Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

«Mädchen fragen nicht, nur die Buben!»

Die Kinder von Sandra C. sind in einem Alter, in dem ihnen das andere Geschlecht nicht mehr egal ist, und sie es auch nicht mehr einfach doof finden. Das führt zu einigen spannenden - und amüsanten - Gesprächen im Haus der Familienbloggerin.
Teenager Liebe Kuss
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Teeanger-Liebe - so einfach und kompliziert!

«Wann hattest du eigentlich deinen ersten Freund?», fragt mich meine Tochter. Ach du Schande, das musste ja irgendwann mal kommen. Einen Moment überlege ich, ob ich ihr sage, dass ich vor 20 keinen Freund hatte, und dass ich es wunderbar fände, wenn sie das genauso macht. «Mit 13», sage ich. «Und vorher warst du nie verliebt?» - «Doch. Aber der war der erste, den ich geküsst habe. Oder er mich.» - «Und hast du das der Oma erzählt, dass du einen Freund hattest?» - «Ja klar. Ich hab der Oma immer alles erzählt!» Das stimmt zwar nicht ganz, und ich hab das damals meiner Mutter auch nur gesagt, weil der Junge an einem anderen Ort wohnte und ich ihre Erlaubnis brauchte, um dorthin zu gehen. Aber das muss meine Tochter nicht wissen.

«Willst du mir etwas sagen?», frage ich vorsichtig. «Weisst du», sagt sie, «Lukas ist jetzt mit Marie zusammen. Er hat ihr ein Brieflein geschrieben und sie gefragt, und sie hat Ja angekreuzt.» Oh - das ist ja immer noch wie bei uns damals. Ich dachte, die fragen einander mittlerweile per WhatsApp oder so. Nun ja... Mit Lukas ist sie seit Babyalter befreundet, sie wollten lange Zeit heiraten und haben im Kindergartenalter erste zarte Küsse zum Ausprobieren ausgetauscht (fandens damals aber wohl nicht so prickelnd). «Und wie ist das für dich, dass er jetzt Marie gefragt hat und nicht dich?», frage ich. «Ist doch super, ich habe ihr gesagt, sie soll Ja ankreuzen.» Aha. «Aber die schämen sich beide, irgendwie, und sie wollen es ihren Eltern nicht sagen.» (Lukas und Marie heissen nicht wirklich so, aber wenn sich ihre Mütter jetzt hier erkennen - was nicht wirklich schwierig ist: Ihr wisst das NICHT von mir!!!!)

«Weisst du», sagt sie wieder, «es gibt schönere Buben als Lukas.» - «Wer denn zum Beispiel?» Sie druckst herum. «Der, der dich letzthin an eurer Party Prinzessin genannt hat?», frage ich. Ich habs zufällig gehört und fands süss. «Jonas? Nein! Der ist ja viel kleiner als ich.» Ja gut, das kann ich verstehen. «Aber lustig ist er schon,» sagt sie. - «Ist es denn wichtiger, dass einer lustig ist oder dass er hübsch ist?» - «Hübsch!» - «Also ich hätte lieber einen, der mich zum Lachen bringt, auch wenn er weniger schön ist.» - «Ja, vielleicht...» - «Und wen findest du denn nun hübsch?» - «Leon.» Ausgerechnet! Sie fand Leon seit dem Kindergarten doof. Was ist denn jetzt passiert? «Er ist der einzige, der fast gleich gross ist wie ich.» Ach so. «Und ausserdem hat er zu Lukas gesagt, dass er in mich verliebt ist.» Ach daher weht der Wind. «Aber wenn einer in dich verliebt ist, heisst das ja nicht, dass du auch in ihn verliebt sein musst.» - «Ja, aber er ist schon auch nett. Aber er hat mich ja eh noch nicht gefragt.» - «Willst denn du fragen?» - «Nein, das geht nicht. Mädchen fragen nicht, nur die Buben.» Du meine Güte, ich dachte, die seien ein bisschen fortschrittlicher! «Und was machst du, wenn sich Leon nun nicht traut, aber Jonas schon? Ja sagen? Oder nein sagen und auf Leons Mut hoffen?» Sie grübelt. «Keine Ahnung!» - «Was heisst denn das eigentlich, wenn zwei zusammen sind?», frage ich. «Die machen einander Geschenke.» - Na, dann bleibt sie lieber noch eine Weile Single. Ihr Taschengeld kann sie nun wirklich besser investieren!

Nur so aus Neugier frage ich meinen Fast-Neunjährigen am Abend, ob das bei ihm auch so sei, dass es ein absolutes No-go ist, wenn ein Mädchen einen Jungen fragt, ob er ihr Freund sein möchte. «Nein, ist bei uns nicht so», sagt er. Er hat mir vor einiger Zeit mal gesagt, dass er im Fall schon mal eine Freundin hatte, aber dass das jetzt fertig sei, weil alle immer gesagt hätten, sie seien verliebt. (Tja, die Logik eines Zweitklässlers...) «Hast du denn damals die Anna gefragt oder sie dich?», frage ich. «Keiner von beidem. Den anderen ist aufgefallen, dass wir immer zusammen sind, und dann haben sie gesagt, sie sei meine Freundin, und dann war sie das halt.» So einfach kann es also sein. «Und wer hat dann Schluss gemacht?» - «Ich. Weil Tim mich immer ausgelacht hat! Wegen dem hab ich jetzt keine Freundin mehr! Dabei war der nur neidisch, weil er keine hat.» Na, immerhin hat er das gemerkt. «Möchtest du denn wieder mit ihr zusammen sein?», frage ich. «Nein. Ich bin jetzt in eine andere verliebt.» Und zwar in die gleiche wie zwei seiner Freunde, aber das sei das Geheimnis der drei Jungs. Das Mädchen zu fragen, ob sie seine Freundin sein wolle, komme nicht infrage - schliesslich kann man das den Freunden nicht antun. «Ausser sie würde mir dann zum Geburtstag die grosse Nerf schenken.» Aha - Wasserpistole kommt vor Freundschaft. Ich bin ja gespannt, wie das dann dereinst mit der Liebe ist.

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