Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

«Machs mit Stil»

Einst war für Familienbloggerin Sandra C. klar: Ausser zum Joggen würde sie niemals in Trainerhosen das Haus verlassen. Aber das ist lange her.

«Entweder Manhattan oder nöd», Bligg sei Dank taucht die Frage nach Stil immer wieder auf bei uns. Konkret, jedes Mal wenn meine Kinder den Bligg-Song «Manhattan» hören.

«Es isch t Art wiemer lauft» - meine Tochter hat leichte X-Beine. Mein Sohn läuft nie, er rennt. Und ich schaffs nicht mal gerade durch eine Tür zu gehen, ohne mir am Türrahmen den kleinen Zeh zu brechen. 

«wiemer denkt» - meine Tochter denkt wie ihr Vater, deshalb versteh ich sie oft nicht. Mein Sohn denkt wie ich, deshalb versteh ich ihn oft auch nicht. Und ich denke manchmal nicht besonders viel, ehrlich gesagt.

«wiemer red» - meine Tochter kann gleichzeitig reden und zuhören. Mein Sohn redet nicht, er schreit. Und ich komme meist nicht dazu, etwas zu sagen.

«wiemer isst» - meine Tochter isst am liebsten, wenn sie dabei nicht am Tisch sitzen muss. Mein Sohn schafft es auch mit sechs noch regelmässig, sein Essen im ganzen Gesicht zu verteilen. Und ich schaffe es auch mit 37 noch regelmässig, dass mein Essen auf meinen Klamotten landet. 

«wiemer fahrt» - eine der ganz wenigen Sachen, die mein Sohn besser kann als meine Tochter ist Velofahren. Sie kommt mit dem Ding irgendwie nicht klar. Er ist ein Ass. Und die allermeisten Fluchwörter, die sie kennen, haben sie auf dem Rücksitz meines Autos gelernt.

«wiemer sich chleidet» - meine Tochter gibt seit Kurzem «Shoppen» als Hobby an und will im Laden alles anprobieren, inklusive Unterhosen. Mein Sohn regt sich darüber auf, wenn Hosenknöpfe aufgehen, Löcher in den Klamotten stören ihn nicht. Und ich habe früher über Frauen gelästert, die in Trainerhosen einkaufen gehen. Heute mache ich das auch, immer am Montagmorgen vor dem Joggen.

«und bewegt» - meine Tochter kann den ganzen Tag rennen, springen, auf den Beinen sein - und ist abends trotzdem nicht müde. Mein Sohn auch. Ich werde schon müde, wenn ich ihnen zuschaue.

«Machs mit Stil, Stil oder lass es si.»

Jeder hat einen Stil, sagt meine Tochter. Irgendeinen. Und an wem ist es, zu urteilen, ob der gut oder schlecht ist? Bei uns zu Hause ist die Antwort auf diese Frage einfach: an meiner Tochter. Sie wollte sich kürzlich die Haare rot strähnen lassen. Als ich ihr das verbot, war ihr Urteil gnadenlos: «Du häsch eifach kei Stil, Mann!» Und da ihr Wort in unserem Haushalt Gesetz ist, gelte ich da ab sofort als stillos.