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Der ganz normale Wahnsinn

Wie bringt Sandra C. Kids und Job unter einen Hut? Easy! Oder doch nicht?

Kinder unter Druck

Das Schuljahr hat erst gerade angefangen und im Hause unserer Familienbloggerin liegen schon die Nerven blank. Der Grund: Es ist ein wichtiges Jahr für beide Kids von Sandra C. Und irgendwie schafft es die ganze Familie (noch) nicht, dieses mit der nötigen Lockerheit anzugehen. 

Es ist ein entscheidendes Schuljahr für beide meine Kinder. Meine Tochter steht nach zwei Jahren Sekundarschule vor der Gymiprüfung. Bei meinem Sohn geht’s um die Oberstufe. Und Gott, wie ich die Eltern beneiden, die mir scheinbar täglich unter die Nase reiben, wie easy und problemlos bei ihnen alles läuft, wie gern die Kinder lernen, oder auch nicht, und dann sind sie trotz fehlender Lernlust unglaublich grandios in der Schule. Hallelujah.

Illusion und Realität

Tja, bei meinen ist es nicht ganz so. Meine Tochter lernt tatsächlich viel und je nachdem auch nicht ungern, und gehört zu den Besten ihrer Klasse. In Deutsch und Englisch schreibt sie ohne grossen Aufwand sensationelle Noten, in allem, was man lernen kann und sie halbwegs interessiert – Geschichte, Französisch, Bio – ist sie meist auch ziemlich gut. Schwierig ist Mathe. Da ist sie ganz die Mama – sie kann einfach nicht mit Zahlen.

Ihr Vater ist da viel besser. Oft sitzt er dieser Tage ewig mit ihr über Mathe-Formeln. Und schlussendlich sind beide frustriert. Er, weil er nicht weiss, wie er ihr das Ganze so erklären kann, dass sies kapiert, und sie, weil diese Formeln einfach nicht logisch sind für sie. Manchmal klappts, manchmal nicht. Meist schreibt sie auch in Mathe ganz passable Noten – aber der Aufwand dafür ist in meinen Augen enorm.

Er, weil er nicht weiss, wie er ihr das Ganze so erklären kann, dass sies kapiert, und sie, weil diese Formeln einfach nicht logisch sind für sie.

Trotzdem glaube ich, dass für sie ein Gymnasium absolut infrage kommt. Nicht, weil ich das möchte – im Gegenteil, mir wärs ganz recht, sie würde etwas früher eigenes Geld verdienen. Sondern weil ich glaube, dass ihr das im Moment einfach am meisten entspricht. Wenn es nach ihr gegangen wäre, hätte sie die Prüfung bereits beim Eintritt in die Oberstufe gemacht, was ich für sie persönlich zu früh fand. Sie sollte in meinen Augen noch etwas Luft haben, nicht ihre gesamte Freizeit mit Lernen verbringen.

Jetzt geht sie in den Gymi-Vorbereitungskurs der Schule und wir überlegen uns, ob ein weiterer dieser Vorbereitungskurse Sinn macht. Ich bin unentschlossen. Zum einen fände ich es furchtbar für sie, wenn sie durch die Aufnahmeprüfung fallen würde. Zum anderen finde ich: Wenn ich mein Kind mit viel Aufwand und noch mehr Geld ins Gymnasium pushen muss, gehört es dort vielleicht einfach (noch) nicht hin. Wir leben in einem Land, in dem meine Tochter unzählige Möglichkeiten haben wird, auch wenn mal etwas schiefgeht. Auch wenn sie das im Moment noch nicht so sieht. Und ich vielleicht auch noch nicht.

Der das Lernen hasst

Mein Sohn ist in jeder Hinsicht das Gegenteil. Mathe – kein Problem. Das mit den Zahlen passt einfach irgendwie für ihn, ohne dass er sagen könnte, wie er das macht. Alles andere ist schwierig. Vor allem Lernen. Er hasst es, und er hasst die Schule. Nicht, weil er die Lehrer, die Klasse oder die Fächer an und für sich nicht mag – er wüsste (oder weiss) mit seiner Zeit einfach viel Besseres anzufangen, und hält Schule und Hausaufgaben für pure Zeitverschwendung. Fussball, Schwimmen, Skaten, Velofahren, Gamen, mit Freunden (oder auch mal allein) abhängen – alles VIEL wichtiger. Ich schaue, dass er seine Hausaufgaben einigermassen erledigt, indem er weder raus noch an die Game-Konsolen darf, bevor sie gemacht sind.

Das Kuriose ist, dass es ihm nicht egal ist, was er für Noten schreibt. Schlechte Noten nerven ihn. Aber offenbar nicht genug, um wirklich zu lernen. So sind die Noten zwar ganz passabel, aber im Hinblick auf die Oberstufe müsste er sich doch noch etwas mehr Mühe geben. Ob es für eine Sek A (die höchste Sekundar-Stufe) reicht, ist im Moment nicht klar. Puh! Ganz grundsätzlich ist mir nicht wichtig, dass er eine Sek A macht. Auch wenn ich weiss, dass er clever genug dafür ist – wenn ihm das Lernen dermassen zuwider ist, müssen wir halt einen Weg finden, wie es ohne viel Büffeln für die Schule geht.

Wie oft sie auch abfucken – es ändert nichts an meiner Liebe und Unterstützung für sie.

Meine Kinder müssen nicht die Besten sein. Von mir aus müssen sie nicht «performen», weder in der Schule noch im Sport noch sonstwo. Wie oft sie auch abfucken – es ändert nichts an meiner Liebe und Unterstützung für sie. Trotzdem ist der Druck enorm. Und manchmal fast nicht auszuhalten. Sie wollen. Sie wollen wirklich – ins Gymi, in die Sek A. Aber sie können vielleicht nicht. Weil sie einfach mit diesen Zahlen nicht können. Oder so fest keinen Bock zum Voci-Lernen haben. Ich würde das so gern locker nehmen. Aber das ist nicht ganz so einfach. Denn selbst wenn mir nicht wichtig ist, dass meine Kinder akademisch etwas erreichen, möchte ich ihnen Enttäuschungen ersparen. Auch wenn ich weiss, dass ich das nicht immer kann.

Mein Wunsch: In fünf oder zehn Jahren schaue ich mir diesen Blog nochmals an – und schmunzle darüber, welche Sorgen ich mir machte.