Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Mein Körper gehört mir!

Körperlich wird die Tochter von Sandra C. langsam zur Frau. Und plötzlich wird vieles, was vorher theoretisch war, ziemlich real. Und öfter auch zur Zitterpartie für die Familienbloggerin. Denn jetzt stellt sich heraus, ob das, was sie ihrer Tochter über ihren Körper vermitteln wollte, auch tatsächlich so angekommen ist.
Körper Körperbild Frau in Strümpfen
© Getty Images

An manchen Tagen mag man seinen Figur, an anderen nicht.

«Sind deine Kinder eigentlich schon aufgeklärt?», fragte mich kürzlich eine Freundin. Klar sind sie das. Alles andere wäre unverantwortlich, schliesslich ist meine Tochter bereits heftig am Pubertieren. «Wie hast du denn das gemacht?», fragte die Freundin, deren Kinder etwas kleiner sind als meine. Das weiss ich, ehrlich gesagt, auch nicht so genau. Ich habe einfach immer geantwortet, wenn sie gefragt haben. Und ich bin froh, dass sie gefragt haben, denn so ein leicht verkrampftes Aufklärungsgespräch wäre nicht wirklich mein Ding gewesen.

Meine Tochter wird langsam aber sicher zur jungen Frau. In Sachen Schuhgrösse hat sie mich bereits überholt, und auch in Sachen Körpergrösse fehlt nicht mehr wahnsinnig viel. Ich frage mich oft, wie sie es schafft, so gut mit den unglaublichen Veränderungen klarzukommen, die da passieren. Irgendwie scheint sie das fast besser im Griff zu haben als ich. Erst gerade letzthin ist es mir wieder passiert, als ich sie vom Klassenlager abholte. Ich hatte sie eine Woche nicht gesehen ­und wunderte mich über die junge Frau mit den langen Beinen und der beeindruckenden Taille, die mir da entgegengestürmt kam. Meine grosse Kleine selbst nimmt viele Dinge, die mit ihrem Körper passieren, relativ gelassen. Während ich damals auf meine erste Monatsblutung mit mittelschwerer Panik, fragte sie ganz nüchtern, was sie jetzt genau machen solle, und das Thema war vom Tisch. Dass sie ihr Körper aber auch verunsichert, merkte ich beim Bikinikauf: Nur ja kein Oberteil, das auch nur ansatzweise eine Brust erahnen lässt. Was bei einem Bikini nicht ganz einfach ist (aber Badekleider mag sie auch nicht).

Seit einiger Zeit kann ich auch nachvollziehen, warum sie so peinlich darauf bedacht ist, keinen Brustansatz erahnen zu lassen: Langsam bemerken auch die Buben ihres Alters, dass mit den Mädchen etwas passiert. Sie sind neugierig. Sie schauen, sie tuscheln, sie vergleichen. Das ist normal und völlig okay. Trotzdem eine heikle Phase. Denn nicht alle Mädchen und Jungs sind mit einem Selbstverständnis für ihren Körper aufgewachsen, wie das meine Kinder sind. Und auch nicht mit dem wichtigsten Grundsatz überhaupt: Mein Körper gehört mir! Niemand fasst ihn an, wenn ich das nicht will -­ egal wo. Und die Meinung, ein Mädchen sei selbst schuld, wenn es sich zu aufreizend anziehe und dann begrapscht wird, ist immer noch weit verbreitet. Dazu muss ein für allemal klargestellt werden: Das ist absolut total vollkommen unwahr! Frauen im Allgemeinen und sehr junge Mädchen im Speziellen ziehen sich nicht an, um Männer oder Jungs anzumachen (sowas einem Teenager zu unterstellen ist sowieso jenseits!), sondern um dazuzugehören. Klar, die Mädels tragen heute Hotpants, und das sieht je nachdem vermutlich heisser aus, als ihnen bewusst ist. Aber sie wollen damit nicht sagen: «Schaut, wie sexy ich bin.» Sondern: «Schaut, wie normal ich bin. Ich trage, was alle anderen auch tragen.»

Meine Tochter hat Tage, an denen die Shorts nicht kurz genug und solche, an denen die Klamotten nicht weit genug sein können. Sie hat solche, an denen sie erwachsen und solche, an denen sie ein kleines Mädchen sein will. Das ist nicht immer einfach. Für sie noch weniger als für mich. Sie hat Tage, an denen sie mit sich und ihrem Körper im Reinen ist und solche, an denen sie alles an ihm hasst. Aber eines weiss sie, da bin ich mir sicher: Sie ­- und nur sie allein ­- muss mit und in diesem Körper klarkommen, ein Leben lang. Und deshalb hat auch nur sie allein das Recht, über diesen Körper zu entscheiden. Ein Leben lang.