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Der ganz normale Wahnsinn

Wie bringt Sandra C. Kids und Job unter einen Hut? Easy! Oder doch nicht?

Leben mit einem Last-Minute-Kind

Sandra C. ist eine Last-Minute-Mutter. Und wie soll es anders sein, als dass sie auch ein Last-Minute-Kind hat? Was das Leben der Familienbloggerin in den hektischen Wochen vor den Sommerferien nicht gerade vereinfacht.

«Oooooou», tönt es aus dem Zimmer meines Sohnes um 6.30 Uhr morgens. Das kann alles bedeuten. Zum Beispiel, dass ihm gerade eingefallen ist, mit welchem Zug er das virtuelle Fussballspiel auf der Nintendo Switch gestern Abend doch noch gewonnen hätte. Es ist aber tatsächlich etwas von Bedeutung für den heutigen Tag.

«Wir müssen heute Lunch in die Schule mitnehmen.» – «Ihr esst in der Schule heute?» – «Keine Ahnung, wir müssen einfach Lunch mitnehmen.» – «Und das ist dir nicht früher eingefallen?» – «Sie habens erst gestern gesagt.» Ja klar, wers glaubt. Ich bastle also notfallmässig ein Sandwich aus Toastbrot und was immer ich noch im Kühlschrank finde, packe einen Apfel und einen Getreideriegel dazu, das muss reichen. Dass ich viel zu viel Gehacktes fürs Mittagessen aufgetaut habe, wenn er nicht da ist, ist Nebensache.

Wie die Mutter, so der Sohn

Böse sein kann ich ihm nicht. Zumal ziemlich offensichtlich ist, woher sein Last-Minute-Syndrom kommt. Bei mir hat es mehr oder weniger System, Dinge in letzter Minute zu erledigen – weil ich vorher meist einfach nicht dazu komme. Mit meiner Tochter ist das easy.

Ich wünschte mir öfter, ich wäre ein bisschen pflichtbewusster, was die Termine meiner Kinder betrifft. 

 

Sie passt den richtigen Moment ab und hält mir ihre Prüfungen zum Unterschreiben unter die Nase – bei guten Noten, wenn ich Zeit habe, dann weist sie mich auch auf die gute Note hin, bei schlechten meist morgens, wenn ich im Stress bin, mit der Bemerkung, sie müsse die Prüfung heute unterschrieben abgeben. Bei meinem Sohn klaube ich nach einem Warn-Mail der Lehrer zehn Prüfungen aus der Schultasche (wobei die, nach der gefragt wurde, sicher nicht da ist) zum Unterschreiben.

Grundsätzlich verträgts sicher auch zwei Chaoten pro Familie. Aber in einer Zeit wie vor den Sommerferien, in der man als Mutter eigentlich ein Sekretariat bräuchte, das die Termine der Kinder organisiert – egal, ob man berufstätig ist oder nicht – wünschte ich mir öfter, ich wäre ein bisschen pflichtbewusster, was die Termine meiner Kinder betrifft.

Dann hätte ich nämlich die Info, dass mein Sohn an jenem Tag in der Schule isst, nicht vergessen oder ignoriert (ich gehe einfach mal davon aus, dass die Info in irgend einer Art und Weise irgendwann zu mir gelangt ist, ohne dass ich es bewusst registriert habe), hätte mir einen separaten Einkaufszettel für den Tag vorher gemacht, der über Wochen am Kühlschrank gehangen hätte, und hätte meinem Sohn einen wohldurchdachten Lunch mit vielen Vitaminen gekauft und vielleicht einem klitzekleinen Päckchen Gummibärchen, um ihm eine Freude zu machen.

Aber nach den Sommerferien wird alles anders. Dann bin ich organisiert und vorausschauend und immer bestens vorbereitet.

Ja nu. Schlussendlich sind wir beide froh, mein Sohn und ich, dass er diesen Lunch überhaupt dabei hatte. Heute haben sie übrigens wieder in der Schule gegessen. Das habe ich gewusst, weil ich ihn dafür angemeldet habe. Die Anmeldung hat er nie abgegeben. Die fünf Franken für den Lunch, die ich ihm zwei Tage zu spät mitgegeben habe, hat er glaubs für Gummibärli ausgegeben.

Er hat trotzdem was zu Essen gekriegt heute. Also was solls. Aber nach den Sommerferien wird alles anders. Dann bin ich organisiert und vorausschauend und immer bestens vorbereitet. Auf jede mögliche Situation. Ich schwör.