Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Eine lange Weile

Die Sommerferien haben begonnen und Sandra C. hört nun einen Satz noch öfter als sonst: «Mir ist soooo langweilig!» Ein Gefühl, das für die Familienbloggerin selbst schwer nachzuvollziehen ist. Zum Glück sind sich Experten einig: Langeweile ist gut für Kinder.
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© Getty Images

Der Kampf gegen die Langeweile kann schwierig sein, besonders wenn die Freunde in den Sommerferien sind.

Endlich durchschnaufen. Endlich nicht mehr frühmorgens zwei Kinder aus dem Bett holen und betteln, sie mögen doch aufstehen und sich anziehen, sonst kommen sie zu spät zur Schule. Endlich nicht mehr jeden Tag verzweifelt vor meiner Pinnwand in der Küche stehen und versuchen, den Alltag meiner Kinder zu organisieren. Endlich sind alle Grümpelturniere und Abschiedsfeste durch. Für mich ein Segen. Wenn man sich meine Kinder anhört, könnte man allerdings meinen, Ferien seien etwas ganz Furchtbares. Denn ohne Schule, Sport und Hobbys sind sie ja soooo gelangweilt.

Laut Wikipedia ist Langeweile «das unwohle Gefühl, das durch erzwungenes Nichtstun hervorgerufen wird». Erzwungenes Nichtstun? Als ob ich sie dazu zwingen würde, auf dem Sofa zu sitzen und nichts zu tun. Im Gegenteil - ich wüsste eine ganze Menge an Beschäftigung für kleine und grössere Menschen, die gerade ohne Schule, Hausaufgaben und Freunde auskommen müssen. Zimmer aufräumen. Kaninchen ausmisten. Spielzeug und Klamotten aussortieren. Lesen. Ein Buch, nicht die Whatsapp-Nachrichten, welche die Freundinnen aus den Ferien schicken. Aber so schlimm kann die Langeweile denn doch nicht sein, zumal meine Kinderchen keine der erwähnten Tätigkeiten als passable Alternative dazu ansehen. Ich selbst wundere mich ehrlich gesagt ein bisschen darüber. Ich sehe immer irgend etwas, das mich auf Trab hält - selbst wenn ich mal ein paar Wochen lang nicht den Alltag meiner Kinder organisieren muss. Körbe voller Wäsche (ich glaube, ich brauche grössere Körbe, die sind immer so schnell voll…), gestapeltes Geschirr in der Küche, und mein Laptop der mich böse anfunkelt und bedrohlich flüstert: «Schreib. Jetzt. Endlich. Diesen. Blog!» Manchmal wünschte ich mir ein bisschen mehr der Nonchalance meiner Kinder, mit der ich einfach sagen würde: «Waschen? Keine Lust. Geschirrspüler einräumen? Keine Lust. Arbeiten? Keine Lust. Mir ist ja sooooo langweilig.»

Glücklicherweise sind sich mehr oder weniger alle Experten einig, dass Langeweile gar nicht so schlecht ist für die Kids. «Langeweile ist der Schlüssel zur inneren Balance», sagt beispielsweise der Familientherapeut Jesper Juul in einem Interview mit dem österreichischen «Standard». «Diejenigen, welche die Unruhe vorbeiziehen lassen, kommen in Kontakt mit ihrer Kreativität. Für Kinder ist es wichtig, ihrer inneren Kreativität zu folgen. Es macht sie unabhängig von äusserer Anerkennung.» Wenn ein Kind also sage, es sei ihm langweilig, solle man es dazu beglückwünschen.

Nun, ganz so weit gehe ich nicht. Aber als mein Sohn neben mich tritt, als ich gerade am Arbeiten bin, und weinerlich meint: «Mir ist soooo langweilig!», sage ich gut gelaunt: «Toll!» Er schaut mich an, als ob ich nicht ganz bei Trost wäre. Wenig später höre ich die beiden in der Küche hantieren. Sie machen Cupcakes. Na, super - das Chaos in der Küche ist vorprogrammiert. Ein paar Stunden später stehen sie wieder gelangweilt vor mir. Stumm weise ich auf die Küche. «Ach nein», meint meine Tochter. «So langweilig auch wieder nicht. Komm, wir basteln ein Spielzeug für die Kaninchen!»

Im Dossier: Alle Beiträge von Familienbloggerin Sandra C.