Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Grosse Kinder, grosse Sorgen?

«Wird es eigentlich einfacher oder schwieriger, wenn die Kinder grösser werden?», wird Sandra C. oft gefragt. Die Antwort der Familienbloggerin ist immer die gleiche: «Beides.» Natürlich ist diese nicht wirklich befriedigend. Deshalb ein Erklärungsversuch.
Themenbild Familienblog Kinder wachsen
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Mit der Grösse der Kinder wachsen auch die Probleme? Bloggerin Sandra C. beruhigt: Es ist alles eine Phase.

Gerade war ich wieder mit einer Kleinkind-Mutter unterwegs. Ob er eigentlich stimme, der Spruch, will sie wissen. «Welcher Spruch?», frage ich. «Kleine Kinder, kleine Sorgen, grosse Kinder, grosse Sorgen.»

Ich überlege eine Weile. Es wäre wohl ziemlich vermessen, einer Mutter, die leicht angewidert in ihrem erkalteten Essen stochert, weil ihr Kleines gerade dann brüllte, als die Pasta serviert wurde, zu erzählen, wie viel schwieriger das Leben mit grösseren Kindern ist, während ich mir den letzten Rest warmer Sauce vom Mundwinkel tupfe. «Ich meine, wird es einfacher oder schwieriger, wenn die Kinder grösser werden?», fragt sie. «Beides», sage ich. Selbstverständlich wird es einfacher. Weil das Mami-Mantra «es ist nur eine Phase» tatsächlich wahr ist. Auch wenn die «Phase» oft unendlich scheint, wenn man mittendrin steckt. Aber glaubt mir: Irgendwann schläft jedes Kind durch. Irgendwann lernt jedes Kind laufen und sprechen, kann ohne Nuggi einschlafen, macht nicht mehr in die Windeln, klettert nicht mehr auf Dinge, von denen es selbst nicht mehr runter kommt, schmeisst nicht mehr jedes Glas Sirup auf dem Tisch um (nur noch jedes zweite, wie im Fall eines meiner Kinder...) Irgendwann ist jede Mutter die, welche gemütlich und ausgeschlafen mit ihrem Latte Macchiato sitzen bleibt, während ihre Freundin alle fünf Minuten dem Nachwuchs hinterher hechtet.

Gewisse Dinge werden wirklich sehr viel einfacher. Andere hingegen werden schwieriger. Die Familienplanung rund um Schule und Hobbys wird um einiges komplizierter. Mit der Schule fängt eine neue Zeitrechnung an: Hausaufgaben, Knatsch mit Lehrern, Fächern, Freunden. Erste Entscheidungen, welche die Kinder selbst treffen müssen. Überhaupt haben gewisse Entscheidungen für die Kinder mittlerweile weitreichendere Konsequenzen als früher, als man sich den Kopf darüber zerbrach, ob nun Banane oder Rüebli besser für den Einstieg in die «Babybrei-Karriere» geeignet sei.

Aber ist er nun wirklich wahr, der Spruch mit den kleinen und grossen Kindern und Sorgen? Ganz spontan sage ich: Ja. Ich habe mich selten so hilflos gefühlt wie dann, als bei meiner Tochter die Pubertät einsetzte. Und als ich erstmals mit einem Ansatz von Mobbing gegen meinen Sohn konfrontiert wurde, hat mich das emotional so mitgenommen, wie vorher lange nichts mehr. Wenn ich mir das Ganze aber nochmal durch den Kopf gehen lasse, muss ich sagen: Als sich mein kleiner Sohn damals mehr oder weniger über den Spielplatz prügelte, fühlte ich mich auch ziemlich hilflos. Und als meine Tochter als Baby wegen eines Refluxes fast alles, was sie zu sich genommen hatte, wieder auskotzte und darum öfter kurz davor stand, kürzlich ernährt werden zu müssen, hat mich das emotional doch auch recht mitgenommen.

Deshalb kommt auch hier das Mami-Mantra zum Zug: Es ist alles eine Phase. Und in jeder dieser Phasen sind die Sorgen eben so klein oder so gross, wie wir sie gerade wahrnehmen. Es wird schwieriger und einfacher wenn die Kinder älter werden. Und die Sorgen? Die werden kleiner und grösser.

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