Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Frau spielt Fussball, Mann shoppt Schuhe

Familienbloggerin Sandra C. freut sich darüber, dass ihre Tochter so gar nichts vom typisch weiblichen Rollenverständnis zu halten scheint. Leider hat sie ihren Sohn noch nicht ganz so weit.
Blog Sandra C. Fussballschuhe
© SI Online

Die Fussballschuhe gehören nicht dem Sohn von Familienbloggerin Sandra C. - sondern ihrer Tochter.

Jemand hat meiner Tochter mal vom «Tag der Frau» erzählt. Sie fragte mich, wofür der sei. Ich antwortete ihr, um sich zu bewusst zu machen, was wir Frauen alles leisten. Darauf sie, wie aus der Pistole geschossen: «Du meinst Schminken?» Ich war erschüttert. Das ist zum Glück schon eine Weile her.

Zeiten ändern sich. Offensichtlich auch im Kopf meiner Kinder. Gestern beim Abendessen fand folgende Diskussion statt. Mein Sohn: «Wenn du mal gross bist, kannst du doch den Samichlaus heiraten.» (Weiss der Himmel, wie er darauf kam…) Darauf seine Schwester: «Spinnsch? Ich kleb mir doch keinen Bart an und renne von Haus zu Haus in Klamotten, die mich fett machen!» Er: «Das macht doch der Chlaus. Frau Samichlaus bleibt zu Hause und kocht.» Und sie: «Spinnsch? Ich kann nicht kochen - und ich kanns auch nicht, wenn ich erwachsen bin!» Was für eine Ansage! Auch wenn ich gerade nicht weiss, ob ich stolz sein soll auf das weibliche Rollenverständnis meiner Tochter - oder erschüttert über das meines Sohnes. 

Ich habe mich immer bemüht, meinen Kindern keine stereotypen Rollenbilder aufs Auge zu drücken. Trotzdem waren sie immer recht typisch für ihr Geschlecht. Meine Tochter zeichnet und tanzt gern und spielt mit Barbies - auch wenn sie im Moment die gruselige Version dieser Puppen aus den TV-Filmen «Monster High» bevorzugt. Mein Sohn macht Kampfsport, liebt Autos und Motorräder und setzt Lego für Neunjährige zusammen. So langsam schleichen sich aber ein, zwei untypische Dinge ein. Zum Beispiel spielt meine Tochter Fussball. Und mit meinem Sohn rannte ich kürzlich eine gute Stunde durch diverse Schuhläden, weil er ganz bestimmte Sneakers wollte und nichts anderes seinen Vorstellungen entsprach.

Viel wichtiger als diese Äusserlichkeiten finde ich aber, welche Rollenbilder sich in den Köpfen meiner Kinder festsetzen. Dass meine Tochter nicht das Gefühl hat, als Frau müsse man unbedingt kochen können, finde ich zwar in Ordnung - auch wenn ich ihr irgendwann erklären werde, dass Kochen etwas ganz Tolles ist, sowohl für Frauen als auch für Männer. Vielmehr freut mich aber an ihrem Statement, dass das Bild «Mann (in diesem Fall der Samichlaus …) geht arbeiten, Frau bleibt zu Hause und kocht» für sie offenbar total abwegig ist. Und was ich bedenklich finde: Für meinen Sohn ist sie das nicht. Dabei haben sie mit mir ja beide das selbe weibliche Rollenvorbild. Ich gehe arbeiten. Ich koche. Ich sammle High Heels. Ich mag Fussball und Eishockey. Ich kann keinen Nagel gerade in die Wand schlagen. Und Backen geht bei mir im besten Fall mit einer Backmischung. 

Für meine Kinder wünsche ich mir, dass sie irgendwann in einer Welt erwachsen sind, in der Frauen arbeiten gehen und Männer zu Hause bleiben und kochen - oder umgekehrt. Oder beides. In einer Welt, in der der Samichlaus und die Zahnfee gemeinsame Sache machen - und der Samichlaus keine Klamotten tragen muss, die ihn fett machen und die Zahnfee High Heels oder Sneakers, was immer ihr besser gefällt. In einer Welt schliesslich, in der es keinen «Tag der Frau» mehr braucht. Und auch keinen «Tag des Mannes». Weil jedes Kind weiss, dass Frauen und Männer nicht gleich sind. Aber dass das noch lange nicht heisst, dass sie nicht die gleichen Chancen, Rechte, Pflichten und Freiheiten haben sollen.