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Der ganz normale Wahnsinn

Wie bringt Sandra C. Kids und Job unter einen Hut? Easy! Oder doch nicht?

Kinder, lebt euer Leben – für euch, nicht für mich!

Es ist wieder soweit: Die Kinder von Sandra C. haben ihre Zeugnisse bekommen. Und alle wollen wissen, ob diese ihren Erwartungen entsprechen. Tun sie das?, fragt sich die Familienbloggerin selbst. Und: warum in aller Welt sollten ihre Kinder die Erwartungen ihrer Mutter erfüllen?

Eins vorneweg: Die Zeugnisse meiner Kinder sind fantastisch – genau wie die Kinder selbst. Meine Tochter gehört in der Oberstufe zu den besten ihrer Klasse, und mein Sohn, bisher nur sehr oberflächlich an Schule und Noten interssiert, hat sich in jedem Fach um mindestens eine halbe Note verbessert.

Klar bin ich stolz auf sie. Aber das wäre ich auch, wenn ihre Zeugnisse nicht so toll wären, wie sie es sind. Mein Sohn hingegen ist enttäuscht, sagt er. In erster Linie von der Deutschnote. Er hat in den Prüfungen immer besser abgeschnitten, als diese Note suggeriert. Das Argument, dass die etwas tiefere Note vielleicht daran liegen könnte, dass seine Aufsätze jeweils – gelinde gesagt – recht kurz ausfielen, lässt er nicht gelten. Er hat offenbar seine eigenen Erwartungen nicht erfüllt.

Seine eigenen – nicht meine. Denn ich finde, meine Kinder sind nicht da, um meine Erwartungen zu erfüllen. Überhaupt finde ich Erwartungen etwas Furchtbares. Denn enttäuschte Erwartungen sind Schuld am Scheitern jeder Beziehung – auch an denen zu sich selbst.

Meine Kinder müssen nicht so sein, wie ich das von ihnen erwarte. Sie sollen keine guten Noten schreiben, weil ich das so will – sondern weil ihnen das wichtig ist. Und wenn es nicht so ist, müssen wir gemeinsam evaluieren, warum nicht.

Ich stelle keine Ansprüche an meine Kinder. Sie müssen nicht irgendwie sein oder irgendwas machen, damit ich zufrieden bin. Meine Kinder sind nicht da, um mich glücklich zu machen. Das kann ich nur selbst. Im Gegenzug bin ich durchaus für das Glück meiner Kinder verantwortlich. Aber ich muss ihnen auch beibringen, dass eben irgendwann niemand anders mehr für ihr Glück verantwortlich ist als sie selbst. Und wenn sie Erfolg – oder eben gute Noten – möchten, müssen sie allein wissen, was sie bereit sind, dafür zu tun.

„Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied“, heisst es. Bei Kindern stimmt das natürlich nur bedingt. Trotzdem: Meine Kinder gehören nicht mir. Sie leben mit mir zusammen und müssen deshalb gewisse Regeln befolgen, damit für uns alle dieses Zusammenleben funktioniert. Aber sie müssen nicht erfolgreich sein – weder in der Schule noch im Sport oder in sonstwas – um mich happy zu machen. Meine Kinder leben ihr Leben für sich selbst – nicht für mich. Und ich freue mich, wenn sie sich über ihr Zeugnis freuen. Weil sie sehen, was sie geleistet haben – und nicht weil sie irgendwelche Erwartungen erfüllt haben!