Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Danke Mama!

Alle Jahre wieder beschert er Blumenhändlern, Schoggi-Verkäufern und Restaurants ein gutes Geschäft: der Muttertag. Und alle Jahre wieder löst er bei Sandra C. gemischte Gefühle aus. Einerseits findet die Familienbloggerin den Tag so unnötig wie einen Löffel zum Spaghetti-Essen. Andererseits kann es ja nichts schaden, wenn man sich ab und zu darauf besinnt, dass die Mama doch einen gewissen Stellenwert hat im Leben.
Muttertag Blumen
© iStockphoto

Blumen zum Muttertag? Bloggerin Sandra wärs lieber, ihre Kinder würden mal ohne zu murren ihr Zimmer ausmisten.

«Ich hab kein Muttertagsgeschenk für dich», eröffnet mir meine Tochter. «Aber vielleicht fällt mir bis zum Muttertag ja noch etwas ein.» Nun ja, ich hätte da schon ein paar Ideen, sagte ich. «Du könntest dein Zimmer mal freiwillig aufräumen.» - «Was????» - «Den Kaninchenstall ausmisten?» - «Ach nöööööö!» - «Zumindest mal ohne Diskussionen duschen, Haare waschen und Zähne putzen?» - «Mal luege... Mir fällt sicher noch etwas ein, das ich basteln kann.»

Um es klipp und klar zu sagen: Als Mutter finde ich den Muttertag unnötig. Mir wäre es echt viel lieber, meine Kinder würden mal ohne Diskussionen ihr Zimmer aufräumen und ihre Hausaufgaben machen, statt aus einem Pflichtgefühl heraus irgend etwas zu basteln, weil das halt alle machen, und weil einem in Schule, Kindergarten oder Kita erzählt wird, dass es wichtig ist, genau an besagtem Tag den Müttern kollektiv danke für ihr mühseliges Dasein zu sagen. Ich erinnere mich, dass mein Sohn zum Muttertag einmal ein Gedicht aus der Kita mit nach Hause brachte. Den genauen Wortlaut weiss ich nicht mehr, aber es war ein gereimtes Dankeschön dafür, dass das Mami für den Sohnemann jahraus jahrein kocht, wäscht und putzt. Ich habe ernsthaft erwägt, da anzurufen, und zu fragen, ob sie noch ganz bei Trost seien, den Kindern ein solches Gedicht zum Muttertag mitzugeben. Ausgerechnet eine Kita - wo in erster Linie Kinder verkehren, deren Mütter am Erwerbsleben teilnehmen und kochen, waschen und putzen wohl kaum als Lebensinhalt ansehen (abgesehen davon, dass ich mir auch nicht vorstellen kann, dass eine Mutter, die Hausfrau ist, darin ihre grösste Leistung sieht). Wie auch immer: Ich finde «erzwungenes» Basteln, Blumenschenken oder Zum-Essen-Einladen etwas Furchtbares! Irgendwie macht der Muttertag uns Mütter zu einer Randgruppe, die ein Schattendasein fristet, und einmal im Jahr ein kleines bisschen glänzen darf, um dann bitte wieder zu ihren selbstverständlichen Pflichten zu verschwinden.

Auf der anderen Seite ist es eben schon so, dass man als Kind seiner Mutter zu ewigem Dank verpflichtet ist. Schliesslich begannen ihre Verpflichtungen schon vor unserer Geburt. Neun Monate kein Alkohol und kein Sushi - das hätte ich bestimmt für niemand anderen getan als für meine Kinder! Was meine Mutter alles für mich gemacht hat, ahne ich erst seit der Geburt meiner eigenen Kinder. Und ein paar Blumen oder ein Essen können dafür niemals Danke sagen. Und Worte können es eigentlich auch nicht. Ich versuche es trotzdem:

Mama. Ich hatte eine grossartige Kindheit, an die ich unglaublich gern zurückdenke. Wegen dir. Ich bin die, die ich bin - und ich finde mich recht gut so. Wegen dir. Ich bin meinen eigenen Weg gegangen. Weil du mich gelassen hast. Ich weiss, dass du mich immer lieben wirst, egal was ich mache, wo ich bin und mit wem. Für all das brauchen wir keinen Muttertag. Du siehst mich jeden Tag als Mensch, als Frau, als Mutter, und du weisst, dass ich weiss, wieviel von dir in mir ist. Und du hast mir etwas mitgegeben, was viel wertvoller ist als kochen, waschen, und putzen: Die Fähigkeit, bedingungslos zu lieben. So wie du mich liebst, liebe ich meine Kinder. Egal, was sie machen, wer sie sind, wohin sie gehen, was aus ihnen wird. Dafür bin ich dir dankbar - und zwar jeden Tag!

Im Dossier: Mehr Familien-Blogs von Sandra C.