und drei Schüsseln Cornflakes zum Zmorge verschlungen. Weder er noch der Kinderarzt wissen, was er in dieser Praxis eigentlich zu suchen hat. Meine Tochter ist immer noch erkältet, hat aber weder hohes Fieber noch Bakterien im Blut. «Na also», meine ich auf dem Nachhauseweg einigermassen erleichtert. «Wir habens mehr oder weniger überstanden. Das haben wir doch gut hingekriegt.» Meine Tochter zieht eine Augenbraue hoch und meint: «Wir?»

Also gut, ich gebs zu, ich habe vielleicht ein bisschen überreagiert in gewissen Situationen. Kommt nicht mehr vor, ich versprechs. Bis zum nächsten Mal.

Im Dossier: Alle Familienblogs von Sandra C.