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Der ganz normale Wahnsinn

Wie bringt Sandra C. Kids und Job unter einen Hut? Easy! Oder doch nicht?

Leben mit Teenager, Teil 539 (gefühlt)

Vor einiger Zeit listete Sandra C. zehn Gründe auf, warum sie es hasst, Mutter eines Teenagers zu sein. Das war natürlich mit einem Augenzwinkern gemeint – auch wenn jeder Grund genauso wahr wie nervig ist. Auf der anderen Seite ist es aber auch richtig cool, einen Teenie zu Hause zu haben. Denn Teenager, sagt die Familienbloggerin, haben einen ziemlich hohen Unterhaltungswert. Auch wenn – oder gerade weil – man öfter mal keinen blassen Schimmer hat, was in denen vorgeht.

«Es ist Winter», sage ich frühmorgens zu meiner Tochter. «Und.....?», fragt sie. «Ich glaube nicht, dass das bisschen Jeans um die Löcher an deinen Beinen rum dich warm hält!» Sie rollt die Augen. «Boah, ey, du hast keine Ahnung!» Wenn sie wüsste. Ich habe total Ahnung. Ich war nämlich ziemlich genauso alt wie sie, als zerrissene Jeans ebenfalls in waren.

Ich hab meine Eltern so lange damit genervt, dass ich ein Paar der modernen Hosen wolle, bis mein Vater irgendwann die Schere holte und meine liebste Jeans zerschnippelte. Was mich an den Rande eines Teenie-Nervenzusammenbruchs brachte. Ich kann also gut nachvollziehen, warum die Löcher in ihrer Hose so wichtig sind. Auch darüber, dass sie ihre geliebten Adidas-Sneakers und kurze Söckchen anzieht – und dazu einen dicken Pulli, Winterjacke und Schal – kann ich nur schmunzeln. Offenbar friert sie obenrum mehr als von der Taille abwärts.

Löcher-Jeans, Boybands und Morgenmuffel

Meine Tochter ist der beste Teenager der Welt. Sie schreibt grossartige Noten, ist vielseitig interessiert, liebt Musik, Sport und ihre Freundinnen. Und hat ein paar seltsame Vorlieben. Zum Beispiel fährt sie gerne Bus. Virtuell. Während andere Mädchen sich auf Youtube Schminktipps holen, hat sie sich Apps mit Namen wie «Coach Bus» und «Public Transport» aufs Handy geladen, und steuert virtuelle Busse durch virtuelle Städte. Weil ihr liebster Youtuber jeweils ein Spiel spielt, bei dem er einen «Flixbus» steuert. Deshalb ist es bei uns auch Brauch, im Auto laut und begeistert «Fliiiiiiiiixbus!!!», zu schreien, wenn wir eines der grünen Gefährte auf der Autobahn überholen.

Und dann sind da natürlich die Jungs. Sieben an der Zahl. Sie heissen V, Suga, Jin, Jungkook, RM, Jimin und J-Hope. Zusammen sind sie die koreanische Boyband «Bangtan Boys», kurz «BTS» – und ihnen gehört zur Zeit fast die ganze Liebe meiner Tochter. Sie singen und rappen ihre Boyband-Songs auf koreanisch – und teilweise gar nicht mal so schlecht.

Irgendwie sind Teenies gar nicht so anders als zu meiner Zeit

Ihr wahrer Unterhaltungswert liegt aber darin, dass sie nicht richtig englisch können, aber Dutzende von Interviews in dieser Sprache geben. Wann immer meine Tochter in ihrem Zimmer vor ihrem Laptop sitzt und sich wegschmeisst vor lachen, übt sie also kein Franz-Voci, sondern schaut sich so ein Interview an. Ich muss zugeben: Es IST lustig – aber irgendwann hat man das dann auch gesehen. Also bei aller Liebe und auch wenn ich ihr noch sehr zeigen möchte, dass ich mich dafür interessiere, was sie mag: Nein, ich hab keinen Bock auf NOCH ein BTS-Video!

Wenig unterhaltend finde ich hingegen, dass sie mir die Hölle heiss gemacht hat, ich soll sie morgens um 6.15 Uhr wecken, dass sie genug Zeit hat, sich für die Schule bereit zu machen. Um 7 Uhr finde ich sie jeweils angezogen und fertig frisiert und geschminkt wieder tief schlafend unter der Decke!

Löcher-Jeans, Sneakers, Boybands, Morgenmuffel – irgendwie sind Teenies gar nicht so anders als zu meiner Zeit. Auch wenn für mich Youtuber, K-Pop und eine Vorliebe für Flixbusse unverständliche Phänomene sind. Aber unterhaltsam sind sie allemal.