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  4. Homeoffice mit zwei Teenagern: Wie das so (nicht) geht

Der ganz normale Wahnsinn

Mein Homeoffice ist jetzt ein Co-Working-Space

Für unsere Familienbloggerin ist das Homeoffice nichts Neues. Dass sie es mit zwei Mitarbeitenden teilen muss hingegen schon. Zumal diese zwischendurch recht irritierend sein können.

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Ruhiges Homeoffice? Das war einmal. Unsere Familienbloggerin hat derzeit zwei Mitarbeitende, die ganz schön für Trubel sorgen.

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Ich habe dieser Tage einen Vorteil gegenüber vielen Kolleginnen und Kollegen: Ich arbeite schon lange zu einem grossen Teil im Homeoffice, mein gewohnter Workflow würde sich also nur minim ändern. Würde. Denn eines ist trotzdem grundlegend anders: Mein bisher einsames Homeoffice ist jetzt ein Co-Working-Space. Ich habe seit kurzem zwei neue Mitarbeitende. Sie arbeiten von hier aus für zwei verschiedene Unternehmen, und in einem Anflug von geistiger Umnachtung habe ich zugestimmt, dass ich sie dabei unterstütze und kontrolliere.

Ungewöhnlicher Dresscode am Konferenztisch

Am ersten Tag erscheint meine eine Mitarbeiterin (in der Folge MA1 genannt) zwar tatsächlich zum vereinbarten Zeitpunkt am Konferenztisch, allerdings im Pijama, und verlangt erstmal nach Zmorge. Der zweite Mitarbeiter (in der Folge MA2 genannt) erscheint gar nicht. Auf Nachfrage gibt er zu Protokoll, er fände eine morgendliche Konferenz unnötig, er wisse was er zu tun habe. Und er würde es vorziehen, möglichst ungestört in seinem eigenen Büro-  aka Teenager-Schlag - zu arbeiten.

«Ob es sich bei der jeweiligen Pause, bei der ich ihn gerade störe, immer noch um die vorherige oder bereits wieder um eine neue handelt, kann er mir nicht beantworten.»

Also gut. Ich entschliesse mich zu stündlichen Kontrollgängen ins Büro von MA2, wobei er genau dann immer gerade am Handy ist. Er könne sich nicht so lange am Stück konzentrieren, erklärt er (mit Ausnahme von Fifa-Spielen an der PS), er müsse immer wieder mal fünf Minuten Pause machen. Ob es sich bei der jeweiligen Pause, bei der ich ihn gerade störe, immer noch um die vorherige oder bereits wieder um eine neue handelt, kann er mir nicht beantworten.

Zu blöd? Zu alt? Zu untalentiert?

Der zweite Tag beginnt damit, dass die äusserst verstimmte MA1 am Konferenztisch erscheint. Die Online-Sitzung mit ihrem Arbeitgeber hat sich um zwei Stunden nach hinten verschoben, sie hätte also zwei Stunden länger schlafen können. Wobei diese Online-Schaltung zwei Stunden später eher an eine Teenie-Party als an eine seriöse Sitzung erinnert. MA2 und ich hingegen kommen schon morgens in den totalen Stress, weil er vor 8.30 Uhr seinen Tagesplan einreichen muss. Das wurde erst am späten Abend zuvor so angeordert, weshalb ich es nicht rechtzeitig gesehen habe. Wir quälen uns an diesem iPad mit DSFiles rum, bis ich mich frage, ob ich zu blöd, zu alt oder zu untalentiert bin oder alles zusammen.

«Der Versuch, gewisse Worte zu unterbinden - wobei ich ehrlich gesagt nicht bei allen die genaue Bedeutung verstehe - gelingt erst mit der Drohung, den Glacé- und Schoggivorrat im gemeinsamen Homeoffice nicht mehr aufzufüllen.»

Schwierig wird es, als langsam die soziale Langeweile einsetzt. MA2 ersetzt die Pausenrangeleien mit seinen Freunden durch das willkürliche Piesaken von MA1, was den Umgangston in unserem Co-Working-Space zeitweise auf ein fragwürdiges Niveau bringt. Der Versuch, gewisse Worte zu unterbinden - wobei ich ehrlich gesagt nicht bei allen die genaue Bedeutung verstehe - gelingt erst mit der Drohung, den Glacé- und Schoggivorrat im gemeinsamen Homeoffice nicht mehr aufzufüllen.

Effizienz? Naja ...

Nun, man kann sich denken, dass mein Homeoffice auch schon effizienter war. Und was denken wohl gewisse Telefoninterview-Partner, wenn im Hintergrund «Du blööööde Schpassstttiii» geschrien wird? Aber auch dafür hab ich mittlerweile eine ganz einfach Lösung gefunden: «Entschuldigen Sie bitte kurz - kann mal jemand den Fernseher leiser drehen?»

Mehr von Familien-Bloggerin Sandra C. lest ihr hier.

Von Sandra C. am 30.03.2020
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