Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Morgenstund und nichts läuft rund!

«Komm ich zu spät?», fragt meine Tochter fast jeden Morgen wenn wir das Haus verlassen. Ich hasse mich dafür, dass ich sie so hetze. Aber irgendwie krieg ich das einfach nicht auf die Reihe.

Wenn ich am Morgen ins Büro komme und die ausgeschlafenen, frisch geschminkten Gesichter meiner kinderlosen Kolleginnen sehe, packt mich manchmal der blanke Neid. Gut, ab und zu ist eine von ihnen unausgeschlafen, was in der Regel an einer - wie auch immer - durchgemachten Nacht liegt, worauf mich der noch grössere Neid packt. Zwar sind meine Kinder mittlerweile Gott sei Dank in einem Alter, in dem sie die meisten Nächte durchschlafen. Aber bevor ichs morgens ins Büro schaffe, habe ich oft schon zwei Stunden pures Chaos hinter mir.

Wenn ich den Kindern zum Beispiel noch im Halbschlaf meinen Kaffee in ihre Kakaobecher fülle, stehen die Chancen ganz schlecht, dass wir irgendwie miteinander klarkommen in den nächsten zwei Stunden. Blöd auch, wenn ich beim Öffnen ihrer Kleiderschränke feststelle, dass die Unterhosen alle noch klatschnass in der Waschmaschine liegen und notfallmässig per Fön getrocknet werden müssen. Meine Tochter morgens aus dem Bett zu kriegen ist in etwa so schwierig, wie ein Murmeltier aus seiner Höhle zu locken. Ein bisschen schneller gehts nur, wenn ihr einfällt, dass sie vergessen hat, ihre Hausaufgaben zu machen. 

Mein Sohn hingegen findet sieben Uhr morgens sei genau der richtige Zeitpunkt für eines der folgenden Dinge: Sein Kinderschlagzeug zu traktieren, ein Lego-Star-Wars-Mobil zusammenzubauen (inklusive Wutanfall alle zwei Minuten), fünf Rollen WC-Papier ins WC zu stopfen weil er die Rollen zum Basteln braucht, vier Portionen «Cini Minis» in fünf Minuten zu verschlingen und die Hälfte davon auf den Kinderzimmerboden kotzen. 

Wenn er dann beim Aus-dem-Haus-Rennen mit dem Klettverschluss seiner Jacke an meinen Strümpfen hängenbleibt und ich der Laufmasche zusehe, wie sie in Windeseile lang und länger wird, bemerke ich aus den Augenwinkeln den verzweifelten Blick meiner Tochter.

- «Komme ich zu spät?»
- «Nein, kommst du nicht. Erzähl in der Schule einfach bitte nicht, dass du Kaffee getrunken hast, nasse Unterhosen trägst und dass es in der Küche nach Kotze stinkt, weil wir das Erbrochene deines Bruders das Lavabo runterspülen mussten, da das WC verstopft ist. Dann ist alles in Ordnung.»