Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Ein Nachtrag zum Muttertag

Der Muttertag ist vorbei, und eigentlich hat Sandra C. bereits vergangene Woche über ihn gebloggt, und sollte nun bitte wieder in der mütterlichen Selbstverständlichkeit verschwinden, bis nächstes Jahr. Aber nachdem sie den Tag erlebt hat, hat die Familienbloggerin doch noch etwas zu sagen.
Muttertag Blumen
© iStockphoto

Lasst das mit den Blumen und den Karten, findet Sandra S. 

Irgendwie ist mir der Muttertag recht schräg eingefahren dieses Jahr. Wie gesagt, ich finde ihn eigentlich unnötig und nicht erwähnenswert - so hab ich beim Aufstehen an besagtem Sonntag auch keinen Gedanken an ihn verschwendet. Mein Sohn hatte bei einem Freund übernachtet und musste abgeholt werden, während zwei Freundinnen meiner Tochter bei uns übernachtet hatten, und die Girlgang schrie zwischen zwei Youtube-Filmli nach Frühstück. Ich holte also den Junior ab und ging auf dem Nachhauseweg in die Bäckerei. Die war vollgestopft mit Männern und Kindern, und die Auslage quoll über vor Muttertags-Kuchen und -Pralinen. Erst da wurde mir bewusst, dass Muttertag war. 

Nun ja, ich kaufte, was es eben noch gab an normalem Frühstücksbrot, ging mit Sohn nach Hause und machte Zmorge für die Rasselbande. Mein Sohn überreichte mir artig ein in der Schule ausgeschnittenes rotes Herz, auf dem er sich bedankte, dass ich «so lieb» bin und immer für ihn Essen kaufe - was zwei Interpretationen zulässt: a) über meine Kochkünste äussert er sich lieber nicht oder b) Working mum verdient selbstverständlich Geld und ernährt ihn. Wie auch immer, als ich dieses Herz anschaute, kam mir in den Sinn, warum ich dieses Sagt-Mama-einmal-im-Jahr-danke-für-alles-Zeugs so schräg finde: Meine Kinder sind mir in keiner Weise zu Dank verpflichtet. Es war nicht ihr Entscheid, dass ich ihre Mutter bin. Auch wenn das spirituell gesehen durchaus im Bereich des Möglichen liegt - aber als Realistin bleibe ich bei den Fakten: Ich habe mich für diese Kinder entscheiden, und nicht umgekehrt! Ich sollte dankbar sein, dass sie da sind. Und das bin ich. Der Vorname meiner Tochter bedeutet übersetzt «die Freude». Und ich sollte mich jeden Tag darüber freuen, ihre Mutter sein zu dürfen. Und unendlich dankbar dafür sein, dieses selbstbewusste, talentierte, vorlaute Mädchen durchs Leben begleiten zu dürfen. 

Mein Sohn heisst übersetzt «Gott ist gnädig». Ich sollte Gott - oder wem auch immer - jeden Tag dafür danken, dass dieses eigensinnige, herausfordernde, überaus liebenswerte Geschöpf bei mir ist. Und nochmal: Ich war es, die ihn und seine Schwester gewollt hat, sie können nichts dafür, dass sie hier sind. Die Verpflichtungen kamen sozusagen mit der «Bestellung». Sie schulden mir nichts dafür, dass ich für sie da bin. Und sie schulden mir auch nichts dafür, dass ich sie liebe. Seit ich durch meine Kinder als Mutter geboren wurde, weiss ich eines: Wahre Liebe ist kein Gegengeschäft. Sie ist absolut bedingungslos. Egal wann, wie, wo, warum, was war und was und wer man sein wird. Egal, ob man zurück geliebt wird. Wahre Liebe verlangt keinen Dank. 

Und vielleicht liegt genau darin die Stärke des Muttertages: Zu erkennen, dass die eigene Mutter einem selbst gegenüber dieses einseitige Geschäft eingegangen ist. Zu erkennen, dass man bedingungslos geliebt wird - egal wann, wie, wo warum, wer man ist und wer man sein wird. Diese Erkenntnis ist gewaltig - und mit einem Dankeschön kann man ihr niemals gerecht werden. Deshalb ein Input für euch alle für den nächsten Muttertag: Lasst die Blumen, lasst die Pralinen, lasst die Kuchen, lasst das oberflächliche «Danke fürs Kochen, Waschen und Putzen». Sagt: «Ich liebe dich.»

Im Dossier: Alle Blogs von Sandra C.